Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0909/69461.html    Veröffentlicht: 02.09.2009 12:02    Kurz-URL: https://glm.io/69461

Interview: Der Herr der Playstation-Spiele

Gespräch mit dem Chef der Spielestudios von Sony

Shuhei Yoshida ist Chef der Worldwide Studios von Sony Computer Entertainment - unter seiner Ägide entstehen Spiele wie Gran Turismo, Killzone 2 und Uncharted. Im Interview mit Golem.de sprach Yoshida über das technische Potenzial der Playstation 3, Entwicklerstudios und aktuelle Spieletrends.

Seit Mitte 2008 leitet Shuhei Yoshida die Worldwide Studios von Sony Computer Entertainment, in denen 14 Entwicklerstudios - die alle vollständig Sony gehören - zusammengefasst sind. Unter anderem gehören dem Verbund Polyphony Digital (Gran Turismo) aus Japan, Naughty Dog (Uncharted 2) aus den USA und Guerrilla Games (Killzone 2) aus den Niederlanden an.

Golem.de: Sony bringt gerade die Playstation 3 Slim auf den Markt. Wie viel von der Leistungsfähigkeit des Systems nutzen aktuelle Spiele eigentlich?

Shuhei Yoshida: Tatsächlich ist es so, dass die Leistungsfähigkeit von jeder Konsole ziemlich leicht erreichbar ist - es reicht, immer mehr Objekte im Spiel unterzubringen, bis sie überfordert ist. In Wirklichkeit kommt es darauf an, wie klug unsere Entwickler mit dem System umgehen, damit sie möglichst viel damit machen können. Es geht also nicht so sehr darum, wie viel der Leistungsreserven sie verwenden, sondern um das Potenzial der Hardware und wie sie das System effizient und klug verwenden.

Einige Leute beantworten Ihre Frage übrigens wie Naughty Dog, die nach Fertigstellung des ersten Uncharted gesagt haben: Wir verwenden 20 Prozent der CPU und mit dem zweiten Spiel können wir deutlich zulegen. Für Entwickler ist das wichtig, aber wenn die Teams davon sprechen, dass das Maximum erreicht ist, gilt das dafür, wie sie ihre Software angepasst haben. Wenn sie daran arbeiten, können sie noch mehr aus der Playstation 3 herausholen.

Golem.de: In welchen Bereichen wie Grafik, künstliche Intelligenz oder Physik erwarten Sie in nächster Zeit besonders große Fortschritte?

Yoshida: Überall! Entwickler verwenden das System für tolle Grafik, aber auch für andere Aufgaben. Die Art, wie sie die Hardwareressourcen bestimmten Tasks zuordnen - also Grafik, KI oder Physik -, hängt ganz von ihnen ab, und überall ist noch viel Raum nach oben vorhanden.

Was ich aus Sicht des Produzenten mehr sehen möchte, ist besseres Verhalten menschlicher Figuren im Spiel. Es ist sehr schwierig, Personen so zu erschaffen, dass sie sich glaubwürdig verhalten - deutlich schwieriger, als sie echt aussehen zu lassen. Das ist ein Gebiet, wo ich die Entwickler ermuntern möchte, noch die Leistungsfähigkeit der Playstation 3 zu nutzen.

Golem.de: Viele Spieler sehen derzeit keine allzu großen Unterschiede zwischen Spielen etwa auf der Xbox 360 und der Playstation 3. Wird das in Zukunft anders sein?

Yoshida: Einige Third-Party-Entwickler wollen die Möglichkeiten der Playstation 3 nicht ausschöpfen, weil sie nicht nur für eine Konsole entwickeln. Auch Publisher bewegen ihre Studios aus wirtschaftlichen Gründen nicht unbedingt dazu, bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen.

Bei unseren eigenen Spielen, die exklusiv sind, ist das anders. Wir konzentrieren uns ganz auf die Entwicklung für die Playstation 3 und haben keine Hemmungen, alle Möglichkeiten der Hardware zu verwenden. Ich hoffe, dass mit zunehmender Erfahrung die Entwickler der PS3 mehr aus der Technik herausholen und man Dinge sehen wird, die auf anderen Plattformen unmöglich sind.

Golem.de: Welchen Tipp würden Sie jungen Entwicklerstudios geben, die sich jetzt in der Spielebranche etablieren wollen?

Yoshida: Ich denke, es gibt eine Reihe spannender neuer Chancen, insbesondere weil der Marktzugang derzeit gut möglich ist. Etwa bei der digitalen Distribution, also bei Playstation Network oder Wii-Ware. Wir sind sehr offen für kleine Entwicklerteams und kleine Spiele, wenn sie die Vorteile der jeweiligen Plattform nutzen. Ein weiterer ist der Markt für mobile Endgeräte, also vom Handy bis zur Playstation Portable. Auch der Markt für webbasierte Onlinespiele ist eine Option.

Golem.de: Wie weit mischt sich Sony eigentlich bei den Entwicklerstudios in die internen Strukturen ein? Sie haben ja ein Interesse daran, dass die Spiele möglichst gut und pünktlich fertig werden.

Yoshida: Wenn ein Entwicklerstudio wächst, dann muss es natürlich auch seine Strukturen anpassen. Das ist wichtig, insbesondere weil die Teams derzeit größer werden und Kommunikation eine zunehmende Rolle spielt. Einige Entwickler beraten wir schon, bei einigen geht das auch mal weiter - wenn wir beispielsweise helfen, angemessen große Büroflächen bereitzustellen.

Golem.de: Was sind für Sie die interessantesten neuen Entwicklungen im Spielemarkt?

Yoshida: Bewegungssteuerung ist eine wichtige Neuerung für uns. Wir haben viel Erfahrung damit, mit innovativen Eingabegeräten erfolgreiche Marken zu schaffen - etwa Eyetoy, Singstar oder Buzz. Unsere neue Bewegungssteuerung ist allerdings nicht für ein einzelnes Spiel gedacht, sondern eher als Initiative für eine neue Plattform, die Entwickler für viele verschiedene Arten von Spielen verwenden können.

Unsere Studios sind derzeit stark in die Entwicklung der Controller eingebunden, weil wir viele Anforderungen daran stellen und Ideen haben, was man damit alles tun könnte. Die Absicht ist, ein breites Publikum zu erreichen, indem wir Spiele zugänglicher und einfacher zu spielen machen. Wir bekommen aber auch sehr positives Feedback von den Hardcorefans. Die wollen, dass unsere Bewegungssteuerung auch in konventionelleren Spielen funktioniert.

Golem.de: Was hat sie das letzte Mal in einem Spiel wirklich überrascht?

Yoshida: Das war eine neue Technologie, die wir aber noch nicht angekündigt haben. Davor war ich zuletzt auf der E3 überrascht, als ich die Livedemonstration von Uncharted 2 gesehen habe.  (ps)


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