Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0908/69359.html    Veröffentlicht: 27.08.2009 12:16    Kurz-URL: https://glm.io/69359

Test: Windows 7 - das macht der Vista-Nachfolger besser

Neue Taskleiste und verbesserte Fensterverwaltung überzeugen

Die Arbeit an Windows 7 ist abgeschlossen und Microsoft verspricht viel Neues. Welche Änderungen es im Detail gibt und was die neuen Funktionen von Windows 7 bringen, erklärt Golem.de. Besonderes Augenmerk wird auf die Bedienung der neuen Windows-Version gelegt.

Die herausragenden Neuerungen von Windows 7 sind die neue Taskleiste mit der erweiterten Vorschaufunktion und den Sprunglisten sowie das neuartige Fenstermanagement, das sowohl mit der Maus als auch mit der Tastatur gesteuert werden kann. Die Verwaltung von angeschlossener Hardware ist sehr viel besser geworden und selbst das leidige Thema Benutzerkontensteuerung ist Microsoft angegangen. Am 22. Oktober 2009 wird der Nachfolger von Windows Vista in den Handel kommen.

Neuartige Taskleiste

Mit Windows 95 hatte Microsoft die Taskleiste in die Windows-Welt eingeführt. Seitdem gab es zwar einige optische Überarbeitungen, aber keine grundlegenden Veränderungen. Erst mit Windows 7 kommt eine Reihe neuer Funktionen, die Windows-Nutzer zum Teil seit Jahrzehnten vermisst haben. Dazu gehört, die Reihenfolge der Tasksymbole nun ohne Einsatz von Zusatzsoftware verändern zu können. Mit Windows 7 gibt Microsoft die Trennung zwischen Task- und Schnellstartbereich auf.

Sowohl Programmverknüpfungen als auch Tasks befinden sich nun im gemeinsamen Hauptbereich der Taskleiste von Windows 7, so dass sich die Windows-Taskleiste in dieser Hinsicht am Dock von MacOS X orientiert. Wird ein auf der Taskleiste abgelegtes Programm gestartet, ändert sich das Symbol und der Nutzer erkennt, dass die Applikation nun läuft. Laufen mehrere Instanzen einer Applikation, werden sie standardmäßig zu einem Symbol zusammengefasst. Das Symbol ist dann mit einer versetzten Umrandung versehen, die wirkt, als wenn mehrere Symbole übereinandergestapelt wären. Allerdings verändert sich das Symbol ab der vierten Instanz nicht mehr, so dass der Nutzer anhand des Symbols nur erkennt, ob ein, zwei, drei oder mehr Instanzen der Software geöffnet sind. Andernfalls würde die Symbolstapelei wohl auch unübersichtlich werden.

In der Standardeinstellung gibt es zu den Tasks keine Textbeschreibung mehr, sondern lediglich das Programmsymbol. Dadurch passen mehr Symbole in die Taskleiste, die nun auch als Programmstarter dient. Optional kann eine Darstellung mit Programmnamen und Tasksymbol gewählt werden. Diese Einstellung wirkt sich aber nur auf die Tasksymbole aus. Programmverknüpfungen werden weiterhin nur mit einem Symbol dargestellt. Dadurch lassen sich laufende Applikationen und festgepappte Applikationen deutlich besser voneinander unterscheiden als in der Standardeinstellung.

Auch wenn die Gruppierungsfunktion deaktiviert ist, fasst Windows 7 mehrere Fenster einer Applikationen zu einer Taskgruppe zusammen. Dadurch lassen sich solche Programmgruppen nur gesammelt auf der Taskleiste verschieben. Das Verhalten ähnelt der Taskgruppierung des Internet Explorer 8. Unabhängig davon, wie die Taskleiste konfiguriert ist, integriert Windows 7 eine Fortschrittsanzeige in die Tasksymbole. Das ist sehr praktisch, denn ein Blick auf die Taskleiste zeigt, wie weit etwa ein Kopiervorgang bereits fortgeschritten ist. Die ausführende Applikation muss also nicht extra in den Vordergrund geholt werden. Auch diese Windows-7-Neuerung muss von Applikationen direkt unterstützt werden.

Die bisherige Funktion "Desktop zeigen" wurde nun noch fester in die Taskleiste integriert und rutscht von der linken Taskleistenseite auf den rechten Rand. Rechts neben der Uhr kann der Funktionsbereich nicht mehr an eine andere Position verschoben werden. Ein Klick darauf minimiert alle Applikationen und wenn der Mauspfeil nur darauf ruht, werden alle Programmfenster mit einem Rahmen angedeutet. Der Nutzer hat dann für einen Moment freien Blick auf den Desktopbereich.

Mit dieser Funktion lassen sich Gadgets ansehen, die mit Windows 7 frei auf der Desktopfläche platziert werden können. Mit Windows Vista hatte Microsoft Gadgets eingeführt, aber dafür musste eine Windows Sidebar aktiviert werden, damit die Miniprogramme nutzbar sind. Im Vergleich zu Gadgets für MacOS X oder KDE wirken die Windows-Gadgets aber weiterhin altbacken und einfallslos.

Aufgemotzte Vorschau in der Taskleiste

Seit Windows Vista kennt die Taskleiste eine Vorschaufunktion und zeigt eine Miniaturansicht des Tasks, wenn der Mauspfeil über dem betreffenden Tasksymbol ruht. Befindet sich der Mauspfeil auf einem Vorschaufenster, dann zeigt Windows 7 die Applikation im Vollbild, während alle anderen Programmfenster nur noch mit einem Rahmen angedeutet werden. In Windows 7 erhält die kleine Vorschau zudem einen Schließenknopf, so dass einzelne Programmfenster bequem beendet werden können. Bisher standen solche Funktionen nur über das Kontextmenü bereit, wo sich mit Windows 7 neue Befehle finden. Neben dem Schließen eines Fensters kann das Programmsymbol dauerhaft auf der Taskleiste abgelegt oder von dieser wieder entfernt werden. Alle Befehle zum Minimieren, Maximieren oder Verschieben von Programmfenstern gibt es an dieser Stelle nicht mehr.

Zudem können Befehle zur Programmsteuerung in der Taskvorschau integriert sein. Im Windows Media Player wird so die Wiedergabe angehalten oder fortgesetzt und der Nutzer kann im Lied oder Film vor- und zurückspringen. Ruht der Mauspfeil über einem Vorschaubild, wird das passende Fenster aktiv, während alle anderen Programmfenster für einen besseren Überblick ausgeblendet werden.

Die Taskvorschau steht auch für die einzelnen Tabs im Internet Explorer 8 zur Verfügung. Dadurch kann sich der Nutzer die einzelnen Browsertabs in der Vorschau ansehen, ohne den Browser selbst aktivieren zu müssen. Das wird derzeit aber nur von Microsofts Browser unterstützt. Ob hier auch andere Browserhersteller nachziehen, ist noch nicht bekannt. Wenn die Taskvorschau sehr viele Einträge aufweist, zeigt Windows 7 nur noch eine Textliste der geöffneten Tabs oder Instanzen. Wenn der Mauspfeil auf einem solchen Textfeld ruht, kommt wie bei den Vorschaubildchen das betreffende Browsertab in den Vordergrund, während andere Applikationen nur noch mit einem Rahmen angedeutet werden.

Nicht alles ist perfekt an der neuen Taskvorschau

Die Taskvorschau sorgt allerdings für ein ungewöhnliches Verhalten der Taskleiste. Klickt der Nutzer auf ein Tasksymbol, hinter dem mehrere Tasks stecken, öffnen sich nur die Vorschaubildchen. Von der Bedienlogik der Taskleiste her müsste die Applikation allerdings eigentlich den zuletzt aktiven Task nach vorne holen. Genau das passiert auch, allerdings nur, wenn die Gruppierenfunktion in der Taskleiste ausgeschaltet wurde. Es bleibt Microsofts Geheimnis, warum dieses unsinnige Verhalten auch noch in der fertigen Version von Windows 7 zu finden ist, obwohl es zuletzt beim Release Candidate kritisiert wurde.

Sprunglisten in der Taskleiste und im Startmenü

Mit Windows 7 verabschiedet sich Microsoft von der zentralen Verlaufsfunktion im Startmenü, um die zuletzt aufgerufenen Dokumente oder Webseiten zu öffnen. Stattdessen werden diese Daten nun der passenden Applikation zugeordnet. Allerdings nur, wenn dies auch von der Software unterstützt wird. Derzeit sind es vor allem die mit Windows 7 ausgelieferten Programme, die diese Sprunglisten beherrschen. Aber Stück für Stück werden auch andere Applikationen daran angepasst.

Über Pop-up-Fenster erreicht der Nutzer geöffnete Dokumente nun wahlweise über das Taskleistensymbol einer Applikation oder über den Programmeintrag im Startmenü. Voreingestellt merkt sich das System die zehn häufigsten Einträge pro Applikation, in den Startmenü-Einstellungen kann der Wert verändert werden. Außerdem lassen sich einzelne Dateien dauerhaft in der Sprungliste ablegen. Dazu muss nur ein Knöpfchen mit der Maus angeklickt werden. Via Kontextmenü lassen sich außerdem einzelne Einträge aus der Liste löschen. Die Sprungliste kann außerdem einzelne Programmfunktionen enthalten. Im Fall des Internet Explorer 8 kann der Nutzer darüber den Privatsurfen-Modus aufrufen oder ein neues Tab öffnen.

Aufgrund der Sprunglisten reagiert die Taskleiste nun anders, wenn Dateien auf eine Programmverknüpfung gezogen werden. Dann wird diese Datei in die Sprungliste der betreffenden Applikation abgespeichert. Wird beim Ablegen der Datei die Umschalttaste gedrückt, wird die Datei mit der betreffenden Applikation gestartet. Dabei macht sich allerdings ein lästiges Ärgernis bemerkbar: Denn die betreffende Applikation wird unverständlicherweise im Hintergrund gestartet und vom Betriebssystem nicht in den Vordergrund geholt, wie es der Nutzer erwarten würde. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Programm schon läuft oder mit der übergebenden Datei gestartet wird. Dieses Verhalten ändert sich auch nicht, wenn die Gruppierenfunktion in der Taskleiste deaktiviert wird.

An den Komfort des Docks in MacOS kommt Windows 7 damit nicht heran. Wird unter MacOS eine Datei auf ein Programm im Dock gezogen, zeigt das Betriebssystem gleich, ob die Software damit überhaupt etwas anfangen kann. Bei Windows 7 muss der Nutzer selbst wissen, ob die Datei bei dem Programm gut aufgehoben ist.

Das Startmenü von Windows 7 entspricht in Aufbau und Struktur dem, was von Windows Vista bekannt ist. Es ist in zwei Bereiche geteilt. Die linke Seite zeigt wahlweise festgetackerte Verknüpfungen sowie häufig benutzte Programmverknüpfungen oder alle Einträge im Startmenü. Alternativ lassen sich Programme starten, indem der Programmname in das Suchfeld eingegeben wird. Vielfach ist dieser Weg des Applikationsstarts wesentlich effizienter als sich durch die Untiefen des Startmenüs zu klicken. Auf der rechten Startmenüseite finden sich Verknüpfungen zu Standardverzeichnissen wie Dokumente, Bilder, Musik, Spiele, Computer, die neue Geräteverwaltung und die Systemsteuerung.

Neu aufgezogen wird mit Windows 7 auch der Tray-Bereich der Taskleiste. In diesem Areal legen sich Programme ab, die im Hintergrund laufen und ansonsten nicht in der Taskleiste auftauchen. Immer mehr Softwareanbieter sind dazu übergegangen, sich bei einer Installation in diesem Tray-Bereich zu verewigen. Bei einem leidlich gepflegten Windows-System wuchert dieser Bereich daher schnell zu und nimmt dann einen beträchtlichen Teil der Taskleiste ein. Mit einem radikalen Schnitt will Microsoft dieses Problem lösen, indem Windows 7 in der Standardeinstellung nur noch maximal vier Symbole in diesem Bereich anzeigt.

Das lässt die Taskleiste zwar nicht mehr automatisch zuwuchern, hilft aber nicht dagegen, dass viele Applikationen im Hintergrund laufen, die der Nutzer nur selten oder auch gar nicht verwendet. Der Ansatz von Microsoft verdeckt das Problem somit nur, anstatt es etwa durch eine Änderung von Installationsrichtlinien zu beseitigen. Die Mengenbegrenzung auf vier Icons kann auch aufgehoben werden und der Nutzer kann festlegen, unter welchen Voraussetzungen ein Icon im Traybereich erscheint.

Dabei hat der Nutzer die Wahl, ob Symbole samt Benachrichtigungen generell ein- oder ausgeblendet werden sollen. Als dritte Option kann das Symbol der Applikation ausgeblendet werden, während Benachrichtigungen weiterhin erscheinen. Wie auch in der Taskleiste lassen sich nun die Symbole im Tray-Bereich beliebig mit der Maus verschieben, so dass der Anwender mehr Ordnung in diesen Bereich bringen kann.

Unpassenderweise erscheint auch das Icon zum Entfernen angeschlossener Hardware nicht mehr im Traybereich. Das macht das Entfernen angeschlossener Hardware deutlich umständlicher, weil der Nutzer nun erst ein Kontextmenü aufrufen muss, um Geräte abzumelden. Außerdem dürfte es dafür sorgen, dass mehr Anwender vergessen, das Gerät vor dem Abziehen vom System abzumelden.

Windows 7 ohne klassisches Startmenü

Manche Anwender von Windows XP und Vista verwenden immer noch das klassische Startmenü, das sich umfangreicher konfigurieren lässt als das neue Vista-Startmenü, das sich funktional unverändert in Windows 7 findet. Allerdings fehlt dem klassischen Startmenü die komfortable Suchfunktion des neuen Startmenüs, über die sich Applikationen sehr schnell finden lassen. Mit Windows 7 streicht Microsoft die Möglichkeit, die klassische Startmenüdarstellung zu verwenden, es gibt nur noch eine Startmenüansicht.

In den Designvorlagen von Windows 7 findet sich zwar weiterhin eine klassische Darstellung, aber der Aufbau des Startmenüs bleibt davon unberührt. Die klassische Darstellung hinterlässt den Eindruck, dass Microsoft diese Darstellung langfristig nicht mehr unterstützen will. Anders ist jedenfalls kaum zu erklären, dass diese Designvorlage derart unansehnlich ist.

Eine weitere Verschlechterung beim Umgang mit der Taskleiste fällt zunächst nicht weiter auf. Noch mit Windows Vista ließen sich die Startmenüverzeichnisse über das Kontextmenü des Startknopfs aufrufen, um darin über den Windows Explorer die Verzeichnis- und Verknüpfungsstruktur zu verändern. Das ist zwar auch direkt im Startmenü möglich, aber weniger komfortabel, vor allem wenn größere Aufräumarbeiten angesagt sind. In Windows 7 gibt es im Kontextmenü des Startknopfs nur noch zwei Einträge, um die Eigenschaften der Taskleiste sowie den Windows Explorer mit der Startansicht aufzurufen. Will ein Windows-7-Nutzer das Startmenü mit dem Windows Explorer bearbeiten, muss er die entsprechenden Verzeichnisse mühsam in den Verzeichnistiefen der Windows-Installation heraussuchen.

Fensterverwaltung mit mehr Komfort

Außer für das Startmenü hat sich Microsoft mit Windows 7 Neues beim Umgang mit Programmfenstern einfallen lassen. Auch dieser Bereich des Betriebssystems hat seit Windows 95 keine wesentlichen Änderungen erfahren. Mit der neuen Windows-Version lassen sich Programmfenster sehr bequem in der Größe verändern. Die pfiffigen Funktionen dafür liefert die Komponente Aero Snap, die intuitiv zu steuern ist.

Mit Aero Snap können Programmfenster bequem auf verschiedene Standardgrößen gesetzt werden. Das Fenster wird maximiert, wenn es an den oberen Bildschirmrand gezogen wird. Wird das Programmfenster hingegen nach oben oder unten bis zum Bildschirmrand vergrößert, wird es auch nur in der Höhe maximiert. Die Seitenmaße des Fensters werden beibehalten.

Beim Andocken an den linken oder rechten Bildschirmrand wird jeweils die halbe Displayfläche mit dem Fenster belegt. Dadurch lassen sich mühelos zwei gleich große Fenster nebeneinander positionieren. Wird das Fenster hingegen zum linken oder rechten Bildschirmrand hin vergrößert, gibt es keine Reaktion von Windows 7. Das ist etwas schade, würde es den Bedienansatz doch vervollständigen. Generell gilt: Sobald ein derart positioniertes Fenster vom Bildschirmrand weggeschoben wird, nimmt das Fenster die ursprünglichen Maße an.

Die Funktion Aero Shake minimiert andere Applikationen auf sehr innovative Weise, wenn auch der Zugang zu der Funktion nicht sonderlich intuitiv ist. Das aktive Fenster muss dazu mit der Maus gehalten und kräftig geschüttelt werden. Daraufhin werden alle anderen laufenden Windows-Fenster minimiert. Die Übersichtlichkeit erhöht sich schlagartig, weil keine störenden Fenster im Weg liegen. Ein nochmaliges Schütteln bewirkt das Gegenteil und aktiviert die minimierten Applikationen wieder. Aero Snap und Aero Shake kennen derzeit weder MacOS noch Linux.

Fensterverwaltung funktioniert auch per Tastatur

Für alle neuen Funktionen zur Fensterverwaltung stehen auch passende Tastenkürzel bereit. Im Zusammenspiel mit der Windows-Taste übernehmen die Pfeiltasten die entsprechenden Mausbewegungen. Der Pfeil nach links und rechts maximiert das Fenster zur Hälfte an den linken oder rechten Bildschirmrand. Wird die Tastenkombination nochmals betätigt, springt das halb maximierte Fenster auf die andere Seite des Bildschirms und ein nochmaliger Tastendruck stellt die ursprünglichen Fenstermaße wieder her.

Das Programmfenster wird auf maximale Größe gesetzt, wenn die Windows-Taste mit dem Pfeil nach oben gedrückt wird. Hält der Nutzer dabei die Umschalttaste zusätzlich gedrückt, maximiert sich das Fenster nur nach oben und unten, die Seitenmaße bleiben bestehen. Bei einem irgendwie maximierten Fenster werden mittels Windows- und Pfeil-nach-unten-Taste die vorherigen Fenstermaße wieder hergestellt und eine nochmalige Betätigung minimiert das Fenster in die Taskleiste. Die Windows- und Home-Taste minimiert zudem alle Programmfenster, die gerade nicht aktiv sind, entspricht also der Funktion Aero Shake. Die Fenster-Tastenkürzel sind allesamt durchdacht und prägen sich zügig ein, so dass sie schnell ein gutes Werkzeug zur Effizienzsteigerung darstellen.

Auch die Tastensteuerung für die Taskleiste hat einige Anpassungen erfahren. Seit Windows Vista können Programmverknüpfungen mit der Windows-Taste und einer Zahlentaste aufgerufen werden. Dabei ist die Reihenfolge der Verknüpfungen entscheidend, wobei von links nach rechts gezählt wird. Da Schnellstartleiste und Taskleiste nun verbunden sind, kann der Nutzer per Tastatur nicht nur Programme starten, sondern auch laufende Applikationen nach vorne holen. Wird die zu einem laufenden Task passende Tastenkombination nochmals betätigt, wird das betreffende Fenster in die Taskleiste minimiert. Bis zu zehn Programme können so gesteuert werden. Das funktioniert aber nicht mit den Tasten im Ziffernblock.

Über diese Tastenkombinationen kann der Nutzer auch zwischen mehreren Tasks einer Applikation wechseln. Das gilt auch für Software, die die Tab-Vorschaufunktion von Windows 7 unterstützt. In beiden Fällen öffnet die Windows-Taste mit der Zahlentaste die Taskvorschau von Windows 7 und holt das betreffende Fenster als Vorschau nach vorne. Das System verhält sich also so, als ob die Maus auf der Taskvorschau ruht.

Wird zusätzlich zur Windows- und Zahlentaste die Umschalttaste betätigt, öffnet sich eine neue Instanz der betreffenden Applikation; wird bei Betätigung der Windows- und Zahlentaste die Alt-Taste gedrückt, erscheint die Sprungliste des Programms. Bei der Sprungliste macht sich wieder ein kleiner Fehler in der Bedienlogik bemerkbar. Wenn die Tastenkombination bei aufgeklappter Sprungliste betätigt wird, passiert nichts. Hier erwartet der Nutzer eigentlich, dass sich die Sprungliste wieder schließt. Auch für den kurzzeitigen Blick auf den Desktop gibt es mit Windows- plus Leertaste eine neue Tastenkombination. Dabei werden alle Programmfenster transparent und der Nutzer erhält freien Blick auf den Desktop. Sobald die Tastenkombination nicht mehr gehalten wird, erscheinen wieder alle Programmfenster.

Mehr Komfort im Windows Explorer

Ein paar Verbesserungen hat der Windows Explorer erhalten, der nun sogenannte Bibliotheken kennt. Das sind virtuelle Verzeichnisse, in denen die Inhalte aus verschiedenen Ordnern gesammelt erscheinen. Wenn der Nutzer etwa Urlaubsfotos auf drei Ordner verteilt hat, kann er sich eine Bibliothek anlegen, um darin alle Fotos der drei Verzeichnisse vorzufinden. Dabei werden die Dateien nicht kopiert, sondern nur verlinkt.

Auch Netzwerklaufwerke lassen sich einbinden, allerdings nur, wenn die Daten auf einem Rechner mit Windows 7 oder Windows Server 2008 R2 liegen. Damit dürfte diese Möglichkeit für viele Nutzer faktisch nicht nutzbar sein. Als weitere Einschränkungen lassen sich Daten von optischen Medien nicht hinzufügen und auch Daten von USB-Festplatten lassen sich oftmals nicht einbinden. Bei USB-Sticks klappt es häufiger, aber auch nicht immer.

Mit Windows 7 hat Microsoft endlich einen Wunsch der Nutzer erhört und ein leicht zugängliches Icon integriert, um neue Verzeichnisse anzulegen. Damit wird das Erstellen von Ordnern deutlich einfacher. Bisher musste der Anwender dafür in langen Untermenüs wühlen, was vergleichsweise umständlich ist.

Vereinfachte Verwaltung angeschlossener Hardware

Windows 7 hat eine neuartige Geräteverwaltung erhalten. Der Nutzer erhält einen komfortablen Überblick über alle an den Computer angeschlossene Hardware. Dabei wird versucht, jedes Gerät möglichst realistisch abzubilden, so dass der Nutzer etwa seine Tastatur, seine Kamera oder seine Maus schnell erkennt und nicht nach meist schwer zu merkenden Produktbezeichnungen suchen muss. Allerdings zeigt Windows 7 noch nicht bei allen Geräten die passenden Bilder. Über das Kontextmenü der einzelnen Geräte erreicht der Anwender alle relevanten Einstellungen. Über die Geräteverwaltung können Maus- und Tastatureinstellungen, aber auch Displaykonfigurationen eingestellt werden. Der Nutzer muss nicht mehr zahlreiche Einträge in der Systemsteuerung durchforsten, sondern findet alle relevanten Befehle über eine zentrale Schaltstelle.

Generell kann Windows 7 nun eine Reihe von Sensoren direkt ansprechen. Dazu zählen Bewegungssensoren, Temperaturmesser sowie Fingerabdruckscanner. Das erleichtert Hardwareherstellern das Ansprechen der Sensoren über einheitliche Schnittstellen und lässt neue Anwendungsmöglichkeiten von Windows 7 erwarten. Da Geräte mit Windows 7 erst im Oktober 2009 auf den Markt kommen, wird sich zeigen, wie schnell und intensiv Hardwarehersteller diese neuen Möglichkeiten einsetzen.

Ein neuer Tastenbefehl wird vornehmlich Nutzer mobiler Computer freuen: Mittels der Tastenkombination Windows-P schaltet der Nutzer bequem zwischen verschiedenen Anzeigegeräten um. Mit einem Tastendruck kann eine Präsentation auf einen Beamer gebracht werden und das lange Suchen in den Windows-Einstellungen entfällt.

Eine weitere kleine Verbesserung richtet sich ebenfalls an Nutzer mobiler Rechner und beseitigt ein bislang lästiges Problem. Wer etwa mit einem Notebook immer an anderen Netzwerken angemeldet ist, wird sich freuen, dass sich in Windows 7 einstellen lässt, dass das Betriebssystem abhängig vom verwendeten Netzwerk einen bestimmten Standarddrucker verwendet. Ist der Nutzer im Firmennetzwerk angemeldet, landen Ausdrucke automatisch auf dem Firmendrucker, während Ausdrucke daheim auf dem privaten Drucker zu Papier kommen, ohne dass der Nutzer noch Hand anlegen muss.

Die betreffende Option findet sich ziemlich versteckt in der Geräteverwaltung. Eigentlich gehört die Option nach dem neuen verbesserten Ansatz der Geräteverwaltung ganz klar als Befehl in das Kontextmenü, findet sich darin aber nicht. Stattdessen muss erst ein Drucker ausgewählt sein, dann erscheint in der oberen Befehlsleiste ein neuer Menüpunkt namens "Standarddrucker verwalten". Darüber bestimmt der Anwender dann, welcher Drucker in welchem Netz automatisch verwendet werden soll. Eine solche Einstelloption findet sich etwa bei Lenovo-Notebooks schon länger in den Netzwerkfunktionen.

Einfache Netzwerkeinrichtung

Bei der Einrichtung eines kleinen privaten Netzwerks hilft Windows 7 vor allem Nutzern, die sich in solchen Dingen nur wenig auskennen. Zwei Computer mit Windows 7 genügen bereits, um mit wenigen Mausklicks ein Netzwerk zwischen den beiden Geräten herzustellen. Die Verbindungen sind dabei mit einem Kennwort verschlüsselt und Dateifreigaben können entsprechend vorgenommen werden. Der Nutzer muss sich nicht mit der Installation oder Konfiguration von Netzwerkprotokollen herumschlagen, weil Windows 7 die notwendigen Komponenten selbsttätig entsprechend einrichtet und konfiguriert.

Im Rahmen der Netzwerkfunktionen informiert das Betriebssystem nun, wenn sich der Anwender bei einer Netzwerknutzung zuvor über einen Webbrowser anmelden muss. Das kann etwa bei WLAN-Hotspots oder Internetzugängen in Hotels der Fall sein, die eine solche Anmeldung zwingend voraussetzen. Damit erspart sich der Anwender den Versuch, den Internetzugang zu nutzen, ohne sich vollständig angemeldet zu haben.

Benutzerkontensteuerung arbeitet vierstufig

Ein oft beklagtes Ärgernis von Windows Vista war die Benutzerkontensteuerung. Dieses an sich sinnvolle Sicherheitssystem spuckte dermaßen viele Warnhinweise aus, dass viele Anwender die Hinweise entweder einfach immer bestätigt oder den Schutz der Benutzerkontensteuerung ganz ausgeschaltet haben. In Windows 7 kann die Benutzerkontensteuerung in vier Stufen reguliert werden und vor allem die vielen doppelten Abfragen von Windows Vista gibt es nicht mehr.

In der untersten Stufe werden alle Rückfragen automatisch bestätigt und der Nutzer erhält keine Dialoge mehr, während in der obersten Einstellung alle Änderungen vom Anwender bestätigt werden müssen. Die oberste Stufe entspricht somit der Einstellung in Windows Vista mit einer entsprechend hohen Sicherheit. Aber selbst die niedrigste Stufe bietet noch eine höhere Sicherheit als die vollständige Abschaltung der Benutzerkontensteuerung.

Um das Einschleusen von Schadsoftware zu erschweren, sind ab Windows 7 alle Autostarts von USB-Sticks oder externen Festplatten deaktiviert. Das soll verhindern, dass sich Schadsoftware automatisch verbreitet, wenn nur die Hardware angeschlossen ist. Allerdings lässt Microsoft die letzte Konsequenz vermissen, denn die automatische Wiedergabe optischer Datenträger ist weiterhin voreingestellt. Hier muss der Anwender selbst Hand anlegen, um dieses Einfallstor für Schadsoftware abzuschalten.

Beigaben

Der in Windows 7 enthaltene Windows Media Player 12 unterstützt nun mehr Audiocodecs, so dass sich mehr Inhalte direkt abspielen lassen. Er versteht die Formate AAC, MPEG4, H.264, AVCHD, XviD sowie DivX und kann Blu-ray-Scheiben wiedergeben. Eine neue Kompaktansicht nimmt weniger Platz auf dem Bildschirm ein und der Windows Media Player kann über die Taskvorschau in Grundzügen bedient werden. Dadurch lässt sich die Wiedergabe bequem pausieren oder fortsetzen sowie Kapitel oder Lieder vor- und zurückspringen.

Sowohl Paint als auch Wordpad haben die Ribbon-Oberfläche erhalten, wie sie mit Office 2007 eingeführt wurde. Die neue Wordpad-Version kann keine normalen Word-Dateien mehr öffnen oder speichern, sondern kommt nur mit dem Format von Word 2007 klar. Im Gegenzug kann Wordpad nun auch Opendocument-Dokumente öffnen und speichern. Applikationen wie das Adressbuch und ein E-Mail-Client gehören nicht mehr zum Lieferumfang. Dafür verweist Microsoft auf entsprechende Live-Produkte des Unternehmens. Damit will der Konzern eine stärkere Verbreitung der Live-Dienste erreichen. Bislang fristen sie eher ein Nischendasein und werden bis auf den Windows Live Messenger kaum genutzt.

Umstiegsprobleme

Als Basis von Windows 7 setzt Microsoft auf Windows Vista, der Neuling verwendet also den Vista-Kernel. Auch das von Vista bekannte Treibermodell findet sich in Windows 7 wieder. Somit sind beim Wechsel von Windows Vista zu Windows 7 kaum Probleme zu erwarten. Lediglich systemnahe Applikationen wie Virenscanner oder Ähnliches müssen an die neue Windows-Version angepasst werden. Ein Wechsel von Windows XP auf Windows 7 kann hingegen ähnliche Probleme verursachen wie ein Wechsel zu Windows Vista. Allerdings sind mittlerweile mehr Applikationen an Vista angepasst, so dass die Probleme geringer ausfallen, wenn aktuelle Versionen der verwendeten Applikationen benutzt werden.

Fazit

Windows 7 ist ganz klar das bessere Windows Vista und bringt viele Neuerungen, die sich der Anwender schon von Vista erhofft hatte. Daher wirkt Windows 7 stellenweise weniger wie eine neue Betriebssystemversion, sondern wie ein Service Pack für Windows Vista. Allerdings sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Microsoft an einigen Stellen sehr pfiffige Ideen hatte. Windows 7 ist anzumerken, dass der Hersteller stärker versucht hat, Nutzerwünsche umzusetzen. Oft ist das gelungen, aber leider nicht immer.

Die innovative Fensterverwaltung verdient Respekt und bedeutet derzeit ein Alleinstellungsmerkmal im Betriebssystemmarkt. Löblicherweise hat sich Microsoft auch leicht zu merkende Tastenkombinationen einfallen lassen, so dass sich diese Neuerung bequem auch ohne Maus einsetzen lässt. Auch die verbesserte Taskleiste mit erweiterter Taskvorschau und Sprunglisten macht einiges her, ist im Vergleich zur Fensterverwaltung aber lediglich evolutionär und nicht revolutionär. Schade nur, dass einigen Funktionen in der Taskleiste der letzte Feinschliff fehlt und dass die Taskleiste etwa im Vergleich zum Funktionsumfang vom Dock in MacOS X immer noch rückständig wirkt.

Einen großen Schritt nach vorn hat Microsoft auch bei der Geräteverwaltung getan, über die sich angeschlossene Hardware sehr komfortabel verwalten lässt. Besonders weil viele Anwender diese Funktionen nicht häufig benötigen, ist eine einfache Bedienung wichtig. Der Nutzer findet darüber alle nötigen Optionen ohne langes Suchen.

Für Anwender von Windows Vista ist Windows 7 ein deutlicher Sprung nach vorn, so dass sich ein Wechsel auf die neue Version lohnt. Anwender von Windows XP müssen abwägen, wie viele Schwierigkeiten bei einem Wechsel zu Windows 7 zu erwarten sind. Spannend bleibt es, wie Gerätehersteller die Unterstützung von Sensoren nutzen. Damit sind ganz neue Gerätetypen denkbar, aber alles hängt davon ab, ob die Hersteller den Mut aufbringen, neue Wege zu beschreiten.  (ip)


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