Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0908/69311.html    Veröffentlicht: 25.08.2009 11:23    Kurz-URL: https://glm.io/69311

Gericht ordnet Abschaltung von Pirate Bay an (Update)

Behörde: Pirate-Bay-Betreiber haben kein Geld für Schadensersatzzahlungen

Das Tauziehen um den Bittorrent-Tracker Pirate Bay geht weiter: Ein schwedisches Gericht hat die Schließung angeordnet. Unterdessen hat die Vollzugsbehörde Kronofogden festgestellt, dass bei drei der vier verurteilten Betreiber kein Geld für Schadensersatzzahlungen zu holen ist.

Auf Antrag der US-Filmindustrie hat ein Stockholmer Gericht den Bittorrent-Tracker Pirate Bay schließen lassen, berichtet die schwedische Zeitung The Local. Das Gericht wies den Provider Black Internet an, das Angebot vom Netz zu nehmen.

Abschalten oder zahlen

Da es dem Unternehmen mit einem Bußgeld in Höhe von 500.000 schwedischen Kronen, umgerechnet knapp 50.000 Euro, drohte, befolgte Black Internet die Anweisung, die mit dem Urteil gegen die Pirate-Bay-Betreiber in Zusammenhang steht. Im April hatte das Gericht Fredrik Neij, Gottfrid Svartholm Warg, Peter Sunde und Carl Lundström wegen der Beihilfe zur Urheberrechtsverletzung zu Gefängnisstrafen von einem Jahr und Schadensersatzzahlungen in Höhe von 30 Millionen schwedischen Kronen, umgerechnet knapp 3 Millionen Euro, verurteilt.

Das Pirate-Bay-Team verurteilte die Schließung als unrechtmäßig. Es habe sich jedoch einen neuen Provider gesucht und sei nach wenigen Stunden wieder online gewesen, sagte ein Mitglied dem Blog Torrentfreak. Am Dienstagvormittag war Pirate Bay allerdings nicht erreichbar. Daran seien laut Torrentfreak technische Probleme beim neuen Provider schuld.

Nichts zu holen

Dafür kommen die verurteilten Pirate-Bay-Betreiber offensichtlich um die Schadensersatzzahlungen herum, berichtet der US-Branchendienst CNet unter Berufung auf schwedische Medien. Die schwedische Vollzugsbehörde Kronofogdemyndigheten, kurz Kronofogden, habe bei Neij, Sunde und Lundström nichts gefunden, was sie hätte pfänden können. Im Mai hatte die Kronofogden die Verurteilten aufgefordert, trotz der laufenden Berufung die Zahlungen sofort zu leisten.

Zum Prozessauftakt im Februar hatte Sunde erklärt, keiner der Angeklagten habe das Geld, um die Forderungen der US-Medienunternehmen zu erfüllen. "Wir sind nicht reich und haben das Geld nicht. Die kriegen keinen Cent." Nach dem Urteil war darüber spekuliert worden, dass die Zahlungen an Lundström hängenbleiben könnten. Als Erbe des Lebensmittelkonzerns Wasabröd verfügt er als Einziger über genug Geld. Auf das Vermögen scheinen die schwedischen Behörden aber keinen Zugriff zu haben.

Nachtrag vom 25. August 2009, 14 Uhr

Unterdessen hat der Pirate-Bay-Provider Black Internet mit Ausfällen zu kämpfen, berichtet das Magazin Computer Sweden. Die Kunden des Unternehmens hätten keinen Internetzugang. Unternehmenschef Victor Möller sagte dem Magazin, Black Internet sei Ziel eines Angriffes geworden, der die Infrastruktur des Unternehmens getroffen habe.

Details über die Art des Angriffes und einen möglichen Ursprung nannte Möller nicht. Das Unternehmen arbeite daran, seine Dienste wieder aufzunehmen. Es sei gelungen, im Laufe des Tages Teile des Netzes wieder in Betrieb zu nehmen. Black Internet hat nach eigenen Angaben Polizei und Spezialisten eingeschaltet, um den Fall aufzuklären.

Die Pirate-Bay-Seite ist inzwischen wieder erreichbar. Der Dienst ist allerdings weiterhin außer Kraft. Auf der Seite prangt die Karikatur einer Pirateninsel sowie eine Kurzbotschaft der Betreiber, die verspricht, der Dienst sei "in ein paar Stunden wieder online".  (wp)


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