Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0908/69117.html    Veröffentlicht: 17.08.2009 22:06    Kurz-URL: https://glm.io/69117

Cloud Computing: Auswirkungen von Onlive, Gaikai & Co

Spielentwickler Denis Dyack über die Spielewelt von morgen

Die tatsächliche Spieleberechnung erledigt ein Rechnerpark irgendwo im Internet - und selbst auf Low-End-PCs erstrahlen High-End-Programme mit allen Details: Cloud Computing könnte die Spielebranche umkrempeln. Auf der GDC Europe 2009 hat sich Denis Dyack von Silicon Knights mit dem Thema beschäftigt.

Denis Dyack, Silicon Knights
Denis Dyack, Silicon Knights
"Wenn Technologie besser wird, wird sie immer nebensächlicher", sagte Denis Dyack, Chef des Entwicklerstudios Silicon Knights, im Rahmen seines Vortrags auf der GDC Europe in Köln. Er meinte mit der Technik sowohl Toaster, Kühlschränke, Handys als auch die Hardware für Computerspiele. Nach Auffassung von Dyack könnte Cloud Computing die gesamte Branche radikal umkrempeln: Microsoft und Sony könnten ihre Konsolen einmotten, und auch am PC würde ein simpler Browser für maximalen Spielspaß ausreichen. Die tatsächliche Berechnung der Spiele erledigen dann riesige Rechnerfarmen - die sogenannte Cloud. Deren gerenderte Bilder gelangen als komprimiertes Video per Internet auf den Rechner des Spielers, der wiederum seine Eingaben zurück in die Cloud schickt.

Derzeit befinden sich vor allem zwei derartige Cloud-Systeme in der Entwicklung: Onlive, das eine Set-Top-Box benötigt, und Gaikai, das allein mit einem gängigen Browser auskommt. Gaikai soll nach Angaben des Projektchefs Dave Perry bereits Anfang 2010 an den Start gehen.

Den gegenüber Cloud Computing oft geäußerten Einwand, die Übertragung per Internet sei noch zu langsam, wischt Dyack mit einem Satz beiseite - das Problem werde sich im Zuge des allgemeinen Geschwindigkeitszuwachses von Servern und Leitungen einfach von selbst erledigen. Dann sieht er für die Spielebranche mehrere entscheidende Vorteile: Zum einen würden Schwarzkopien bei Clouds überhaupt keine Rolle mehr spielen - weltweit, auch in derzeit problematischen Märkten etwa des asiatischen Raums.

Weitere Vorteile sieht Dyack darin, dass sich Spiele viel längerfristig nutzen lassen - das Problem von veralteter oder inkompatibler Technologie sei in Clouds viel einfacher zu lösen. Außerdem sei die Entwicklung viel einfacher, weil die Studios nur noch für eine Hardwareplattform produzieren müssten, und der Vertrieb sei ebenfalls wesentlich effektiver zu handhaben.

Dyack hat schon Vorstellungen, wie die schöne neue Spielewelt aussehen könnte: Künftig gibt es - ähnlich wie bei Fernsehkanälen - mehrere "Channels", über die interaktive Unterhaltungsangebote zum Nutzer kommen: Der wählt seinen Playstation-, Xbox-, Sport- oder Actionspielekanal - und kann sofort zocken.  (ps)


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