Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0908/69067.html    Veröffentlicht: 14.08.2009 12:35    Kurz-URL: https://glm.io/69067

Test: Spielen unter Windows 7

Golem.de hat die finale Version von Windows 7 mit Computerspielen getestet

Schneller, besser oder gar schöner? Windows 7 soll mehr Spaß am PC bringen - ob das auch für den Betrieb von Computerspielen gilt, musste die finale Version des neuen Betriebssystems in der Redaktion von Golem.de mit Benchmarks anhand von Far Cry 2 & Co beweisen.

Ganz schön fies: Windows 7 erscheint nach aktuellem Stand am 22. Oktober 2009 - genau in dem Zeitraum, in dem Spielepublisher traditionell ihre großen Jahresend-Blockbuster unters Volk bringen. Der eine oder andere Spieler wird vor der Entscheidung stehen, ob er sein Geld für das neue Betriebssystem ausgibt. Oder es besser in Assassin's Creed 2, Call of Duty - Modern Warfare 2 oder ein anderes Spiel investiert. Golem.de hat die fertige, finale Version von Windows 7 in Sachen "Computerspiele" unter die Lupe genommen und getestet, wie Spiele unter dem neuen Betriebssystem im Vergleich zum Vorgänger Vista laufen.

Benchmarks mit Spielen unter Windows 7

Als Basis für die Leistungsmessungen diente unsere Testplattform für Grafikkarten mit dem Asus-Mainboard P6T Deluxe (X58-Chipsatz), dem Intel Core i7 965 (3,2 GHz) und 3 GByte DDR3-1.066-Speicher von Qimonda. Als Grafiktreiber für eine Radeon HD 4870 X2 von Sapphire diente unter Windows Vista und Windows 7 in den 32-Bit-Versionen der Catalyst 9.7 von AMD, der aufgrund des gleichen Driver-Models der beiden Betriebssysteme unter beiden Windows-Versionen funktioniert und von AMD auch so vorgesehen ist.

Anders als beim Test der Betaversion von Windows 7 liefen sowohl Crysis als auch Far Cry 2 in ihren aktuellen Patchversionen von Anfang an fehlerfrei - und im Rahmen der Messgenauigkeit auch mit gleich schnell. Das verwundert nicht, sind beide Spiele doch vor allem grafiklimitiert und dank des bitidentischen Treibers auf beiden Betriebssystemen mit denselben Gegebenheiten konfrontiert. Beide Spiele liefen mit achtfacher anisotroper Filterung und vierfachem Anti-Aliasing.

Während der Tests fiel auf, dass Microsoft offenbar die Threadverwaltung von Windows 7 kräftig überarbeitet hat, was seit Windows 2000 nicht mehr so umfassend geschehen war. Bei Spielen bedeutet das: Die Auslastung der vom jeweiligen Titel genutzten Kerne - acht virtuelle sind es per HyperThreading beim Core i7 - bleibt gleich, die anderen Cores stehen voll für andere Aufgaben zur Verfügung.

Neuer Thread-Scheduler lastet Kerne gleichmässig aus

Unter Windows Vista wechselt die Auslastung zwischen den Kernen ständig, der Thread-Scheduler sortiert die Threads also ständig um. Das hat den Nachteil, dass andere Anwendungen, die auf diesen Kernen laufen, Leistungseinbrüche erleiden können und wieder umsortiert werden müssen, wenn ein Thread des Spiels auf ihren Kern gelegt wird. Der Unterschied der Threadverwaltung zwischen Windows Vista und Windows 7 wird anhand der in der Galerie wiedergegebenen Screenshots des Task-Managers besonders deutlich. Dabei wurde das Timedemo "Ranch Small" von Far Cry 2 bei 1.280 x 1.024 Pixeln ausgeführt, also bei geringer Grafiklast.

Das Spiel läuft dabei immer auf den ersten vier Kernen, die anderen blieben frei. An diese kann man beispielsweise Chatprogramme, Skype oder Virenscanner per Hand binden. Diese erreichen dann auch beim Spielen volle Leistung.

Microsoft bestätigte Golem.de auf Anfrage dieses Verhalten von Windows 7. Auch dediziert auf einzelnen Kernen gestartete Programme - was beispielsweise die Smart Profiles von AMDs Overdrive 3.0 beherrschen - sollen auf dem Kern bleiben, an den sie gebunden sind.

Verantwortlich dafür ist eine Funktion namens "SMT Parking", die Microsoft im Windows Team-Blog kurz umrissen hat. Wie Intel Golem.de erklärte, wurde dieses Parken von Threads zusammen mit dem Prozessorhersteller entwickelt, damit Windows 7 auch mit noch mehr Kernen besser skaliert.

SMT Parking hat nach den bisherigen Experimenten von Golem.de keine Auswirkung auf Programme, die alle Kerne nutzen können - laut Microsoft unerstützt Windows 7 bis zu 256 Cores. Synthetische Tests wie der Cinebench R10 laufen auf allen acht virtuellen Kernen eines Core i7, die bisher getesteten Spiele nutzen unter Windows 7 maximal vier Kerne, diese dann aber deutlich besser als unter Windows Vista.

DirectX 11

Mit Windows 7 führt Microsoft auch die Version 11 seiner Programmierschnittstelle DirectX ein, genauer: Direct3D 11 wurde kräftig erweitert. Mit jeder neuen DirectX-Version steigt die Erwartungshaltung der Spieler an noch höhere Grafikqualität, und schon mit DirectX 10 wurden die Kunden von den ersten Titeln kräftig enttäuscht.

Bei Anwendern kann es übrigens über die in Windows 7 integrierte Version von DirectX zu Verwirrung kommen: Grafiktreiber, 3DMark und auch sonst alle Programme, die Informationen aus Treibern auslesen, sagen nicht, dass DirectX 11 installiert ist, sondern melden Version 10. Trotzdem ist 11 im Lieferumfang von Windows 7 enthalten. Auch das Microsoft-Programm DXDiag sagt dies klar - und das untersucht die Dateien des Betriebssystems selbst.

Die wichtigste Änderung, nämlich die volle Unterstützung von Shader-Programmen im Grafikprozessor, hatte Microsoft schon mit DirectX 9 eingeführt. Ziel von DirectX 10 war, diese Unterstützung zu vereinheitlichen und den Wildwuchs an Shadern zu begrenzen, die nur auf bestimmten Grafikarchitekturen schnell laufen.

Mit DirectX 11 werden diese Aufräumarbeiten fortgesetzt und der Trend zum Ausführen von Programmen, die nicht primär Grafik erzeugen, auf dem Grafikprozessor auch von Microsoft unterstützt. Nvidia verfolgt das schon seit rund zwei Jahren mit CUDA, das AMD-Pendant heißt Stream. Beide sind an C angelehnt und zueinander inkompatibel. Ähnlich wie bei der "Open GL Compute Language" (OpenCL) sollen nun die "DirectX Compute Shaders" einen Standard setzen.

Gerade für Spiele ist das vorteilhaft, das beliebteste Beispiel ist Physik auf der Grafikkarte: Die Abhängigkeiten von physikalischen Berechnungen und ob die dabei erzeugten Objekte überhaupt gezeichnet werden müssen, kennt die Grafikengine am besten. Also ist es sinnvoll, beides auf der GPU auszuführen und nicht den Umweg über die CPU zu gehen. Die Compute Shaders stehen dabei aber im Wettbewerb zu Engines wie Nvidias PhysX und Intels Havok, die bereits sehr etabliert sind.

Aber auch andere Anwendungen von Compute Shadern wie das Entpacken von Grafikdaten jenseits von Texturen auf der Grafikkarte sind denkbar. Das von id Software jüngst vorgestellte Konzept der virtuellen Texturen ist im Prinzip auch eine über Texturmanipulation hinausgehende Berechnung, die erst durch die Programmierbarkeit von Grafikkarten ermöglicht wird.

Der Tesselator ist jetzt Pflicht

Pflicht für Grafikkarten nach DirectX-11 ist auch eine feste Einheit für Tesselation, die kann nicht über ein Shaderprogramm nachgebildet werden. Der Tesselator ist eine seit langem als Konzept durch die Grafikwelt spukende Idee, um den Detailgrad von 3D-Modellen in Echtzeit zu verändern - und dabei nicht die CPU zu bemühen oder sehr viele Grafikdaten speichern zu müssen.

Er erfordert jedoch, ebenso wie die Compute Shaders, grundlegende Änderungen an den Engines. Bernd Beyreuther, einer der Chefs des deutschen Entwicklerstudios Radon Labs ("Drakensang"), meinte dazu: "Leider macht es relativ wenig Sinn, diese Sachen jetzt schon zu unterstützen, solange XP noch als Spieleplattform relevant ist.". Für interessant hält Beyreuther die Tesselation und die Compute Shader jedoch schon. Sie stehen aber bisher nur unter Windows 7 zur Verfügung, für Windows Vista soll DirectX-11 jedoch auch als Update erscheinen. Für Windows XP gibt es - wie schon bei DirectX-10 - wenig Hoffnung.

Damit ähnelt die Situation von DirectX-11 dem Henne-Ei-Problem, das auch schon Vista hatte: Die Spieler hofften auf neue Grafikpracht durch die neue Schnittstelle, wollten aber nur zögerlich auf das neue Windows umsteigen. Für die Entwickler lohnen sich neue Engines mit allen Funktionen eines aktuellen DirectX aber nur, wenn es eine genügend große installierte Basis gibt.

Kompatibilität

Bei beiden Vorabversionen von Windows 7 kam es bei einigen Spielen noch zu Problemen. Grund war, dass einige Spiele nicht korrekt erkennen konnten, um welche Windows-Version es sich handelte, und sich nicht korrekt installieren ließen, abstürzten oder massiv fehlerhafte Grafiken anzeigten. In der fertigen Fassung des Betriebssystems liefen auch Titel, die bislang von den Schwierigkeiten betroffen waren, ohne jedes Problem vom Einlegen der DVD über die Installation bis hin zum Spielende einwandfrei. Einzig Kleinigkeiten waren anders als unter Windows Vista - beispielsweise, dass die "Autorun"-Funktion von Unreal Tournament 3 nicht unter Windows 7 funktionierten wollte. Offenbar haben die Programmierer bei Microsoft alle ernsthaften Probleme rechtzeitig in den Griff bekommen. Auf der letzten Seite dieses Artikels befindet sich eine Liste mit den Programmen, die Golem.de getestet hat.

Spiele-Explorer und Jugendschutz

Nahezu unverändert funktioniert der Spiele-Explorer, also das zentrale Anlauffenster für alles rund ums Gaming. Wie bei Vista lassen sich von dort aus Spiele starten und ein paar Jugendschutzeinstellungen vornehmen. Wer mag, kann für bestimmte Nutzer den Zugriff auf Spiele ganz untersagen, ihn nur zu bestimmten Tageszeiten oder lediglich Titel ab einer festgelegten Altersgrenze freigeben. All das ist aber auch schon unter Vista der Fall, große optische Veränderungen gibt es nicht.

Die einzige echte Neuerung ist die Option, dass Windows 7 künftig auf Wunsch des Nutzers selbstständig nach Updates für Spiele sucht und diese installiert. Aufgrund der noch nicht aufgebauten Infrastruktur seitens der Entwickler und Publisher ließ sich diese Funktion allerdings noch nicht testen.

Neue Spiele

Dame per Internet
Dame per Internet
Im Spiele-Explorer liefert Microsoft neue Casualgames mit. Im Angebot sind unter anderem Backgammon und das Brettspiel Dame. Nett: Bei beiden handelt es sich um Versionen, in denen der Spieler online gegen andere echte Menschen antritt. Wer der Gegner ist, lässt sich allerdings nicht herausbekommen, denn die Programme tauschen darüber keine Daten aus, und Chat funktioniert nur mit einer Handvoll vorgefertigter Sätze. Neu ist eine direkte Verknüpfung zum Onlineangebot des Microsoft-Dienstes "Live", der direkt zu weiteren Casual-Browser-Spielen führt.

Fazit:

Wer bereits jetzt über Vista verfügt, für den lohnt sich der Aufstieg auf Windows 7 aus Spielersicht kaum - von echten Verbesserungen bei interaktiver Unterhaltung ist in der Praxis derzeit wenig zu spüren. Langfristig wird die Sache dann wieder spannend, nämlich wenn mehr Entwickler auf die Multicore-Fortschritte des Systems zugreifen sowie DirectX-11 nutzen. Und die im Artikel genannten Möglichkeiten des SMT-Parking sind für versierte Anwender langfristig hochinteressant.

Auch die Möglichkeiten von DirectX 11 klingen aus heutiger Sicht vielversprechend. Aber wann die Software von den Spieleentwicklern mit allen Möglichkeiten unterstützt wird, lässt sich derzeit nicht einschätzen. Wer also derzeit nicht sowieso einen frühen Wechsel auf 7 plant, kann sich als Spieler Zeit lassen. [von Nico Ernst und Peter Steinlechner]

Von Golem.de getestet: Mit Windows 7 kompatible Spiele

Anno 1404
Assassin's Creed
Arma 2
Call of Duty 5
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Counter-Strike
Crysis
Crysis: Warhead
Empire: Total War
Eve Online
Fallout 3
Far Cry 2
Grand Theft Auto 4
Race Grid: Driver
Serious Sam 2
Stalker - Shadow of Chernobyl
Tomb Raider Underworld
Trackmania United
Unreal Tournament 3
Warcraft 3
Warhammer Online
World in Conflict
World of Warcraft
 (ps)


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