Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0908/68927.html    Veröffentlicht: 10.08.2009 12:29    Kurz-URL: https://glm.io/68927

Vorschau: Operation Flashpoint 2 - ein echter Nachfolger?

Previewversion lässt auf ein bugfreies Spielerlebnis hoffen

In Hamburg hat Codemasters eine neue Entwicklerversion von Operation Flashpoint 2 vorgestellt. In zwei Leveln konnte Golem.de bereits antreten - und hatte viel Spaß dabei, nach acht Jahren wieder taktisch-militärische Aufgaben zu lösen.

Als Soldat der US-Armee landet der Spieler in einem Feld. Seine Aufgabe: mit drei Teammitgliedern ein Radar ausschalten, das sich hinter einem Hügel befindet und von feindlichen Truppen bewacht wird. Das System muss weg, und zwar rasch - denn ein Hubschrauber mit Unterstützung soll in Kürze landen. Der direkte Weg wäre jedoch zu offen. Etwas weiter östlich gibt es allerdings zerstörte Gebäude, viele Büsche und brennende Wracks, die genug Deckung bieten, um sich den mittlerweile in Sicht befindlichen Gegnern auf dem Hügel zu nähern...

Während der Spieler zwei feindliche Soldaten mit Sperrfeuer eindeckt und sie damit zwingt, in Deckung zu bleiben, werden die Teammitglieder aufgefordert, den Gegner rechts zu flankieren. Schon nach kurzer Zeit liegen die Opponenten erlegt hinter den Sandsäcken. Vom Hügel aus lässt sich die dahinter liegende Radarstellung unter Beschuss nehmen: So sehen die ersten zehn Minuten einer Mission aus, die weit mehr als eine Stunde dauert. Von Stellung zu Stellung kämpft sich der Spieler voran, immer in Deckung, häufig mit Schussverletzungen, die das Vorankommen erschweren - und immer wieder mit wechselnden Aufgaben.

Codemasters hat Golem.de eine Previewversion von Operation Flashpoint 2 (OFP2) alias Dragon Rising überlassen. Wir haben uns vor allem auf die PC-Version konzentriert, die sich auf den ersten Blick nur wenig von den Fassungen für Playstation 3 und Xbox 360 unterscheidet.

Zwei Levels, die auf dem kleinen Eiland Skirinka vor der eigentlichen Hauptinsel Skira spielen, waren schon spielbar und zeigten ein lebendig wirkendes Schlachtfeld. Selbst die kleine Insel wirkt enorm groß - vor allem zu Fuß. Für kleinere Multiplayergefechte dürfte sie schon zu groß sein. Ein Multiplayermodus war leider noch nicht spielbar. Gerade die geplanten Coop-Missionen, bei denen auch große Areale im Teamwork angegriffen werden, dürften spannende Spiele ermöglichen.

Wer Operation Flashpoint kennt, wird sich wieder über lange andauernde, herausfordernde Missionen freuen können. Die Einsätze sollen im fertigen Spiel zwischen 45 und 60 Minuten dauern, wenn der Spieler auf Nebenmissionen verzichtet; sonst verdoppelt sich die Spielzeit. Das war auch schon in der Previewfassung sichtbar. Ebenfalls erkennbar war der Umstand, dass es nicht nur eine Lösung des militärischen Problems gibt. Wenn der Spieler etwa gepanzerte Fahrzeuge nicht schützen kann oder will, müssen die anschließend ohne diese Unterstützung auskommen. Die Mission ist damit nicht verloren, wird aber deutlich schwerer. In einem anderen Einsatz ist es sogar möglich, einen weit entfernten Hubschrauber zu kapern. Allerdings war die Joysticksteuerung für Fluggeräte in der Vorversion des Spiels noch nicht fertig.

Wechselnde Tageszeiten prägen das Kampffeld

Die beiden Demolevels waren noch nicht im endgültigen Zustand - allerdings haben die Entwickler noch Zeit, denn Operation Flashpoint 2 soll erst im Oktober 2009 erscheinen. Die hier gezeigten Screenshots geben diesen rohen Zustand nicht wieder, sondern eher den Idealzustand mit vermutlich sehr hohen Einstellungen, die wir mit der Vorversion nicht erreichen konnten. Trotzdem: Besonders beeindruckend waren die verschiedenen Farbtöne, die je nach Tageszeit das Spielfeld prägen.

Operation Flashpoint 2 arbeitet mit verkürzten Tagen. Wer will, kann auch die Nacht abwarten, sofern die Mission keine Zeitvorgaben enthält. Eklatante Grafikfehler der modifizierten Ego-Engine, die Codemasters auch in Colin McRae Dirt und Grid einsetzt, waren zumindest nicht auszumachen. An einigen Stellen gab es nur Probleme mit der Schärfe des Bildes und dem Sound, der derzeit noch neu aufgenommen wird.

Einen ebenfalls guten Eindruck hinterlässt das Schadenssystem. Der Spieler kann weiterhin durch einen einzigen Schuss getötet werden, wenn er in 3D-Shooter-Manier auf eine Stellung zustürmt, ohne die Deckung der Landschaft oder brennender Wracks auszunutzen. Geht der Spieler hingegen überlegt vor, sind die Verletzungen weniger gravierend. Aber auch dann muss er aufpassen: Wer einen Beintreffer abbekommt, muss zunächst einmal dafür sorgen, dass er kein Blut mehr verliert. Das ist der einzige Lebensbalken, der sich in schwierigen Einstellungen nicht wieder füllt. Das heißt im Zweifelsfall: im getroffenen Zustand Deckung suchen, Medkit rausholen - und hoffen, dass die Wunde geschlossen wird, bevor der Spieler verblutet. Danach ist es aber beispielsweise nicht mehr möglich zu rennen. So ein Treffer hat also dauerhafte Auswirkungen.

Obwohl die Missionen nicht fehlerfrei waren, war das Spielerlebnis schon sehr viel weniger frustbehaftet als der als Betaversion in den Handel gekommene inoffizielle Nachfolger Armed Assault und dessen Nachfolger. Der KI gelang es während des Anspielens jedenfalls nicht, durch Rauch oder massive Deckenkonstruktionen gezielte Kopfschüsse zu platzieren.

Wer sich schon im ersten Teil vor acht Jahren alleine und mit klopfendem Herzen in einem Gebüsch versteckt hat, während um ihn herum gepanzerte Fahrzeuge auf der Jagd sind, wohl wissend, dass der letzte Checkpoint eine gute halbe Stunde entfernt ist, wird dieses Gefühl wohl auch in Operation Flashpoint 2 bekommen können. Für Operation-Flashpoint-Fans bietet auch der zweite Teil sehr schwierige Einstellungen an, bei denen der Spieler fast ohne optische Hilfen, etwa Markierungen von Feinden, auskommen muss.

Einzig störend an der Previewfassung war die von den Konsolen mitgenommene Oberfläche und Menüführung. Diese war sichtbar auf Joypads zugeschnitten. So werden die Kameraden etwa mit der Q-Taste befehligt. Zu sehen ist dann eine Auswahl von vier Optionen, die für ein Joypad ideal sind. Allerdings gehen diese Menüs zum Teil sehr in die Tiefe, mehrere Kommandos sind erst nach mehreren Klicks verfügbar. Während der Spieler die Kameraden befehligt, muss dieser zudem stehen bleiben, da die Steuerung etwas ungünstig auf die WASD-Tasten gelegt wurde, die eigentlich zum Laufen gebraucht werden.

Ob dies auch Kompromisse bei größeren Missionen verlangt, wird die Vollversion zeigen. Gerade die Handhabung größerer Kampfverbände dürfte so nicht einfach sein. Bei wenigen Mitsoldaten wirkt das System hingegen gut durchdacht. Ein wenig muss ein Operation-Flashpoint-Spieler wohl doch die Einflüsse der Konsolenversionen fürchten.

Missions-Editor für die Community

Nur für PC-Spieler wird es einen Missions-Editor geben. Den konnte Golem.de zwar nicht ausprobieren, sich aber vorführen lassen. Der erste Eindruck war gut: Der Editor versucht zum einen, die vielfältigen Einstellungen einfach bedienbar zu machen. Und zum anderen genug Möglichkeiten zu bieten, auch komplexe Vorgänge in einer Mission zu skripten. Neben Communityszenarien wird Codemasters eigenen Aussagen zufolge auch neue Levels nach der Veröffentlichung des Spiels zugänglich machen. Schließlich wollen auch die Konsolenspieler mit neuem Material versorgt werden. Zunächst sollen es vier neue Levels für PC- und Konsolenspieler werden.

Konsolenspieler werden übrigens nicht gegen andere Plattformen kämpfen können. So bleiben PS3-Kämpfer genauso unter sich wie Xbox-360- und PC-Soldaten.

Bohemia Interactive, das Entwicklerteam, das hinter dem Urspiel steckt, ist Operation Flashpoint 2 ein Dorn im Auge. Wenn es nach ihnen ginge, dürfte Operation Flashpoint 2 nicht unter diesem Namen erscheinen und damit von dem vielfach prämierten Vorgänger profitieren. Der erste Eindruck anhand der Previewversion zeigt aber das Potenzial für einen würdigen Nachfolger, auch wenn der Spieler durchaus den etwas anderen Stil bemerkt. Bei Operation Flashpoint 2 ist das vor allem bei der Steuerung und bei Details erkennbar, etwa beim langwierigen Wechsel der Waffen. In den nächsten Monaten werden die Entwickler hoffentlich an der Story feilen. Noch wirken die Missionen nicht so spannend wie beim Vorgänger und dessen Add-ons. Auch die Charakterentwicklungen sind nicht auszumachen.

Operation Flashpoint 2 soll Anfang Oktober 2009 für Windows-PCs, Playstation 3 und die Xbox 360 erscheinen. Nach derzeitigen Plänen wird die kleine Insel auch der Teil der Demoversion sein, die veröffentlicht werden soll, wenn das Spiel in die Läden kommt.  (ase)


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