Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0908/68921.html    Veröffentlicht: 09.08.2009 10:12    Kurz-URL: https://glm.io/68921

Piratenpartei-Abgeordneter Tauss schwer belastet

Bericht: Polizei findet weit mehr Dateien

Laut einem Magazinbericht wurden bei Jörg Tauss 356 kinderpornografische Bilddateien und 59 Videodateien gefunden. Seine Erklärung, er habe in der Missbrauchsszene nur ermitteln wollen, weil er den Angaben des BKA nicht traute, gerät damit ins Wanken.

Dem Nachrichtenmagazin Spiegel liegt ein interner Bericht vor, der die polizeilichen Ermittlungsergebnisse im Fall des ehemaligen SPD-Abgeordneten Jörg Tauss zusammenfasst. Danach besaß der Beschuldigte 356 kinderpornografische Bild- und 59 Videodateien. Tauss, der nun der Piratenpartei angehört, hatte bislang behauptet, nur einige Missbrauchsabbildungen besessen zu haben, um damit per Tausch Eingang in die Kinderpornoszene zu bekommen. Die Fahnder nennen dies nun eine Schutzbehauptung.

Der ehemalige SPD-Medienexperte hatte im März 2009 erklärt: "Sie kommen dem überhaupt auch nur nahe, wenn sie szenetypisch auftreten und selbst 'Material', sozusagen als Eintrittskarte, anzubieten haben. 'Ich schicke dir und du schickst mir - so sind wir beide abgesichert'."

Das begründe, warum er selbst erhaltenes kinderpornografisches Material aufbewahrt und entsprechend eingesetzt habe. Er habe die gesamte Recherche ungefähr ein Jahr intensiv geführt. Es habe 23 Verbindungen per SMS und MMS gegeben, wobei ein kinderpornografisches Video von Tauss an einen Verdächtigen versandt wurde. Zudem soll der Beschuldigte eine DVD an Tauss geschickt haben. Der Kontakt zu einem Kinderpornoring sei ihm jedoch insgesamt nicht gelungen.

Nachtrag vom 9. August 2009, 12:15 Uhr:

Rechtsanwalt Jan Moenikes, der Tauss vertritt, sieht die Darstellung von Tauss durch die Ermittlungsergebnisse nicht widerlegt: "Das Ergebnis der Ermittlungen widerlegt die Darstellung von Jörg Tauss nicht und hat nichts Neues zutage gefördert. Die nach Auswertung der Datenspeicher gefundene Menge ist szeneuntypisch wenig. Auch nach monatelangen Ermittlungen beschränkt sich der Vorwurf auf den Besitz dreier einschlägiger DVDs sowie der Bild- und Video-MMS, die sich im nur wenige Megabyte großen Speicher seines Handys befanden", sagte Moenikes gegenüber Spiegel Online.

Tauss kritisiert den Spiegel-Bericht via Twitter: "Es wurde im Gegensatz zu SPon weniger gefunden als zunächst behauptet. Der Artikel ist etwas unterirdisch..." Zudem verweist Tauss darauf, dass es um Videos mit einem Volumen von 35 MByte geht, die auf einem altem Handy gespeichert waren: "Nichts auf Rechnern und Festplatten."  (asa)


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