Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0907/68682.html    Veröffentlicht: 29.07.2009 19:51    Kurz-URL: https://glm.io/68682

Zii Egg - Multitouch-Handheld für Entwickler

Wird von Creative-Tochter ZiiLabs ausgeliefert

Die ehemals als 3Dlabs bekannte Creative-Tochter ZiiLabs hat mit dem Zii Egg ein leistungsfähiges Multitouch-Handheld vorgestellt. Es basiert auf ZiiLabs' eigenem Multimedia-Anwendungsprozessor ZMS-05, der offenen Plattform Plaszma, läuft unter PlaszmaOS oder Android - und soll andere Hersteller inspirieren, damit eigene Geräte und Anwendungen zu entwickeln.

ZiiLabs bewirbt das Paket aus Zii Egg, Plaszma SDK, PlaszmaOS und Zii-optimiertem Android als Zii Plaszma. Wie Android basiert auch PlaszmaOS auf einem Linux-Kern. Zii Plasma dient vor allem dafür, andere Hersteller vom Einsatz des ZMS-05 zu überzeugen. Dieser Prozessor verfügt über 24 zusammenarbeitende Fließkommaeinheiten und soll damit eine Rechenleistung von 8 GFLOPS erzielen. Die Architektur dahinter bezeichnet ZiiLabs als StemCell Computing, das Zii Egg ist damit der erste StemCell-Computer.

Das 108 Gramm wiegende Zii Egg erinnert vom Design her etwas an ein iPhone oder iPod touch, ist aber ein offenes System und bietet genügend Rechenleistung, um auch HD-Inhalte mit Auflösungen von 720p oder 1080p wiederzugeben. Das geht entweder heruntergerechnet auf seinem eigenen Display, das 320 x 480 Pixel bietet, oder in voller Auflösung über HDMI etwa auf Fernsehern. Zudem ist das Zii Egg für 3D-Grafik geeignet, kann dazu für Spiele genutzt werden oder etwa in Verbindung mit seinem integrierten GPS-Empfänger als 3D-Navigationssystem dienen. ZiiLabs wirbt mit einer Füllrate von 42 Millionen texturierten Pixel/s. Unterstützt wird dabei die offene 3D-Grafikschnittstelle OpenGL ES.

Multitouch, Sensoren und Sound

Die Bedienung erfolgt über den 3,5-Zoll-Touchscreen, der bis zu zehn Finger gleichzeitig erkennt (10-Point-Multitouch) und Gestensteuerung ermöglicht. Außerdem verfügt das Gerät über einen Beschleunigungssensor (Accelerometer) und einen Umgebungslichtsensor.

Für Ton sorgt Creatives X-Fi-Technik, wahlweise über die internen Lautsprecher oder Kopfhörer. Ein Mikrofon sitzt auf der Vorderseite. Zwei Kameras sind auch ins Gehäuse integriert; eine zum Benutzer zeigende mit VGA-Auflösung für Videokonferenzen und eine auf der Rückseite mit höherer Auflösung zum Filmen oder Knipsen.

Speicherausstattung und Schnittstellen

Der ZMS-05 im Zii Egg startet sein Linux-Kernel-Boot-ROM aus einem 32-MByte-NOR-Flash. Vorinstalliert ist das PlaszmaOS, ein Installer für das angepasste Android soll nachgeliefert werden. Für Anwendungen und Daten stehen 256 MByte DDR-RAM sowie interner Flash-Speicher zur Verfügung. Hersteller können Letzteren mit 1 bis 32 GByte dimensionieren - oder ganz weglassen. Ein SDHC-Steckplatz erlaubt es, bis zu 32 GByte zusätzlichen Speicher einzustecken.

Über eine USB-2.0-Schnittstelle kann das Zii Egg Daten austauschen und aufgeladen werden. Zubehör lässt sich über einen universellen Anschluss anbinden, der USB und Audio vereint.

Vernetzen kann sich das Multitouch-Handheld über WLAN nach IEEE 802.11 b/g und Bluetooth. Damit eignet sich die Plattform auch für mobile Internetnutzung und in Verbindung mit dem GPS-Empfänger auch für ortsbezogene Onlinedienste. Plaszma OS integriert dafür Opera 9.7 und Gestensteuerung. Mitgeliefert werden auch Anwendungen für Audio- und Videowiedergabe.

Kosten für Entwickler

Das zum Startangebot von 399 US-Dollar im Entwicklerpaket Zii-Plaszma enthaltene Zii Egg verfügt über 32 GByte internen Flashspeicher und kann jetzt vorbestellt werden. Entwickler, Value-added-Reseller (VAR) und Unternehmen können die Geräte ansonsten ab 199 US-Dollar erstehen - sofern sie in größeren Stückzahlen und Varianten ohne internen Flash-Speicher bestellen. Ansonsten liegen die Preise höher. Auf Basis der Zii Eggs sollen Hersteller in kurzer Zeit marktreife Geräte entwickeln können - insbesondere wenn sie an der Hardware nichts verändern und nur ihren eigenen Namen auf das Gehäuse kleben.

Alternativ bietet ZiiLabs zur schnellen Produktentwicklung noch das "ZMS-05 System Module" mit SODIMM-Interface an. Mit dieser 67,85 x 40 x 3,80 mm großen Platine können tragbare und stationäre Multimedia- und Netzwerkgeräte entwickelt werden. Die Module sollen sich später einfach durch Nachfolger mit leistungsfähigeren ZMS-Chips austauschen lassen - wie ein Speichermodul.

Auch hier werden PlazsmaOS und Googles Android unterstützt. Ab September 2009 sollen die ZMS-05-Systemmodule zum Stückpreis von 75 US-Dollar verfügbar sein. Unternehmen, die die Module für ihre Produkte selbst fertigen oder verändern wollen, können die Hardwaredesigndaten für 5.000 US-Dollar erstehen. Bei der Vermarktung ihrer Produkte will ZiiLabs seine Kunden unterstützen.

Zur Historie von ZiiLabs: 3Dlabs wurde 1994 gegründet, entwickelte Workstation-Grafiklösungen und wurde 2002 von Creative Labs übernommen, in der Hoffnung, Nvidia und ATI Konkurrenz bei Desktopgrafikkarten machen zu können. Diese Pläne scheiterten jedoch. Ab 2006 widmete sich 3Dlabs der Entwicklung von Grafikchips für mobile Endgeräte wie Smartphones und PDAs. Schließlich gab Creative den Namen 3Dlabs auf und verschmolz das Unternehmen im Januar 2009 mit seinem Personal-Digital-Entertainment-Team und benannte es in ZiiLabs um.  (ck)


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