Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0907/68621.html    Veröffentlicht: 27.07.2009 17:55    Kurz-URL: https://glm.io/68621

Abgestufte Reaktion als Fortschritt: Karoo lockert Sperren

Mittelenglischer Provider will nur noch nach Vorwarnungen sperren

Der im mittelenglischen Hull ansässige Zugangsprovider Karoo hat sein Vorgehen gegen Internetnutzer, die illegal Dateien tauschen, gelockert. Sie werden künftig zuerst gewarnt, bevor Karoo ihnen den Zugang sperrt.

Ende vergangener Woche hatten verschiedene britische Medien berichtet, dass Karoo Nutzern, die unrechtmäßig urheberrechtlich geschütztes Material über das Internet verbreiten, ohne Vorwarnung den Netzzugang sperrt. Die Unterhaltungsindustrie oder auch die französische Loi Hadopi verlangen, dass dies erst nach der dritten Warnung geschieht.

Über das Ziel hinausgeschossen

Über das Wochenende hat Karoo seine Sperrpraxis entschärft. "Künftig werden wir Nutzer drei Mal schriftlich verwarnen, bevor wir ihren Zugang zeitweise sperren", heißt es in einer Kundenmitteilung auf der Website. "Es ist offensichtlich, dass wir die Erwartungen der Rechteinhaber, der Medien und der Internetnutzer übertroffen haben." Karoo habe damit sein Vorgehen an das Standardvorgehen der Industrie angepasst.

Was Karo als Standard betrachtet, ist jedoch auch höchst umstritten. Die britische Regierung, die die Internetsperren nach Vorwarnungen ursprünglich befürwortete, hat sich Anfang des Jahres davon distanziert. In Frankreich, wo die Regierung unter Präsident Nicolas Sarkozy die Internetsperren unbedingt einführen will, hat das Verfassungsgericht wichtige Teile des Gesetzes gestoppt. Die Richter begründeten ihre Entscheidung unter anderem damit, dass Kommunikationsfreiheit heutzutage die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, impliziere.

Das Problem für die Internetnutzer im Raum Hull ist, dass sie nicht zu einem anderen Anbieter wechseln können: Karoo ist dort der einzige Zugangsprovider.  (wp)


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