Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0907/68619.html    Veröffentlicht: 29.07.2009 12:21    Kurz-URL: https://glm.io/68619

Office 2010 - schnell, selbst auf langsamen Rechnern

Onenote wird zur Standardanwendung, Ribbons werden durchgehend genutzt

Mit Office 2010 schickt Microsoft die nächste Version seines Büroprogrammpakets ins Rennen. Die Technical Preview wurde einigen Testern zur Verfügung gestellt. Sie hat erstmals eine in sich stimmige Benutzerführung.

Office 2010, den Nachfolger von Office 2007, wird es sowohl in einer 32-Bit- als auch in einer 64-Bit-Version geben. Die 64-Bit-Variante wurde von Golem.de auf einem Subnotebook mit Windows 7 x64 installiert und die 32-Bit-Variante auf einem Vista-Rechner, dessen Betriebssystem ebenfalls in der 32-Bit-Variante installiert war.

Die 64-Bit-Variante von Office kann sich zwar mehr als 2 GByte Arbeitsspeicher reservieren, ansonsten gibt es bei der normalen Arbeit aber keine Unterschiede zur 32-Bit-Version. Bei sehr großen Dokumenten verspricht das Geschwindigkeitvorteile - einer der größten Änderungen der Office-Suite.

Obwohl der zugrundeliegende Programmcode noch keinen Betastatus erreicht hat, war die Technical Preview erstaunlich schnell. So schnell, dass das Subnotebook, das nur eine 1,8-Zoll-Festplatte im Inneren hat und zudem mit einem Core 2 Duo U7600 (1,2 GHz) auskommen muss, zumindest beim Starten der Anwendungen die Office-2007-Installationen größerer Notebooks mit schnellen Festplatten und CPUs überholte. Das lässt allerdings noch keinen endgültigen Schluss zu, schließlich ist die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Gegenüber OpenOffice.org braucht Office 2010 nur ein Drittel bis etwa die Hälfte der Zeit, bis der Anwender lostippen kann.

Um die Stabilität von Office 2010 war es nicht ganz so gut bestellt. Die 32-Bit-Version stürzte im normalen Betrieb einige Male ab, die 64-Bit-Version war hingegen durchweg stabil.

Ribbons überall

Neben den internen Veränderungen und Optimierungen hat Microsoft vor allem an der Bedienung gearbeitet. Die für Anfänger besser geeigneten Ribbon-Schaltflächen, die traditionelle Menüs ablösen, werden jetzt durchweg in allen Anwendungen genutzt. Störende Wechsel von Bedienungssystemen innerhalb der Office-Anwendungen bleiben so aus. Onenote, Outlook und Access lassen sich so leichter bedienen.

Gut gelungen ist der sogenannte Backstagebereich, der das alte Office-2007-Startmenü mit seinem runden Knopf ablöst. Der Backstagebereich befindet sich links neben den Ribbon-Tabs und ist deutlich hervorgehoben. Der Backstagebereich sollte so auch von Anwendern gefunden werden, die sich bei Office 2007 noch schwer taten und die Dialoge für erweitertes Speichern, Drucken oder die Optionen zunächst nicht fanden. An der Farbe des Backstage-Bereichs erkennt der Anwender zudem, ob er sich gerade in Word, Powerpoint oder etwa Visio befindet.

Viele weitere Änderungen fallen zunächst kaum auf. Es gibt aber kleinere Änderungen mit sehr großen Auswirkungen.

Das Programmpaket Office ist allerdings zu groß, um alle Änderungen zu betrachten. Microsoft selbst beschreibt auf über 100 Seiten in einem leider nicht öffentlich zugänglichen Dokument alle Änderungen in Office 2010. Allerdings lässt das Dokument Änderungen in Infopath und Visio, die ebenfalls als Technical Preview zur Verfügung standen, aus. Vieles davon betrifft nur sehr spezielle Fälle.

Sehr praktisch ist die Vorschau von Inhalten, die sich in den Text oder in eine Präsentation einfügen lassen. Der Anwender kann sich über Schaltflächen im Kontextmenü ansehen, wie das Ergebnis aussieht, wenn der Text mit oder ohne Formatierungen eingefügt wird. Dazu reicht es, mit der Maus über den Schaltflächen zu verweilen. Eine weitere kleine Änderung, die Office 2007 mit dem Service Pack 2 allerdings schon beherrscht, ist die Möglichkeit, Dokumente im OpenDocument-Format zu speichern.

Powerpoint 2010 mit neuen Effekten

Die Präsentationssoftware Powerpoint besitzt jetzt neue Effekte, die die 3D-Fähigkeiten des Rechners nutzen, um etwa Ripple-Effekte oder sich drehende Folien zu ermöglichen. Hier erkennt der Anwender der Technical Preview auch, dass das Programm noch in einer frühen Phase ist. Die Effekte haben noch keine aussagekräftigen Symbole in den Ribbons bekommen. Praktisch ist die Möglichkeit, Videos in einer Präsentation zu trimmen. Beim Ausprobieren gab es jedoch Probleme mit einigen Dateiformaten. Hier bleibt zu hoffen, dass Microsoft die Unterstützung innerhalb der nächsten Monate ausbaut.

Outlook 2010 nutzt weiterhin Word als Rendering-Engine

Änderungen gibt es auch bei Outlook, das gelernt hat, Texte zusammenzustauchen. Sogenanntes TOFU (Text Oben Fullquote Unten) entschärft Outlook und verhindert, dass seitenlange und unnötige Zitate angezeigt werden. Es bleibt allerdings beim Nutzen von Word als Rendering-Engine für HTML-Mails. Das hat bereits in der Vergangenheit für heftige Kritik gesorgt. Das Mailprogramm bekommt also weiterhin Probleme mit HTML-formatierten E-Mails. Die Anzeige des Email-Acid-Tests ist also weiterhin schlecht. Anwender fordern auf der Webseite fixoutlook.org schon länger Nachbesserungen.

Onenote 2010 bringt drei Änderungen mit, die das Arbeiten verändern werden. Die geringste, aber dennoch wichtigste Änderung ist, dass Onenote jetzt zu allen Office-Paketen gehört. Microsoft hat das Notizprogramm damit zu einer Standardanwendung gemacht. Zudem nutzt Onenote ein neues Dateiformat. Dieses ist zwar inkompatibel mit älteren Onenote-Versionen, der Anwender kann aber jederzeit zwischen den beiden Formaten in einzelnen Notizbüchern wechseln.

Onenote 2010 mit Dock-Funktion

Neu ist bei Onenote die Möglichkeit, das Programm an der Seite anzudocken. So können Notizen weiter geschrieben werden, während ein anderes Fenster offen bleibt. Dessen Vollbildmodus nutzt dann nur noch den verbliebenen Teil der freien Oberfläche. Unter Windows 7 ist das besonders praktisch, da sich hier ohne Mühe drei Fenster anordnen lassen. Tablet-PC-Nutzer, die ihr Notebook auch im Hochkantmodus betreiben, docken Onenote unten an, so dass seitlich nicht zu viel Platz verloren geht.

Wer handschriftliche Notizen mit einem Stift eingibt, kann das weiterhin bei Onenote machen. Die Texterkennung von Windows 7 arbeitete im direkten Vergleich mit Onenote 2010 aber besser, so dass es manchmal sinnvoller ist, das Tablet-PC-Input-Panel von Windows zu nutzen, um kurze Notizen in Onenote zu speichern. Auch in anderen Anwendungen bleibt die Tablet-PC-Unterstützung verbesserungswürdig. Die Erkennung der Löschseite eines Stifts funktioniert nur in Onenote. In Word 2010 hingegen wird die Löschseite als Stift genutzt, sofern der Anwender nicht auf den virtuellen Radiergummi umschaltet.

Microsoft hat mit Office 2010 noch einiges vor. Unter anderem soll Office 2010 deutlich sicherer werden. Dazu führt Microsoft einen Protected View ein, der bei fremden Dokumenten greift und als eine Lösung gegen die Angriffe auf Office-Dateiformate dienen soll. Auch für Windows Mobile soll ein entsprechender Client erscheinen.

Office 2010 soll im ersten Halbjahr 2010 erscheinen. Zu den Preisen gibt es noch keine Angaben, allerdings wird Microsoft die Anzahl der Office-Pakete reduzieren und das Notizprogramm Onenote wird allen Paketen beigelegt. Außerdem soll auf den Datenträgern sowohl die 32- als auch die 64-Bit-Version zu finden sein.

Fazit

Office 2010 hat den Betastatus noch nicht erreicht, lief aber in den Tests bis auf wenige Abstürze bereits sehr gut und vor allem schnell. Gerade im Vergleich mit OpenOffice startet Office 2010 deutlich flotter als die Open-Source-Konkurrenz.

Durch die konsequente Nutzung der Ribbons kommt endlich anwendungsübergreifend Ordnung in die Office-Suite. Das dürfte vor allem Outlook-Nutzer erfreuen. Der neue Backstage-Bereich dürfte besser auffindbar sein als die Lösung mit der runden Schaltfläche von Office 2007. Vor allem die farbliche Hervorhebung macht sich beim Backstage-Teil positiv bemerkbar.

Im Zusammenspiel mit Windows 7 kann vor allem Onenote mit seiner Dock-Funktion überzeugen. Die Anordnung von Fenstern ist leicht zu bewerkstelligen.

Ein paar Kritikpunkte gibt es dennoch. So ist die Tablet-PC-Unterstützung noch nicht perfekt. Die Handschrifterkennung von Onenote arbeitet schlechter als die Erkennung von Windows 7. Obendrein kann Outlook auch weiterhin nicht gut mit HTML-E-Mails umgehen und keine eml-Dateien öffnen. Da die Entwicklung von Office 2010 aber noch weitergeht, können potenzielle Nutzer in einigen Bereichen auf Verbesserungen hoffen.

Insgesamt dürften testwillige Anwender aber eine schnelle und stabile Beta von Office 2010 bekommen. Ein gutes Backup bleibt dennoch Pflicht: Unsere Technical Preview stürzte zwar nur selten ab, aber einmal gab es einen berüchtigten Bluescreen of Death auf einer sonst stabilen Arbeitsmaschine.  (ase)


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