Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0907/68289.html    Veröffentlicht: 10.07.2009 09:30    Kurz-URL: https://glm.io/68289

IPTV: Telekom hat erst 30.000 Bundesliga-Kunden

Bonner Konzern macht hohe Verluste

Die Deutsche Telekom schreibt mit ihrem Bundesliga-Angebot hohe Verluste. Wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfuhr, haben bisher nur rund 30.000 Kunden ein Bundesliga-Paket bei dem Bonner Konzern gebucht. Die Liga hat als Lockmittel versagt, doch der Konzern investiert weiter in Fußball.

Die Fußballbundesliga hat als Lockmittel für die Telekom versagt. Der Konzern setzt jedoch dennoch weiterhin auf Fußball. Die Telekom bietet die Live-Übertragung der Spiele seit 2006 über das Internet an. Das Unternehmen hat nach Angaben aus Branchenkreisen 45 Millionen Euro pro Saison für die Rechte an drei Spielzeiten bezahlt. Zudem soll die Produktion der Sendungen mit Kamerateams in allen Stadien, Moderatoren, Kommentatoren und dergleichen zusätzlich 15 bis 20 Millionen Euro kosten. Zusammen mit den Rechten hätten die Bonner also 60 bis 65 Millionen Euro pro Saison für die Liga ausgegeben.

Bei nur rund 30.000 Kunden wäre das Geschäft mit der Liga bislang ein herber Verlust für die Telekom. Die Einnahmen rund ums Leder lassen sich zwar nicht genau errechnen, weil die Telekom die Preise für ihr Fußball-Angebot in den vergangenen drei Jahren mehrfach geändert hat. Im vergangenen Jahr zahlten Kunden für die Saison aber nur zehn Euro pro Monat für die Bundesliga-Option. Das entspricht bei 30.000 Kunden Einnahmen in Höhe von gerade 3,6 Millionen Euro pro Jahr.

"Da hätte die Telekom besser jedem Fernsehkunden ein Jahresabo für seinen Lieblingsverein schenken können statt die Spiele zu übertragen", ätzen Kritiker. Die Telekom wollte sich zu den Zahlen nicht äußern.

Sie will die Bundesliga als Lockmittel benutzen, um neue Kunden für ihr schnelles Breitbandnetz (VDSL) zu gewinnen, das sie in 50 deutschen Städten gebaut hat. Kunden, die das Fernsehangebot nutzen wollten, konnten dies zunächst nur auf dem neuen Netz tun. Inzwischen überträgt die Telekom Fernsehen auch auf langsameren Leitungen. Dennoch blieb der Erfolg aus. Aktuell hat der Marktführer nur 700.000 Fernsehkunden, obwohl die Telekom 20 Millionen Haushalten die Mattscheibe via Internetanschluss anbietet.

Produziert hat die Fußball-Sendungen bislang der Bezahlsender Premiere, der sich am Donnerstag in Sky umbenannt hat. Er hat aber jetzt die Einspeiseverträge mit der Telekom gekündigt, berichten Kreise in beiden Unternehmen. Das bedeutet, dass Premiere künftig nicht mehr über das Telekom-TV zu empfangen sein wird. Die Verträge liefen ursprünglich bis 2011.

Die Telekom wollte sich dazu nicht äußern. In Konzernkreisen wertete man die Kündigung jedoch als Retourkutsche dafür, dass die Telekom sich mit Constantin Media für die kommenden Spielzeiten einen anderen Produzenten für ihre Bundesliga-Sendungen ausgesucht hat. Zuvor hatte Premiere das Angebot produziert.

Auch die Produktion von Constantin dürfte nicht billig werden - der Sender hat als Moderator unter anderem Johannes B. Kerner verpflichtet. Für die Rechte soll die Telekom aber nur noch 35 Millionen Euro pro Saison gezahlt haben. Premiere hat indes die Live-Rechte für die Übertragung im herkömmlichen Fernsehen ersteigert und ist damit jetzt Konkurrent der Telekom.

Premiere erklärte am Donnerstag nur, man befinde sich in Verhandlungen mit der Telekom. In Branchenkreisen heißt es, dabei gehe es auch darum, was nach der Kündigung mit den rund 30.000 Premiere-Bundesliga-Kunden passiert, die bislang die Kicker via Telekom-TV verfolgt haben.

Der Fernsehmarkt in Deutschland ist hart umkämpft. Anders als in anderen Ländern sind die Kunden hier gewohnt, zahlreiche Sender umsonst empfangen zu können. Entsprechend niedrig ist die Bereitschaft, für Inhalte zu bezahlen. Die Telekom will den Preis für ihr TV-Angebot aber nicht senken. "Wir sind schon sehr günstig", sagt Deutschland-Chef Niek Jan van Damme. "Wir müssen den Kunden nur besser erklären, was IPTV alles kann."

Zu den Vorzügen gehören unter anderem zeitversetztes Fernsehen, interaktive Dienste wie die Wiederholung von bestimmten Szenen oder Zusatzinformationen wie die aktuelle Bundesliga-Tabelle per Knopfdruck auf der Fernbedienung.

Doch auch diese Dienste konnten die Kunden bislang nicht locken. Ein weiterer Grund dafür ist die bislang übliche Übertragung von Fernsehen via Kabel. Mieter von Wohnungen sind häufig über ihren Mietvertrag an den Kabelnetzanbieter gebunden und können ihren Fernsehvertrag nicht individuell kündigen. Für sie bedeutet das, sie müssten doppelt bezahlen, wenn sie das Fernsehangebot der Deutschen Telekom nutzen wollten.
[von Sandra Louven / Handelsblatt]  (asa)


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