Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0907/68241.html    Veröffentlicht: 08.07.2009 18:29    Kurz-URL: https://glm.io/68241

Lässt Kim Yong Il jetzt im Internet die Muskeln spielen?

Nordkorea hinter DDoS-Attacken auf Websites in Südkorea und den USA vermutet

In den vergangenen Tagen wurden Websites in den USA und in Südkorea massiv mit Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) angegriffen. Der südkoreanische Geheimdienst vermutet den Nachbarn im Norden dahinter.

Nordkoreas Staatschef Kim Yong Il provoziert gern seine Nachbarn im Süden und den Westen. So führte das nordkoreanische Militär etwa am Wochenende, pünktlich zum US-Nationalfeiertag am 4. Juli, mehrere Raketentests durch.

Möglicherweise haben die Nordkoreaner jetzt auch das Internet als Betätigungsfeld entdeckt. In den letzten Tagen sahen sich knapp 30 Websites in Südkorea und den USA Distributed-Denial-of-Service-Attacken (DDoS) ausgesetzt. Ziel der Attacken waren unter anderem die Seiten des Büros des südkoreanischen Präsidenten, der Nationalversammlung und des Verteidigungsministeriums sowie die mehrerer Banken und einer Zeitung. In den USA richteten sich die Angriffe gegen das Weiße Haus, das Außenministerium, das Heimatschutzministerium sowie weitere Regierungsbehörden. Unter den Angriffen am Dienstag und Mittwoch waren die Websites nur schwer oder gar nicht erreichbar.

Computer mit Malware infiziert

An den Angriffen seien 60.000 Computer beteiligt gewesen, berichtet die Washington Post unter Berufung auf einen Computersicherheitsexperten. Die Zeitung war nach eigenen Angaben selbst Ziel der Angriffe und deshalb zeitweise für Leser nicht zu erreichen. Die südkoreanischen Computer seien mit einer Malware infiziert und dann dazu gebracht worden, die Webserver mit Seitenaufrufen zu überschwemmen, so das Wall Street Journal.

Großer Schaden ist offensichtlich nicht entstanden. Einige Betreiber nahmen ihre Server vorsichtshalber vom Netz. Vertreter mehrerer südkoreanischer Ministerien sagten der Presse, die Angreifer hätten keinen Zugang zu vertraulichen Informationen gehabt.

Steckt Nordkorea dahinter?

Derweil hat die Suche nach den Tätern begonnen. In einer Mitteilung des südkoreanischen Geheimdienstes heißt es, die Attacken seien sehr ausgefeilt gewesen. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass sie nur von einer Einzelperson durchgeführt wurden. Der Dienst vermutet deshalb dahinter eine Organisation oder einen Staat. Parlamentariern gegenüber sagte der Geheimdienst, nach ersten Ermittlungen sei er zu dem Schluss gekommen, dass die nordkoreanische Regierung oder ihre Sympathisanten für die Attacken verantwortlich seien, berichtet die Korea Times.

Kürzlich hatte der Geheimdienst gewarnt, dass der Nachbar im Norden eine Cyberwar-Einheit unterhalte. Die Hacker der nordkoreanischen Armee bereiteten sich auf Angriffe auf Computersysteme in Südkorea und den USA vor.  (wp)


Verwandte Artikel:
IT-Sicherheit: Der Angriff kommt - auch ohne eigene Fehler   
(02.01.2018, https://glm.io/131790 )
Strafverfahren: De-facto-Chef von Samsung wegen Korruption verhaftet   
(17.02.2017, https://glm.io/126234 )
Funkchip: US-Grenzbeamte können Pass-Signaturen nicht prüfen   
(23.02.2018, https://glm.io/132961 )
Spionage: China baut Abhörfunktion in den Sitz der Afrikanischen Union   
(30.01.2018, https://glm.io/132458 )
Akamai: Github übersteht bislang stärksten DDoS-Angriff   
(02.03.2018, https://glm.io/133105 )

Links zum Artikel:
Korea Times - Seoul Suspects NK of Masterminding Cyber Attacks (.kr): http://www.koreatimes.co.kr/www/news/biz/2009/07/123_48138.html
Wall Street Journal - South Korea Searches for Source of Cyber Attacks (.com): http://online.wsj.com/article/SB124701806176209691.html
Washington Post - Washington Post, White House, Targeted in Online Attack (.com): http://voices.washingtonpost.com/securityfix/2009/07/washington_post_white_house_fa.html

© 1997–2018 Golem.de, https://www.golem.de/