Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0907/68234.html    Veröffentlicht: 08.07.2009 14:10    Kurz-URL: https://glm.io/68234

Spieletest: Tales of Monkey Island - die Wal-Schrei-Episode

Die erste Episode des neuen Abenteuers mit Piratenlegende Threepwood ist fertig

Stark, gefürchtet, sturmerprobt oder schatzfindend - das alles ist Guybrush Threepwood nicht. Aber dafür hat der legendäre Pirat jede Menge Humor. Den braucht er auch, weil er es in der ersten Episode des PC-Fortsetzungsadventures Tales of Monkey Island mit einem alten Feind und einer untoten Hand zu tun bekommt.

Waschechte Zombiepiraten sind nur schwer zu besiegen - kein Wunder, dass Guybrush Threepwood sich für den bösen LeChuck einen ganz besonderen Trick einfallen lässt. Leider geht dabei etwas schief, denn Guybrush greift für einen Voodoo-Zauber zu Rum statt zu Bier. Und prompt macht es wenig später "Rumms": Das Schiff, auf dem er mit LeChuck um die heiß geliebte Elaine kämpft, explodiert auf hoher See, ein Untoten-Fluch ergreift Besitz von Guybrushs Hand und der Traum aller Freibeuterschwiegermütter landet pudelnass an einem unbekannten Sandstrand. Das alles passiert in den ersten Minuten von Launch of the Screaming Narwhal, der ersten Episode des auf fünf Teile angelegten Adventures Tales of Monkey Island.

Darin steuert der Spieler erneut den legendären Spielepiraten Guybrush Threepwood - zum fünften Mal seit dem 1990 veröffentlichten The Secret of Monkey Island, das Lucas Arts Mitte Juli 2009 mit überarbeiteter Grafik neu veröffentlichen möchte. Launch of the Screaming Narwhal orientiert sich an den alten Stärken der Reihe: eine spannende Handlung, die den Spieler mit Humor und schrägen Dialogen durch Abenteuer in einer bunten Karibikwelt führt. Und dazu durchgehend logische Gegenstände-Kombinier-Rätsel mit "Keine Sackgasse"-Garantie.

Die Steuerung allerdings sorgt selbst bei erfahrenen Seebären für Navigationsprobleme: Statt auf ein einfaches Point-and-Click-System zu setzen, muss der Spieler die Maustaste halten und einen Ringpfeil so ausrichten, dass Guybrush in die gewünschte Richtung läuft - das ist so umständlich, wie es klingt. Deutlich einfacher, aber unkomfortabel, lässt sich Threepwood mit den Cursortasten durch die karibische Inselwelt steuern. Ärgerlich: Anders als die meisten anderen aktuellen Adventures verfügt Tales nicht über eine Taste, die nutzbare Gegenstände hervorhebt.

Launch of the Screaming Narwhal spielt fast ausschließlich auf der Insel Flotsam Island - einem verlassen Eiland, von dem es wegen mysteriöser Gegenwinde kein Entkommen gibt. Guybrush muss trotzdem einen Weg finden, und das geht nur mit dem Segelschiff "Screaming Narwhal". Bis es so weit ist, muss er allerdings eine Karriere als Reporter absolvieren, einen Wald erkunden und andere Aufgaben lösen. Die sind anfangs noch recht unspektakulär und einfach - und teils sogar etwas nervig, etwa wenn Guybrush im Dschungel den richtigen Pfad zu einem Schatz finden muss. Im Spielverlauf kommen aber einige originelle Stellen, bei denen sich die Designer tatsächlich Neues und Überraschendes einfallen haben lassen. Für die vorliegende erste Episode von Tales brauchen Adventurefans geschätzte vier Stunden - und bekommen zum Abschluss einen gelungenen Cliffhanger präsentiert...

Tales of Monkey Island ist im Internet bei Hersteller Telltale Games erhältlich. Sie lässt sich nur im Paket mit den weiteren Folgen kaufen, was rund 35 US-Dollar kostet. Die weiteren Episoden sollen im Monatsrhythmus ebenfalls als Download erscheinen. Anfang 2010 will Telltale eine DVD mit dem Gesamtspiel anbieten. Wer Tales of Monkey Island bereits im Internet gekauft hat, soll den Silberling kostenlos bekommen, muss aber doch Portogebühren für den Versand aus den USA bezahlen. Die USK hat das Spiel nicht geprüft, weil es nur online verfügbar ist - nach Einschätzung von Golem.de sollte es weder Kinder noch Jugendliche ab zwölf Jahren allzu stark gefährden.

Bislang gibt es keine Version mit deutscher Sprachausgabe oder Menütexten. Die englischen Stimmen reden teils recht schnell und machen viele Wortwitzchen - allerdings lassen sich englische Untertitel einblenden, was das Verständnisproblem etwas entschärft.

Das Programm benötigt Windows XP oder Vista, einen Hauptprozessor ab 2 GHz und mindestens 512 MByte RAM. Die Grafikkarte muss über 64 MByte Ram verfügen und kompatibel zu DirectX ab Version 8.1 sein. Auf der Festplatte belegt Monkey Island rund 300 MByte. Im Test lief das Programm sehr stabil, allerdings reagierte der Mauszeiger auf einigen Systemen seltsam träge - was sich auch über die Optionen nicht verändern lässt - und an manchen Stellen kam es zu starken Schwankungen bei der Bildwiederholrate. Eine kostenlose Demoversion ist auf der Monkey-Island-Webseite von Telltale erhältlich.

Fazit

Monkey Island ist eine der großen Adventurelegenden. Dem wird "Tales" in der bislang veröffentlichten "Launch of the Screaming Narwhal"-Episode nur zum Teil gerecht. Gut gelungen ist die Handlung und im Großen und Ganzen auch der Humor. Die ersten Rätsel hingegen enttäuschen, erst spät schwingt sich das Knobelniveau so hoch, dass Klabautermänner freiwillig an Bord bleiben. An den Magersucht-Look des neuen Guybrush müssen sich Monkey-Island-Veteranen allerdings erst gewöhnen - warum sieht der nicht aus wie in früheren Spielen, vorzugsweise den ersten beiden?

"Kielholen" sollte es bei Technik und Steuerung heißen: Teilweise wirkt das Programm wie von Amateuren zusammengeschraubt. Da schwankt die Bildwiederholrate wie ein Segelboot im Sturm, Animationen sehen aus wie mit dem Säbel gezeichnet. Und auch die Bedienung lässt viele Piratenwünsche offen, insbesondere die nach einer Objekthervorhebe-Taste. Insgesamt überwiegen die Stärken zwar, aber die Monkey-Island-Reihe hätte deutlich mehr verdient als diese halbgute Fortsetzung.  (ps)


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