Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0906/67860.html    Veröffentlicht: 18.06.2009 23:11    Kurz-URL: https://glm.io/67860

Intel: Larrabee ist Chefsache und kommt erst zum IDF

Grafikprozessor bei R&D-Day nicht vorgeführt

Auf dem "Research @ Intel Day" in Santa Clara fehlt Intels erster Manycore-Prozessor mit Codenamen "Larrabee". Die erste öffentliche Vorführung soll nun auf dem IDF Ende September 2009 in San Francisco erfolgen.

Joe Schütz, Leiter der Mikroprozessorforschung bei Intel, gab im Gespräch mit Golem.de einen schwer nachzuvollziehenden, aber eindeutigen Grund an, warum Larrabee auf der aktuellen Intel-Veranstaltung fehlt: "Typischerweise werden solche Demos und auch Produktankündigungen von unseren Vizepräsidenten gemacht" . Schütz trägt nur einen Direktorentitel, Vizepräsidenten wie Pat Gelsinger halten jedoch auf dem "Research @ Intel Day" keine Reden.

Schirmherr der Veranstaltung ist CTO Justin Rattner. Rattner erwähnte Larrabee in seiner Keynote-Ansprache mehrfach, ein lauffähiges System mit Larrabee zeigte er jedoch nicht. Ebenso wenig tat das Jerry Bautista, Leiter des Terrascale-Labors bei Intel. In dieser Einrichtung erforscht Intel Anwendungen für Dutzende von Prozessorkernen, wie sie Larrabee in späteren Versionen bieten soll.

Anwendungen, die von dem Manycore-Prozessor, der auch als Grafikkarte dient, hätten profitieren können, zeigen Intel und unabhängige Wissenschaftler in Santa Clara zuhauf. Der inzwischen bei Intel angestellte deutsche 3D-Spezialist Daniel Pohl führt eine neue Version seiner Quakewars-Engine mit Raytracing vor. Das Projekt kann nun neben der Umgebung 500 Spielfiguren darstellen und läuft mit unter 20 Bildern pro Sekunde auf einer Workstation mit zwei Nehalem-Xeons, die 16 virtuelle und 8 physikalische Kerne besitzt.

Die Universität von Illinois zeigt eine Anwendung für virtuelle Realitäten, bei der sich zwei Personen ein Lichtschwert-Duell liefern können. Auch wenn die Mitspieler mehrere Meter entfernt voneinander stehen, wirken die Bilder, als würden sie direkt aufeinander einschlagen. Beide Beispiele sollten aufgrund der gut zu parallelisierenden Aufgaben von einem Vielkerner wie Larrabee profitieren. Die Demo aus Illinois braucht für jeden Mitspieler zwei PCs, welche die Daten aus einer stereoskopischen Kamera auswerten, synchronisieren und neue 3D-Bilder berechnen.

Mit Larrabee sollen solche Aufgaben mit einer Maschine möglich sein. Doch noch hält Intel die Hand auf seine erste Grafikkarte aus mehreren x86-Kernen. Jerry Bautista gab sogar an, dass die auf dem letzten IDF in Peking gezeigten Benchmarks von Larrabee noch auf Simulationen beruhen. Dennoch betont Intel, dass auch einige wenige Spieleentwickler bereits Larrabee-Karten besitzen.

Dazu wollte jedoch Joe Schütz nicht Stellung nehmen, obwohl er Mitte Mai 2009 in einem Interview schon einmal den Zeitrahmen für Larrabee-Produkte auf das erste Halbjahr 2010 festlegte. Aber: "Als Wissenschaftler über Produkte zu sprechen, kann einen in ernste Schwierigkeiten bringen" seufzte Schütz.  (nie)


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