Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0906/67598.html    Veröffentlicht: 05.06.2009 15:19    Kurz-URL: https://glm.io/67598

RTL und Vox bald kostenpflichtig in HD

SES Astra bereitet Satellitenangebot HD+ vor

Bevor die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Deutschlands 2010 den Regelbetrieb für HDTV aufnehmen, will der Satellitenbetreiber SES Astra private Sender hochauflösend anbieten. RTL und Vox sollen als erste im Spätsommer 2009 auf Sendung gehen. Für die Zuschauer wird das auf Dauer nicht kostenfrei bleiben.

Unter dem Namen HD+ hat SES Astra seine neue HD-Offensive angekündigt, die allen interessierten Sendeanstalten offen stehen soll. Der Betreiber der Astra-Satelliten bietet den Sendern damit nicht nur Transponderkapazitäten an, sondern hat auch ein Bezahlmodell und die nötige Technik wie Smartcards entwickelt. Eine Sprecherin von RTL sagte Golem.de, es sei derzeit geplant, die beiden HD-Programm RTL und Vox zumindest im ersten Jahr der Einführung von HD+ kostenlos anzubieten und danach Gebühren zu verlangen.

Diese Planungen sind aber noch nicht abgeschlossen und können sich ändern, wie sowohl SES Astra als auch RTL betonten. Noch nicht entschieden ist vor allem, ob HD+ mit bereits erhältlichen Receivern funktionieren wird. Aus technischer Sicht spricht dagegen nichts, denn das Programm wird mit Full-HD-Halbbildern (1080i) in MPEG-4 (AVC, H.264) ausgestrahlt und per Nagra verschlüsselt, wie RTL erklärte. Diese Standards unterstützen die meisten HD-Receiver, Nagra lässt sich auch über ein "Conditional Accesss Module" (CAM) nachrüsten, das in den CI-Slot von bestehenden Receivern passt.

Wie SES Astra angab, würde man für HD+ gerne den neuen Standard CI-Plus einsetzen, aber, so ein Unternehmenssprecher: "Es wird HD+ auch geben, wenn es kein CI-Plus gibt". Der Haken an CI-Plus ist nämlich, dass die neuen Module in bereits erhältlichen HD-Receivern ohne CI-Plus-Slot nicht funktionieren. Diese HD-Receiver stellen den Großteil des Marktes dar und sind teils schon ab 100 Euro erhältlich.

Dem Vernehmen nach drängen vor allem die Sender und die Rechteinhaber der Inhalte auf CI-Plus, weil sich damit unter anderem Aufnahmefunktionen und Jugendschutzeinstellungen genau kontrollieren lassen. Bei den bisherigen CI-Modulen war das nicht so. So gab es beispielsweise für nicht von Premiere zertifizierte Receiver mit Aufnahmefunktion CAMs, in denen eine gültige Abokarte funktionierte. Derzeit stellt Premiere allerdings das Verschlüsselungsverfahren um, so dass diese CAMs für diesen Zweck wertlos werden. HD-Receiver mit Aufnahmefunktion - und damit unter anderem auch Timeshift - werden von Premiere, das demnächst Sky heißt, nicht zertifiziert.

Insbesondere die Frage, ob die Sendeanstalten und deren Zulieferer von Inhalten eine Aufzeichnung erlauben, könnte also darüber entscheiden, ob für HD+ neue Hardware nötig ist oder nicht. Die "Early Adopters" von HD-Receivern könnten damit wieder einmal verlieren, wenn sie tatsächlich neue Geräte anschaffen müssen. Bereits im Februar 2008 hatte ProSiebenSat.1 seine kostenfrei mit jedem tauglichen Receiver empfangbaren HDTV-Sendungen eingestellt.

Doch noch ist über die Frage der Hardware nicht das letzte Wort gesprochen: "Wir sind interessiert daran, dass es einen offenen Receivermarkt gibt" sagte ein Sprecher von SES Astra. Dennoch will das Unternehmen Receiver und möglicherweise auch CAMs zertifizieren, um einen reibungslosen Empfang von HD+ zu garantieren.

Als erster Anbieter von HD+ sieht sich RTL mit genügend Material in HD-Auflösungen versorgt. Sobald das neue Angebot auf Sendung geht, sollen die ohnehin schon hochauflösend vorliegenden US-Serien und Kinofilme im Originalformat ausgestrahlt werden. Dafür nennt der Sender bisher nur den Zeitraum "Spätsommer 2009" als Termin.

Bis zum Ende dieses Jahres will RTL dann aber sein neues Sendezentrum mit HD-Technik in Köln-Deutz beziehen, und dort auch die eigenproduzierten Inhalte wie Nachrichten und Magazinformate auf HD umstellen. Bis das soweit ist, werden die nicht in HD vorliegenden Sendungen über HD+ hochgerechnet ausgestrahlt. Die ersten Sportereignisse in HD will RTL 2010 anbieten. Der Sender nannte dafür die nächste Formel-1-Saison und die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika, bei der RTL an einigen Spielen ohne deutsche Beteiligung die Rechte besitzt.

Als generellen Einstieg ins Bezahlfernsehen will RTL seine HD-Initiative nicht verstanden wissen. HD+ soll laut einer Sprecherin des Senders "ein Zusatzangebot" sein, die bisherigen über Astra ausgestrahlten Sender sollen in Standardauflösung weiterhin "frei empfangbar" bleiben. Bereits Mitte 2006 gab es politischen Streit um eine 'Grundverschlüsselung' von privaten Fernsehsendern, die danach vorerst vom Tisch war.  (nie)


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Links zum Artikel:
RTL Television: http://www.rtl-television.de
SES Astra (.com): http://www.ses-Astra.com

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