Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0906/67430.html    Veröffentlicht: 10.06.2009 12:18    Kurz-URL: https://glm.io/67430

Test: Cybook Gen3 - der E-Book-Reader aus Frankreich

Französische Konkurrenz für Sony und Amazon

Das schwarze Cybook Gen3 kommt aus Frankreich. Damit will sich Hersteller Bookeen auf dem Markt für E-Book-Reader etablieren. Das Gerät hat ein einfaches Bedienkonzept, aber auch einige Schwächen. Golem.de hat es sich angeschaut.

Elektronische Bücher erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Amazons Anfang des Jahres vorgestelltes Kindle 2 avancierte noch vor dem Start allein durch Vorbestellungen zum Verkaufsschlager - und dem größeren Kindle DX könnte das ebenfalls gelingen. Nachdem die Lesegeräte lange nur in Übersee zu haben waren, werden inzwischen auch einige in Deutschland angeboten. Dazu gehören neben dem Sony-E-Book-Reader PRS-505/SC auch das Cybook Gen3 des französischen Herstellers Bookeen.

Aussehen und Bedienung

Der in schwarz gehaltene E-Book-Reader misst knapp 19 x 12 cm und wiegt 174 Gramm. Damit ist er etwa so groß und schwer wie ein knapp 200 Seiten dickes Taschenbuch, aber mit weniger als 9 mm etwas dünner. Das von Bookeen angebotene Gerät verfügt wie die Konkurrenten von Amazon, Sony oder Wizpac über ein Display mit der Technik des US-Herstellers E-Ink. Der Bildschirm ist 12 x 9 cm groß, hat eine Auflösung von 600 x 800 Pixel - aber stellt nur 4 Graustufen dar. Das ist weniger als bei den Konkurrenten, die wie Sonys PRS-505 8, oder im Falle der aktuellen Geräte von Amazon und des Txtr Readers von Wizpac 16 Graustufen darstellen.

Das Gehäuse des Cybook ist aus Kunststoff, weshalb das Gerät knapp 90 Gramm leichter ist als das gleich große, aber in Aluminium gehüllte Sony-Gerät. Es verfügt nur über wenige Bedienelemente: Das wichtigste ist ein 4-Wege-Steuerknopf auf der Vorderseite unter dem Display. Damit navigiert der Nutzer durch die Menüs und blättert Seiten um. In der Mitte sitzt eine weitere Taste, mit der in einem Buch das Kontextmenü aufgerufen werden kann. Der Knopf sitzt rechts, so dass der Leser das Gerät mit der rechten Hand halten und mit dem Daumen bedienen kann. Linkshänder dürften das jedoch wenig intuitiv finden. Hier ist der Sony mit seinen zwei Steuerkreisen im Vorteil.

Dazu kommen einige Knöpfe an den Rändern: Oben sitzt der Ein- und Ausschaltknopf, daneben ist ein Einschub für SD-Karten. Rechts gibt es zwei Knöpfe für die Lautstärkeregelung, links befinden sich vier Knöpfe: einer für die Musikwiedergabe, einer zum Aufrufen des Kontextmenüs, ein Knopf, der den Nutzer in der Navigation einen Schritt zurück bringt, sowie ein Kopf zum Löschen eines Textes. Diese Funktion ist gegenwärtig in der Software nicht implementiert. Rechts über dem Display ist eine kleine Leuchtdiode, die grün leuchtet, wenn das Gerät eingeschaltet ist und rot, wenn es geladen wird. An der Vorderseite befinden sind unter einer Abdeckung aus Gummi ein USB-Anschluss sowie eine Buchse für einen Kopfhörer.

Das Bedienmenü

Startet der Nutzer das Gerät, erscheint nach einem Begrüßungsbildschirm eine Übersicht über alle Inhalte auf dem Gerät, geordnet nach Texten, Fotos und Liedern. Die Darstellung ist etwas unübersichtlich, da nur fünf Titel angezeigt werden. Der Nutzer kann aber im Kontextmenü einstellen, dass 10 oder 20 Titel pro Seite erscheinen. Daneben kann er die Dateien nach Medientyp filtern und sich beispielsweise nur die Bücher, die auf dem Gerät gespeichert sind, anzeigen zu lassen. Das ist allerdings nur ein schwacher Ersatz, vor allem wenn in dem Gerät eine volle SD-Karte steckt. Eine strukturiertere Menüführung wäre hier wünschenswert.

Navigiert wird im Menü mit der Steuertaste. Die hat einen guten Druckpunkt, so dass das Cybook gut zu bedienen ist. Mit Auf und Ab navigiert der Nutzer auf der aktuellen Menüseite, mit rechts und links springt er auf die nächste oder die vorherige Seite. Diese Beschränkung ist etwas irritierend: Der Nutzer kann nicht zur nächsten Menüseite scrollen, sondern nur blättern.

Texte als ePub, PDF, HTML und TXT

Hat der Leser sein gewünschtes digitales Buch gefunden, öffnet er es mit einem Klick auf den Bestätigungsknopf. Mit dem Vierwegeknopf kann er blättern und auf der Seite navigieren. Der Bestätigungsknopf öffnet ein Kontextmenü. Darüber kann der Nutzer innerhalb des Buches von Kapitel zu Kapitel springen sowie die Schriftgröße einrichten. Insgesamt stehen 12 verschiedene Schriftgrößen zur Verfügung - da ist für jede Sehstärke die richtige Größe dabei. Ausnahme sind PDF-Dateien: Sie können lediglich in Zoomstufen zwischen 50 und 100 Prozent dargestellt werden. Dafür kann der Leser eine PDF-Datei um 90 Grad drehen und im Querformat lesen. Das wiederum geht nicht bei Texten in anderen Formaten.

Der E-Bookreader öffnet Texte, die als ePub und PDF vorliegen. Mit einer neuen Firmware (1.4 Build 909) ausgestattet, kann er auch mit Text- und HTML-Dateien, wie sie etwa das kostenlose Projekt Gutenberg anbietet, umgehen. In der Ansicht gibt es allerdings keine Seitenzahlen. Stattdessen erscheint unter dem Text ein Balken, der anzeigt, wie weit der Leser in dem Buch ist. Der Fortschrittsbalken passt sich der gewählten Schriftgröße an.

Die neue Firmware bietet außerdem die Möglichkeit, über das Kontextmenü in den HTML- und TXT-Dateien wichtige Textstellen mit Lesezeichen zu markieren und von Lesezeichen zu Lesezeichen zu springen. Allerdings können diese nicht inhaltsbezogen benannt werden. Auch eine Übersicht über alle Lesezeichen fehlt. Der Nutzer hat lediglich die Möglichkeit, zum nächsten, zum vorherigen, zum ersten und zum letzten Lesezeichen springen. Bei größeren Dokumenten kann das etwas unübersichtlich werden, da er sich merken muss, welche Textstellen er mit den Lesezeichen markiert hat.

Schließlich fand Golem.de einen Fehler in der Lesezeichenverwaltung: Die Lesezeichen werden zwar einer Datei zugeordnet, allerdings beachtet die Firmware die Dateierweiterung nicht. Befinden sich gleichnamige Dateien mit unterschiedlichen Endungen, etwa kapitel1.txt und kapitel1.html auf dem E-Book-Reader, werden Lesezeichen, die in der einen Datei gesetzt werden, auch in die andere eingefügt. Das Problem lässt sich umgehen, indem gleichnamige Dateien in verschiedenen Ordnern abgelegt werden.

Problematisches Firmware-Upgrade

Für Geräte mit einer älteren Version der Firmware, die die neuen Funktionen nicht unterstützt, bietet Hersteller Bookeen ein Upgrade an. Das Aufspielen der neuen Firmware schlug jedoch bei unserem Test bei zwei Geräten fehl. Beide Geräte zeigten danach nur noch den Begrüßungsbildschirm an und ließen sich nicht mehr benutzen.

Nach Auskunft des Weltbild Verlages hat Bookeen eine weitere Aktualisierung der Software angekündigt, die das Setzen von Lesezeichen auch in ePub- und PDF-Dateien erlaubt.

Multimedia auf dem Cybook

Das Cybook zeigt nicht nur Texte, sondern auch Bilder an. Mit seinen vier Graustufen kann der Bildschirm nicht mit einem Laptop oder einem Portable Media Player konkurrieren. Bookeen empfiehlt, mit dem Cybook keine Bilder zu öffnen, die größer als 3 MByte sind. Unser Testgerät öffnete aber anstandslos 5 MByte große Fotos, wenn der Aufbau auch länger dauerte als das Blättern von einer Textseite zur nächsten. Schwierigkeiten hatte das Gerät erst mit einem reich bebilderten Prospekt eines Händlers im Form eines knapp 10 MByte großen PDF. Hier dauerten Seitenaufbau und die Verarbeitung von Befehlen wie Skalieren oder Blättern so lange, dass die Geduld des Nutzers übermäßig strapaziert wurde. Allerdings sind das nicht unbedingt Dateien, wie sie im E-Book-Bereich üblich sind.

Schließlich kann das das E-Book auch als MP3-Player genutzt werden. Allerdings hat Bookeen dabei auf einen ungewöhnlichen Kopfhöreranschluss gesetzt: Der Hersteller hat das Gerät nicht mit der üblichen 3,5-mm-Klinkenbuchse, sondern mit einer 2,5-mm-Klinkenbuchse ausgestattet. Ein passender Kopfhörer oder ein Adapter gehören nicht zum Lieferumfang. Der Nutzer muss sich also ein Zubehörteil besorgen, um Musik oder Audiobücher über das Gerät hören zu können.

Dateitransfer

Die Dateien werden über die USB-Schnittstellen auf das Gerät übertragen. Das geht einwandfrei: Kaum mit dem Computer verbunden, wird das Cybook als Laufwerk erkannt und Texte, Bilder und Töne können per Drag-and-Drop transferiert werden. Eine andere Möglichkeit ist, Lesestoff per SD-Karte in das E-Book zu laden. Über eine drahtlose Schnittstelle verfügt das Gerät leider nicht.

Über die USB-Schnittstelle wird auch der Lithium-Polymer-Akku des E-Book-Readers geladen. Das geht in der Standardversion wegen eines fehlenden Netzteils nur über den Computer. Die Ladezeit gibt der Hersteller mit 5 Stunden an, wobei der Akku nach 3 Stunden schon über eine Kapazität von 85 Prozent verfügt. Wegen der speziellen Bildschirmtechnik, bei der Strom nur beim Aufbau einer Seite verbraucht wird, hält der Akku deutlich länger als der eines Gerätes mit einem LCD.

8.000 Mal soll der Bildschirm mit einer Akkuladung aktualisiert, also umgeblättert werden können, verspricht Bookeen. Allerdings verfügt das Cybook nicht, wie etwa Sonys PRS-700, über eine integrierte Beleuchtung. Das schont zwar den Akku, erfordert aber, dass der Leser abends wie bei der Lektüre eines gedruckten Buches das Licht einschaltet.

Zum Lieferumfang des 270 Euro teuren E-Books gehören neben dem Gerät selbst eine Kunstlederhülle und ein USB-Kabel. Der Anbieter Weltbild liefert das Gerät mit 12 vorinstallierten Leseproben aus. Bookeen bietet das Gerät noch in einer teureren Luxusausführung an, die zusätzlich einen passenden Kopfhörer, ein Ladegerät, eine 2 GByte große SD-Karte sowie einen zusätzlichen Akku umfasst.

Fazit

Der E-Book-Reader Cybook Gen3 ist handlich, leicht und passt wie ein Taschenbuch in die Jackentasche. Er ist aber deutlich vielseitiger, da der Leser mit ihm nicht nur ein, sondern viele Bücher mitnehmen kann.

Das Cybook Gen3 ist mit seinem einfachen Bedienkonzept ein guter Einstieg in die Welt der elektronischen Bücher. Praktisch wäre es, wenn Bookeen die Menüführung in einigen Punkten noch verbessern würde, etwa durch die Einführung einer Ordnerstruktur. Dann ließen sich einzelne Dateien besser finden.

Verglichen mit Konkurrenten wie etwa Amazons Kindle 2 oder Sonys PRS-700 fehlen dem E-Book-Reader aus Frankreich einige praktische Funktionen, etwa eine drahtlose Schnittstelle oder die Möglichkeit, Texte mit Anmerkungen zu versehen - beides bietet die außerhalb der USA noch nicht erhältliche Kindle-Serie - oder ein Touchscreen wie das Sony-Gerät, der die Bedienung einfacher machen würde. Bringt Amazon das Kindle 2 hierzulande zum gleichen Preis wie in den USA auf den Markt, dürfte es das gleich teure Cybook Gen3 schwer haben.  (wp)


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Links zum Artikel:
Bookeen (.com): http://www.bookeen.com

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