Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0905/66997.html    Veröffentlicht: 11.05.2009 09:07    Kurz-URL: https://glm.io/66997

Telekom bewegt Kunden zur Abkehr von alternativen Anbietern

Einstellungsschreiben zu ISDN-Komfortanschlüssen ohne rechtliche Relevanz

Die Deutsche Telekom verschickte an ISDN-Komfortanschlussinhaber ein Schreiben, in dem das Unternehmen ankündigt, dass diese Anschlussart aus dem Angebot herausgenommen werden soll. Die Verbraucher sollen sich melden und auf das Telekom-Komplettpaket Call&Surf Comfort umsteigen. Diese Praxis ist dem Wettbewerb und Verbänden ein Dorn im Auge, Tele2 will klagen.

Das Schreiben sei keine Verpflichtung, sich bei der Telekom zur Umstellung zu melden, um seinen Telefonanschluss nicht zu verlieren, meinte Rechtsanwalt Ralf Thoenes aus Düsseldorf gegenüber Tele2. Der Grund: Die Deutsche Telekom gibt weder ein genaues Datum an, wann der ISDN-Anschlussdienst eingestellt werden soll, noch spreche sie eine Kündigung aus.

"Sollte die Telekom den Anschluss oder Vertrag eines Kunden ändern oder kündigen wollen, bedürfte es einer eindeutigen Vertragskündigung oder -änderung, nicht nur einer allgemeinen und unverbindlichen Vertragsinformation", sagte Thoenes.

"Die Telekom täuscht den Verbrauchern vor, dass sie sich unbedingt melden müssen, bevor ihre ISDN-Anschlüsse angeblich eingestellt werden. Ziel der Telekom ist es, den Kunden dann im gleichen Atemzug ein Bündelprodukt mit Mindestlaufzeit zu verkaufen", sagte der Geschäftsführer von Tele2.

"Damit umgeht die DTAG lächelnd die neuen Verbraucherschutzregeln. Sie selbst darf danach keine unverlangten Werbeanrufe mehr tätigen. Nun spielt sie mit der Verunsicherung des Kunden, die sie selbst herbeigeführt hat", kritisiert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner. Er will das Verbraucherschutzministerium und die Verbraucherschutzorganisation informieren.

Günstige Wettbewerberangebote wie Internetzugänge, Telefon-Preselection und Call-by-Call-Angebote kosten die Telekom Markt- und Umsatzanteile. Mit den Komplettpaketen versucht das Unternehmen, scheinbar verlorenes Terrain gutzumachen.

Die Verunsicherung der Kunden darüber, ihren Telefonanschluss zu verlieren, bekommt auch Tele2 zu spüren. Nutzer eines Preselection-Tarifs oder eines DSL-Produktes von Tele2, die ihren Telefonanschluss bei der Telekom haben, sorgen sich, plötzlich ohne Telefonanschluss dazustehen.

Wer von alternativen Anbietern auf das Telekom-Angebot umsteigt, während der Vertrag noch läuft, muss aber womöglich für zwei DSL- und Telefonflatrates zahlen.  (ad)


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