Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0905/66954.html    Veröffentlicht: 12.05.2009 12:13    Kurz-URL: https://glm.io/66954

Test: Modbook - ein Macbook als halber Tablet-PC

Umbau verwandelt Macbook in Tablet-Mac

Das Modbook von Axiotron ist der bislang einzig erhältliche Tablet-PC mit MacOS X. Mit seinem großen Display ist das Modbook für Zeichner gut geeignet. Als Tablet-PC macht das umgebaute Macbook aber nicht zuletzt wegen des Betriebssystems nicht immer eine gute Figur.

Nutzer von MacOS X haben nur wenig Auswahl, wenn es um Hardware geht. Ein Tablet-PC fehlte bislang komplett. Axiotrons Modbook soll die Produktpalette um einen solchen Rechner ergänzen. Er wird auch Tablet-Mac genannt. Das Modbook ist dabei nichts weiter als ein umgebautes weißes Macbook. Auch die silbernen Unibody-Macbooks mit ihrem Aluminiumgehäuse will Axiotron umbauen. Pläne hat Axiotron derzeit aber nur für das Macbook Pro, das in ein Modbook Pro verwandelt werden soll.

Genau das haben Axiotron sowie im Auftrag von Axiotron auch Gravis mit den weißen Macbooks mit ihrer Plastikoberschale getan. Im Modbook steckt ein ganz normales Macbook, das keine Tastatur mehr hat. Stattdessen liegt der 13-Zoll-Bildschirm (1.280 x 800 Pixel) mit einer neuen Verkleidung direkt auf dem Gehäuse. Die neue Verkleidung auf der Oberseite macht einen widerstandsfähigeren Eindruck als die weiße Verkleidung auf der Unterseite. Auf dem Display sitzt zudem der Digitizer für die Stifterkennung, der das Display mit einer Schicht schützt.

Das Modbook gehört zu den Tablet-PCs in Slate-Bauweise. Das heißt, es lässt sich nicht über ein drehbares Display wieder in ein Notebook zurückverwandeln, wie das mit den sogenannten Convertibles möglich ist. Beim Slate-PC wird so normalerweise Gewicht gespart, da das Gelenk, das sehr stabil sein muss, und die Tastatur wegfallen. Beim Modbook gibt es diese Gewichtsersparnis allerdings nicht: 2,3 Kilogramm sind für den Einsatz auf dem Arm ein recht hohes Gewicht. Unter Last fällt auf, dass das Modbook für den nackten Unterarm unangenehme Temperaturen erreichen kann.

Ansonsten ist das Modbook dem Macbook sehr ähnlich und bietet die entsprechende Ausstattung: 2 x USB, 1 x Firewire 400, 1 x Mini-DVI und GBit-Ethernet. Im Modbook befindet sich zudem ein DVD-Brenner. Viele Tablet-PCs verzichten auf die Möglichkeit, mit einem Laufwerk CDs und DVDs lesen zu können, um Gewicht zu sparen.

Im Inneren arbeitet ein Core 2 Duo mit 2 GHz und der Geforce-9400M-Chipsatz mit einem Grafikkern, der für wenig fordernde Spiele durchaus geeignet ist. Außerdem hat das Modbook 2 GByte RAM und eine 120 GByte große Festplatte mit 5.400 U/min. Die Laufzeit des Modbooks liegt mit 3,5 bis 4 Stunden (volle Helligkeit, WLAN aktiv) im normalen Bereich eines Macbooks.

Zwei große Unterschiede gibt es bei der Ausstattung gegenüber einem Macbook: das verbaute GPS-Modul und das wichtigste Utensil eines Tablet-PCs, den Stift. Er wird im Gehäuse versenkt, bietet ein angenehmes Schreibgefühl und soll mit dem Digitizer bis zu 512 Druckstufen unterstützen. Je stärker der Anwender aufdrückt, desto dicker werden die Linien, wenn das Programm das unterstützt. Axiotron legt dem Modbook dazu Sketchbook Express bei, das mit unterschiedlichen Druckstufen umgehen kann. Auch Adobes Photoshop CS4 arbeitete im Test mit dem auf Wacom-Technik basierenden Stift zusammen.

Neben der Stiftspitze und dem Radierer am Stiftende hat dieser noch zwei zusätzliche, programmierbare Tasten. Im Auslieferungszustand werden die Tasten mit dem Einblenden des Kontextmenüs und der virtuellen Bildschirmtastatur belegt. Der Stift selbst wirkt überraschend billig, was aber keine Auswirkungen auf die Nutzung hat. Eine Eingabe mit den Fingern über einen Touchscreen unterstützt das Modbook nicht.

Die Hardware allein reicht allerdings noch nicht, um daraus einen vollwertigen Tablet-PC zu erstellen. Auch das Betriebssystem muss angepasst werden. Das hat Apple zwar getan, aber nur allgemein für Grafiktablets, und nicht speziell für das Modbook. Mit Windows kann Apple hier nicht mithalten.

Dass die Handschrifterkennung von MacOS X 10.5 im Vergleich zu Windows Vista ziemlich schlecht arbeitet, fällt schnell auf. Schreibschrift bringt das Betriebssystem völlig durcheinander und es kommt nichts Brauchbares dabei heraus. Mit Druckschrift und etwas Übung lässt sich die Erkennung halbwegs nutzen, aber die Fehlerrate ist immer noch sehr hoch. Bei Microsofts Betriebssystem liefert die Handschrifterkennung auch ohne Übung schnell vernünftige Ergebnisse.

Dabei bietet MacOS X einige interessante Ansätze: Der Nutzer kann nämlich einfach überall losschreiben. In dem Moment, in dem der Nutzer schreibt, blendet sich ein gelber Untergrund ein, der dann als Schriftfeld genutzt werden kann. Unter Windows muss das Tablet-Input-Panel erst angeklickt werden und einige Windows-Anwendungen, wie etwa der Opera-Browser, vertragen sich damit nicht vollständig und so muss der Windows-Nutzer häufig das Tablet-Input-Panel anklicken. Außerdem bietet MacOS X vielfältige Gesten, etwa um Wörter zu löschen, zu kopieren oder die Escape-Taste auszulösen.

Axiotron will einige Schwächen des Betriebssystems mit eigener Software lösen. Die schlechte Handschrifterkennung soll mit Quickscript ersetzt werden. Eine Betaversion der Software soll bald erhältlich sein.

Auch eine Software zum Drehen des Bildschirminhalts soll bald kommen, wird aber laut Axiotron nur auf Modbooks mit Nvidia-Chipsatz funktionieren. Derweil kann sich der Anwender mit Mages Display Rotation behelfen, um den Bildschirminhalt zu drehen. Apple hat das Drehen für Macbooks explizit abgeschaltet. Ist der Bildschirminhalt erst einmal um 90° gedreht, taucht die Option aber doch wieder in den Systemeinstellungen auf. Allerdings nur so lange, bis der Bildschirminhalt wieder in seine Ausgangslage gedreht wurde.

Fertiggestellt hat Axiotron eine zusätzliche virtuelle Tastatur, mit der sich kleine Notizen schreiben oder etwa URLs in den Browser eintippen lassen. Sie bietet zudem verschiedene Layouts und lässt sich bei Inaktivität transparent schalten. Störend ist allerdings, dass die virtuelle Tastatur vom Betriebssystem den Fokus bekommt, wenn sie aus dem minimierten Zustand oder mit der Taste am Stift zurück auf den Bildschirm geholt wird. Die Anwendung, in der der Nutzer schreiben will, muss dann nochmals angeklickt werden. Erst dann lässt sich die virtuelle Tastatur nutzen und der Betriebssystemfokus bleibt auch bei folgenden Buchstaben im Feld der zu beschreibenden Anwendung.

Bei normaler Nutzung des Modbook stellte sich heraus, dass MacOS X nicht so optimiert ist, wie es sollte. Einfaches Klicken, etwa auf ein Symbol, gelingt nicht immer, da die Toleranz zum Klicken nicht groß genug ist. Rutscht der Anwender nur ein wenig bei der Displayberührung ab, wird das als Drag-und-Drop-Bewegung interpretiert. Dieses Verhalten macht auch Doppelklicks schwierig, vor allem wenn der Anwender den Stift in einer ungünstigen Position hält.

Neben der schlechten Schrifterkennung und dem hohen Gewicht ist auch das Display negativ zu erwähnen. Es ist zu dunkel, um das Modbook auch im Außeneinsatz zu nutzen, und die eingeschränkten Einblickwinkel sind für einen Tablet-PC nicht geeignet. Wer dünne Linien in Farben wie etwa Hellgrau oder Hellgrün zeichnet, sieht sie nur bei bestimmten Haltungen des Modbooks.

Beim Zeichnen zeigt das Modbook hingegen seine Stärken. Der Anwender kann sich auf die Couch setzen und loszeichnen. Dann stört das hohe Gewicht nicht und die Größe des Displays ist von Vorteil. Der Stift arbeitet präzise und die verschiedenen Druckstufen erlauben ein genaues Zeichnen. Der Parallax-Effekt, der durch den Abstand zwischen Stiftspitze und dem Display zwangsläufig entsteht, ist angenehm gering. Die Lautsprecher des Modbooks sind gut. So kann der Anwender während des Zeichnens auch ohne Kopfhörer Musik hören. Tablet-PCs in der Windows-Welt bieten meist nur bescheidenen Klang und manchmal nicht einmal Stereo.

Das Zeichnen-Erlebnis trübten allerdings Probleme mit der Hardware. Während des Tests fielen vereinzelt Ausfälle des Digitizers auf. Kurz nach dem Aufwachen des Rechners wurden der Digitizer und damit die ganze Stifterkennung für kurze Zeit nicht erkannt. Erst nach ein paar Sekunden war er wieder funktionsfähig. Einmal fiel er während des Tests sogar ganz aus und war erst nach zwei Neustarts wieder nutzbar. In dieser Situation wurde ganz deutlich, wie hilflos ein Anwender ohne Maus und Tastatur ist. Die beiden Zusatztasten auf dem Modbook sind zu wenig: Die eine Taste ist der Ein- und Ausschalter und die andere Taste die für die Aktivierung des GPS-Empfängers.

Der GPS-Empfänger passt eigentlich nicht so richtig ins Konzept. Für den Einsatz muss der Anwender nämlich möglichst unter freiem Himmel sein, um die Signale von mindestens vier GPS-Satelliten einzufangen. Bei Sonnenschein sieht der Anwender auf dem Display allerdings nichts, also auch nicht, wo er ist. Der Empfänger funktionierte zudem im Test zunächst nicht. Die beigelegte GPS-Software war nicht in der Lage, sich mit dem Empfänger zu verbinden, obwohl der System Profiler das GPS-Gerät anzeigte und das Programm den Port sah. Erst nach einer Neuinstallation des Treibers, den Axiotron übrigens nicht auf seiner Homepage anbietet, klappte das Zusammenspiel mit dem GPS-Programm. Als Gegenprobe diente der Nikon-GP-1-GPS-Empfänger. Große Unterschiede waren nicht auszumachen. Beide arbeiteten wie sie sollten.

Axiotrons Modbook ist bereits bei Gravis und im mStore erhältlich. Das von Gravis zur Verfügung gestellte Gerät kostet derzeit 2.246 Euro. Der GPS-Empfänger war im Testgerät eingebaut. Laut Gravis werden aber nicht alle Modbooks gleich mit der GPS-Option kommen. Zukünftige Modbooks sollen den Empfänger nur noch als Option bieten. Wann die Umstellung erfolgt, konnte Gravis nicht sagen.

Alternativ kann auch ein vorhandenes Macbook mit Nvidia-Chipsatz für den Umbau abgegeben werden. Der kostet dann 1.298 Euro und soll sieben bis zehn Tage dauern.

Fazit

Wer gehofft hat, ein Äquivalent eines Windows-Tablet-PCs in der Mac-Welt zu finden, wird vom Modbook enttäuscht. Da der Bildschirminhalt ab Werk und ohne Zusatztools nicht gedreht werden kann und die Handschrifterkennung frustriert, ist das Modbook für Notizen unterwegs unbrauchbar.

Seine Stärken hat es vor allem als Werkzeug zum Zeichnen. Der Bildschirm ist schön groß, was sehr praktisch für genaues Zeichnen ist. Da spielt dann auch das hohe Gewicht keine entscheidende Rolle. Einzig die Blickwinkelabhängigkeit des Displays stört zeitweise.

Nur als Zeichenwerkzeug ist das Modbook derzeit interessant. Aber dafür ist das Gerät zu teuer. Erst wenn Axiotron Quickflip zum Drehen des Bildschirminhalts und Quickscript zur Handschrifterkennung fertiggestellt hat, dürfte das Modbook auch für andere Anwendungen infrage kommen.

Solange Apple allerdings nicht selbst an der Tablet-Unterstützung arbeiten will, wird es Axiotron schwer haben, mit dem Modbook der ausgereiften Windows-Konkurrenz etwas entgegenzusetzen. Die Software, die Axiotron als Ausgleich entwickelt, kann eine saubere Integration ins Betriebssystem nicht ersetzen.  (ase)


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Links zum Artikel:
Apple: http://www.apple.com/de
Axiotron (.com): http://www.axiotron.com
Gravis AG: http://www.gravis.de

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