Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0905/66883.html    Veröffentlicht: 06.05.2009 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/66883

Test: Windows 7 RC ist auch auf Netbooks schnell

Treibermangel bei Netbooks zu erwarten

Windows 7 soll nicht nur Windows Vista ablösen. Auch das betagte Windows XP, das vor allem auf Mininotebooks noch immer installiert wird, soll damit ersetzt werden. Unser Test geht der Frage nach, mit welchen Einbußen der Besitzer eines Mininotebooks bei einem Update rechnen muss.

Für den Test auf Netbooks wurde der Release Candidate von Windows 7 (32 Bit) auf einem Asus Eee PC 1000H Go installiert. Das Netbook ist, wie die meisten aktuellen Mininotebooks, mit einer Atom-CPU mit 1,6 GHz ausgestattet, hat 1 GByte RAM und eine kleine 2,5-Zoll-Festplatte mit 160 GByte Speicherplatz. Für die Darstellung des Bildes ist der Grafikkern des 945-Chipsatzes von Intel verantwortlich.

Interessant ist vor allem, wie sich Windows 7 auf Netbooks mit 1 GByte RAM verhält. Windows Vista ist bei so wenig Arbeitsspeicher klar überfordert. Die Netbook-Hersteller verbauen aber nur sehr selten mehr Arbeitsspeicher, da sie sonst nicht die besonders günstige ULCPC-Lizenz von Windows XP installieren dürfen.

Der aktuelle Windows-7-RC installiert sich immer als Ultimate Edition. Damit zeigt dieser Test nur die Erfahrungen auf einem Netbook mit einer vollwertigen Windows-Version. Abgespeckte Versionen wie Home Basic oder die Starter Edition bieten voraussichtlich kein Media Center und eventuell auch kein Aero Peek. Die Starter Edition soll zudem nur drei Anwendungen gleichzeitig in der Taskleiste erlauben. Diese Beschränkungen fielen beim Test von Golem.de weg.

Windows 7 ist schnell. Die Installation dauerte 30 Minuten. Danach war der Desktop vom System eingerichtet. Bereits beim Aufrufen der Systemsteuerung zeigten sich deutliche Geschwindigkeitsgewinne gegenüber Windows XP. Die Systemsteuerung baute sich schneller auf und ohne dass einzelne Icons dabei flackerten.

Nachtrag vom 22. Oktober 2009, um 10:32 Uhr:

Die zum Zeitpunkt dieses Tests noch vorhandene Beschränkung von drei Anwendungen für Windows 7 Starter Edition ist in der endgültigen Fassung des Betriebssystems aufgehoben worden. Microsoft erklärte Golem.de, jede Version von Windows 7 solle auch auf Netbooks laufen. Die Wahl der Variante liegt beim Hersteller des Geräts. Dennoch ist die Starter-Edition für PC-Hersteller günstiger zu bekommen, so wie es auch bei der ULCPC-Lizenz von Windows XP Home der Fall war. Die Frage, wie die von Microsoft zugelassene Hardware für die Starter-Edition zum Sonderpreis aussieht, konnte Microsoft Deutschland nicht beantworten. Bei der ULCPC-Lizenz von Windows XP Home waren es zuletzt unter anderem maximal 1 GByte Hauptspeicher, ein 12-Zoll-Display bis 1280 x 800 Pixeln und eine Festplatte von höchstens 160 GByte.

Das Überraschende dabei ist, dass der Eee PC nur 1 GByte RAM hat und trotzdem flüssig in der Bedienung blieb. Aufwendige Aufgaben sind natürlich weiterhin ein Problem für kleine Netbooks. Laufen mehrere Anwendungen parallel, wird das System langsamer. Aber der Start der Programme klappt immerhin. Der Ausbau des Arbeitsspeichers sollte trotzdem Pflicht sein, bevor Windows 7 in Betracht gezogen wird. Hoffentlich werden die ersten Mininotebooks mit Windows 7 gleich mit 2 GByte RAM ausgestattet.

Treibereien

Etwas schwieriger war es, die Hürden bei den Treibern zu nehmen. Außer den in den Installationsdateien integrierten gibt es kaum Treiber speziell für Windows 7. Das Windows-Update liefert beim Eee PC 1000H Go ebenfalls keine neuen Treiber. Trotzdem funktionierte fast alles. Nur das UMTS-Modem wollte zunächst nicht arbeiten. Auf der Webseite von Asus war der Treiber zudem nicht gelistet. Selbst wenn er gelistet wäre, wäre es nur ein XP-Treiber, da Asus für diese Serie nur Windows XP unterstützt.

Asus stellte Golem.de auf Nachfrage trotzdem einen Vista-Treiber für das Modem zur Verfügung. Anschließend war es möglich, sich mit dem kleinen Werkzeug MWconn ins Mobilfunknetz einzuwählen. Treiber sind also zumindest bei dem 1000H Go prinzipiell kein Problem.

Ob es eine offizielle Unterstützung von Windows 7 als Upgradepfad für Eee-PC-Besitzer geben wird, konnte Asus noch nicht sagen. Es besteht also die Möglichkeit, dass Netbooks mit besonderen Ausstattungsmerkmalen ein Treiberproblem bekommen. Das dürfte nicht nur bei Asus so sein, sondern auch bei den anderen Herstellern. Eine Ausnahme dürften nur die wenigen Netbooks für Geschäftskunden sein, zu denen ein besserer Treibersupport gehören sollte.

In der Praxis macht sich allerdings negativ bemerkbar, dass Microsoft die Abschaltung von Geräten nicht immer vorsieht. Im Mobility Center ist es zwar möglich, das WLAN abzuschalten, aber UMTS und Bluetooth ziehen auf jeden Fall Energie aus dem Akku, da diese Gerätekategorie zumindest nicht bei Microsoft dazugehört. Hier ist der Anwender auf Zusatzsoftware des Herstellers angewiesen, und die muss erst an Windows 7 angepasst werden.

Die Aero-Oberfläche läuft mit Transparenzen recht flüssig auf der schwachen Hardware. Ab und an sind Ruckler durchaus sichtbar, insbesondere, wenn das Media Center aktiv ist, aber insgesamt fühlt sich der Rechner in der Bedienung angenehm an. Die neue Oberfläche hat aber auch Nachteile: Die Taskleiste ist etwas höher und die Ränder um einige Fenster sind vor allem oben dicker als das noch bei Windows XP der Fall war. Um das Problem etwas zu mildern, lässt sich die Taskleiste mit kleinen Symbolen ausstatten.

Beim typischen Netbook gibt es also Platzprobleme. Die Dialoge von Windows sind so konstruiert, dass es in der Regel keine Schwierigkeiten gibt. Dritthersteller von Software haben aber häufig ein Problem mit zu großen Dialogen, weil so etwa der Ok- oder Abbrechen-Button verschwindet.

Wer ein Netbook mit 16:9-Display besitzt, hat es noch schwieriger, da hier gegenüber dem Eee PC nochmals 24 Pixel in der Höhe fehlen. Mangels Testgerät konnte das nicht ausprobiert werden. Wer sich ein Netbook kaufen will, sollte sich aber gründlich überlegen, ob es wirklich ein Display mit 576 statt 600 Zeilen sein soll. Die Mehrausgabe für ein Display mit 768 oder 800 Zeilen dürfte sich gerade für Windows 7 lohnen, sofern der jeweilige Hersteller eine solche Option anbietet.

Benchmarks und Akkulaufzeit

Die gemessenen Akkulaufzeiten sind mit Vorsicht zu genießen. Treiber haben durchaus Auswirkungen auf den Energieverbrauch einzelner Komponenten. Da die Treiber im Release Candidate von Windows 7 nur Vorabversionen sind, kann sich daran noch einiges ändern. Außerdem zeigte sich ein Fehler in den Energieoptionen, der das Gerät bei 6 Prozent Restkapazität des Akkus immer abschaltete. Ein anderes Notebook zeigte diesen Fehler allerdings nicht.

Trotzdem sind die ersten Ergebnisse positiv: Sowohl unter Windows XP als auch unter Windows 7 lief der Eee PC fast 4 Stunden und 50 Minuten. Die Helligkeit war beim Idle-Test heruntergedrosselt, WLAN und UMTS-Modem waren aktiv. Bei der Messung interessierte vor allem, ob Windows 7 eventuell Leistung zwischendurch verschwendet. Windows Vista neigt in Ruhezeiten auch beim Akkubetrieb dazu, zusätzliche Aufgaben durchzuführen. Dem war bei Windows 7 nicht so und es zeigten sich sogar minimale Vorteile für Microsofts neues Betriebssystem. Mit etwa 5 Minuten Unterschied bewegt sich das allerdings im Rahmen der Messtoleranzen.

Bei den Benchmarks zeigte der Eee PC 1000H ein gemischtes Bild. Die CPU-Tests mit SuperPi (1 Million Iterationen - Windows XP 93,2 Sekunden und Windows 7 94,5 Sekunden) und Cinebench R10 (xCPU - 842 Punkte unter Windows XP gegenüber 834 Punkte unter Windows 7) kamen auf fast dieselben Ergebnisse. Die Abweichungen sind auch hier im Rahmen der Messtoleranzen, allerdings mit einem minimalen Vorteil für Windows XP. In der Praxis dürfte der Anwender davon nichts bemerken.

Anders ist das Bild bei den 3D-Tests. Der OpenGL-Test mit Cinebench R10 unter Windows 7 brach auf 10 Prozent dessen ein, was der Grafikkern unter Windows XP leisten konnte (272 zu 28 Punkten). Die mitgelieferten Treiber sind ganz klar noch in einem sehr frühen Stadium. Beim Test mit dem 3DMark 2001 SE konnten ebenfalls Einbrüche festgestellt werden. Fast 20 Prozent langsamer arbeitete das Netbook unter Windows 7 und erreichte 2.354 Punkte. Der Windows-XP-Test ergab 2.885 Punkte. Über das Windows-Update veröffentlichte Microsoft am Tag der Veröffentlichung des Release Candidates noch einen neueren Treiber, der auf den 14. April 2009 datiert ist. Der mit dem RC mitgelieferte Treiber ist auf den 20. Februar 2009 datiert. Verbesserungen stellten sich jedoch weder beim OpenGL-Test des Cinebench R10 noch beim 3DMark 2001 SE ein.

Schlecht sah es für Windows 7 RC beim Booten des Systems aus: Bis das Startmenü benutzt werden konnte, verging fast eine Minute. Windows XP braucht nur etwa 30 Sekunden, also die Hälfte der Zeit. Da der Stand-by-Betrieb beim Eee PC mit Windows 7 zuverlässig arbeitete, empfiehlt es sich, diesen zu nutzen. Der einzige Nachteil ist der sich langsam entleerende Akku.

Windows 7 soll laut Microsoft im Jahr 2010 erscheinen. Acer zufolge kommt die fertiggestellte Version von Windows 7 aber bereits im Oktober 2009. Der Release Candidate ist für alle bis Ende Juli 2009 verfügbar.

Fazit

Windows 7 rennt auf Netbooks geradezu. Trotz eingeschränkter Hardware ist es Microsoft gelungen, das Betriebssystem so weit zu optimieren, dass es auch auf den kleinen Notebooks mit Atom-CPU und wenig RAM anständig läuft. Wer allerdings mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen lassen möchte, sollte seinem Netbook 2 GByte Arbeitsspeicher spendieren. Das eigentliche Problem ist also nicht das Betriebssystem. Microsoft hat aber noch nicht öffentlich bestätigt, welche Ausgabe von Windows 7 für Netbooks gedacht ist und den PC-Herstellern zu einem ähnlichen Preis wie die ULCPC-Version von XP angeboten werden soll.

Offen bleibt, ob Netbooks in Zukunft tatsächlich mit einer Starter Edition ausgestattet werden. Damit wären die Optimierungen wieder dahin. Ein Betriebssystem, das nur drei Anwendungen in der Taskleiste zugleich erlaubt, wäre keine gute Wahl. Wer ein Netbook mit Windows 7 kaufen will, sollte sich die zukünftigen Angebote genauer anschauen und wenn möglich einen Bogen um die mutmaßliche Netbook-Version von Windows 7 namens Starter Edition machen. Die Home-Premium-Version sollte es schon sein, damit die Nutzung des Netbooks auch unter Windows 7 Spaß macht.  (ase)


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Links zum Artikel:
Microsoft - Windows 7: http://www.microsoft.de/windows/windows-7

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