Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0904/66674.html    Veröffentlicht: 23.04.2009 10:38    Kurz-URL: https://glm.io/66674

Wikipedia schließt erste große Industriepartnerschaft

Gemeinsame Wiki-Channels und neue IPTV-Dienste mit Orange

Die Wikimedia Foundation verbündet sich mit dem Mobilfunkbetreiber Orange. Die Wikipedia-Community würde zu Unrecht für antikommerziell gehalten, sagte ein Wikimedia-Manager.

Die freie Enzyklopädie Wikipedia schließt eine erste Industriepartnerschaft mit einem großen Unternehmen. Das gaben die Wikimedia Foundation und der Mobilfunkbetreiber Orange, eine Tochter der France Telecom, heute bekannt. Orange kann künftig gemeinsame Wiki-Channels für seine Onlineplattformen entwickeln. Zusammen sollen zudem neue Dienste und Funktionen für die Wikipedia im Bereich IPTV und Mobilfunk geschaffen werden.

Für Orange ist Wikipedia vor allem durch seine hohe Bekanntheit und den starken Nutzertraffic interessant. "Wir gehen Partnerschaften mit einigen der besten Marken im Internet ein, damit unsere Kunden Zugang zu den besten Informationen im Web erhalten", sagte Orange-Sprecherin Carolyn Owen dem Wall Street Journal. Orange wird einige der Umsätze aus der Partnerschaft mit der Wikimedia Stiftung, eine internationale Non-Profit-Organisation, teilen. Zahlen wollte Owen jedoch nicht nennen. Die Kooperation startet zuerst in Frankreich, Großbritannien, Spanien und Polen und soll später auf alle europäischen Märkte, auf denen Orange aktiv ist, ausgeweitet werden.

Wikimedia hatte im letzten Jahr Spenden in Höhe von 6,2 Millionen US-Dollar gesammelt, leidet wegen der ständig steigenden Betriebskosten durch den hohen Nutzertraffic aber unter chronischer Geldknappheit.

Einflussnahme auf die freien, nutzergenerierten Inhalte will Kul Wadhwa, Kopf des Business Developments bei Wikimedia, aber nicht zulassen. "Unsere Site ist sehr ungewöhnlich - sie wird wirklich von der Community kontrolliert. Wir wollen sicherstellen, dass sie nicht von Kräften von außen beeinflusst wird, unabhängig davon, ob es sich dabei um ein Unternehmen oder eine Non-Profit-Organisation handelt", sagte Wadhwa. Werbung innerhalb der Wiki-Einträge sei beispielsweise nicht erlaubt. Viele Vorschläge für Partnerschaften habe Wikimedia schon abgelehnt. Jedes Unternehmen, das mit Wikimedia zusammenarbeite, müsse einen Beitrag zur Verbreitung von freiem Wissen leisten.

"Eine Sache, die die Menschen missverstehen, ist, dass unsere Community nicht antikommerziell ist", sagte Wadhwa. Firmen müssten nur das Projekt unterstützen und strategischen Wert dafür haben. Wadhwa sei auf der Suche nach Firmen als Partner, die Wikimedia helfen, neue Technologien zu erforschen, die die Stiftung mit ihrer Personalstärke von rund 30 Menschen nicht selbst entwickeln könne. "Dadurch könnten wir wirklich einige Dinge versuchen, die experimentell sind", sagte Wadhwa. Mit Orange würden beispielsweise neue Wege erprobt, um Wikipedia-Inhalte auf das Handy und ins IPTV zu bekommen.  (asa)


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