Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0904/66576.html    Veröffentlicht: 20.04.2009 14:02    Kurz-URL: https://glm.io/66576

Spieletest: Book of Unwritten Tales - zauberhaftes Abenteuer

Fantasyhelden auf der Suche nach mysteriösem Artefakt

Fantasy ist groß und schwer und ernst? Nicht immer: In The Book of Unwritten Tales geht es zwar auch um den Kampf von Gut und Böse, um mächtige Artefakte und dunkle Armeen. Trotzdem setzt das Adventure in erster Linie auf Humor.

The Book of Unwritten Tales (PC)
The Book of Unwritten Tales (PC)
Was hat MacGuffin gefunden? Der greise Gremlin-Archäologe muss bei seinen Grabungen auf etwas ganz Besonderes gestoßen sein, sonst wäre nicht die halbe Fantasywelt von The Book of Unwritten Tales hinter ihm her. In dem Adventure ist es Aufgabe des Spielers, hinter das Geheimnis von MacGuffin zu kommen. Dass es sich dabei um ein Artefakt handelt, stellt sich sehr schnell heraus - aber wo es ist, welche Kräfte es hat und wie es nicht in die Hände der bösen Hexe Mortroga und ihres debilen Sohns Munkus gelangt, das stellt sich erst im Spielverlauf heraus.

Allzu ernst geht es im Werk des Bremer Entwicklerstudios King Art Games nicht zu. Das Programm zieht fröhlich alle möglichen Fantasyepen durch den Kakao. Vor allem auf Der Herr der Ringe gibt es zahlreiche teils sehr direkte Anspielungen. Aber auch auf Rollenspieler - etwa in einer Szene, in der ein Magier und sein Kumpel an einem Rollenspielautomaten sitzen und es genießen, sich in einer virtuellen Welt aus Finanzämtern, Steuerbescheiden und Bürojargon zu verlieren. Helden, Zauberer und Orks haben sie schließlich selbst genug in ihrem Leben.

Wilbur nimmt Platz in einer Reisekapsel
Wilbur nimmt Platz in einer Reisekapsel
Mit der für Adventures typischen Point-and-Click-Steuerung steuert der Spieler je nach Situation den Gnom Wilbur, die Elfe Ivo, den Freibeuter Nate und ein zotteliges Vieh mit dem Namen "Vieh". Welche Figur gerade dran ist, bestimmt die strikt linear gehaltene Handlung. Zuerst lenkt der Spieler das Schicksal von Ivo, die ganz zu Beginn auf einem Flugdrachen auf MacGuffin trifft. Dann stößt zufällig der brave Wilbur dazu, der eigentlich nur in einer Kneipe aushilft - und dann dauert es ein bisschen, bis auch der Rest des Quartetts auftritt.

Im Wald muss Ivo nach dem Versteck des Artefakts suchen
Im Wald muss Ivo nach dem Versteck des Artefakts suchen
Um in der Handlung voranzukommen, muss der Spieler vor allem Gegenstände in der Welt und im Inventar miteinander kombinieren oder sie bedienen. Ein Druck auf die Leertaste zeigt die nutzbaren Objekte an. Nicht ganz perfekt bei der Steuerung ist, dass der Spieler nur am Bildschirmrand und nicht direkt am Mauszeiger sieht, wenn er Kontakt zu einem wichtigen Gegenstand hat - in der Praxis stört das allerdings nur wenig. Außerdem gibt es zahlreiche Konversationen, in denen die Helden mit Kneipenwirten, Onkeln, Magiern, Unholden und weiteren Personen Multiple-Choice-Dialoge führen.

Die Rätsel sind in The Book of Unwritten Tales durchgehend logisch und auch für Einsteiger lösbar; eine programminterne Hilfefunktion gibt es nicht. Falls es mal ansatzweise komplexere Aufgaben gibt, weisen meist die Texte und Beschreibungen den Weg. Oder es hängt, wenn Ivo in Indiana-Jones-Manier einen Lichtstrahl per Diamant basteln muss, eine altertümlich anmutende Illustration an der nächsten Wand.

The Book of Unwritten Tales ist nur für Windows-PCs erhältlich und kostet rund 40 Euro. Es benötigt einen Rechner mit mindestens einer 1,5-GHz-CPU sowie 512 MByte RAM sowohl unter XP als auch unter Vista. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 5 GByte an Speicherplatz, die Grafikkarte muss über 128 MByte RAM verfügen und sowohl mit Pixel Shader 2.0 als auch mit DirectX 9 klarkommen. Die Auflösung lässt sich - bei Adventures keine Selbstverständlichkeit - auf bis zu 1.920 x 1.200 Pixel hochschrauben und kommt sowohl mit 4:3- als auch mit Breitbildmonitoren klar.

Das Programm ist vollständig mit Sprachausgabe unterlegt, wobei die Qualität der Sprecher über Genrestandard liegt - im Ensemble der Synchronstimmen sind einige bekannte Profis zu hören. Die USK hat dem "Book" eine Freigabe ab zwölf Jahren erteilt. Der Kopierschutz ist sehr einfach gehalten: Es muss sich die DVD im Laufwerk befinden.

Fazit

Fans von Fantasy, die am liebsten schon zum Frühstück eine Tasse Drachenblut trinken würden und ohne Schwert nicht zur Arbeit gehen, sollten lieber die Finger von The Book of Unwritten Tales lassen - denn Sinn für Humor gehört dazu. Dabei ist die Handlung nicht nur auf eine möglichst hohe Gagdichte ausgelegt, sondern erzählt ein interessantes und spannendes Abenteuer. Auch die Rätsel sind gut gelungen: Erst wirken die Puzzles ganz schön komplex, aber wer die Beschreibungen liest und ein bisschen aufpasst, kommt ohne größere Probleme voran. Adventurefans, zumal solche mit einem Faible für Tolkien & Co, sollten unbedingt einen Blick auf das Programm werfen.  (ps)


Verwandte Artikel:
Black Mirror im Test: Abenteuer mit Gruselgarantie   
(06.12.2017, https://glm.io/131504 )
The Beast Inside: Photogrammetrie plus Horror   
(01.03.2018, https://glm.io/133087 )
Die Zwerge im Kurztest: Geschichten lauschen und Orks vermöbeln   
(13.12.2016, https://glm.io/125033 )
Into the Breach im Test: Strategiespaß im Quadrat   
(02.03.2018, https://glm.io/133111 )
For Honor: Samurai, Wikinger und Ritter bekommen dedizierte Server   
(28.07.2017, https://glm.io/129181 )

Links zum Artikel:
King Art: http://www.kingart.de/
The Book of Unwritten Tales: http://www.book-of-unwritten-tales.de/

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/