Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0904/66449.html    Veröffentlicht: 14.04.2009 12:00    Kurz-URL: https://glm.io/66449

Intel bessert SSD-Firmware für höhere Datenraten nach

X25-Laufwerke fragmentieren sich weniger

Mit einer neuen Firmware für die Mainstream-Serien X25 und X18 seiner SSD-Laufwerke hat Intel ein grundlegendes Problem der Geräte behoben. Die Schreibraten brechen nicht mehr ein, wenn das Laufwerk beinahe voll ist oder viele Schreibvorgänge mit kleinen Dateien zu verkraften hatte.

Für Aufsehen sorgte Mitte Februar 2009 ein Bericht von PC Perspective. Die Tester hatten die SSD X25-M mit mehreren Benchmarks und im Praxiseinsatz dermaßen gequält, dass das Laufwerk statt der Herstellerangabe von 80 MByte/s beim Schreiben nur noch einen Bruchteil dieser Geschwindigkeit erreichte. Auch die Leseraten waren dadurch eingebrochen.

Als Grund vermutete PC Perspective eine interne Fragmentierung der Daten. Jeder Flashbaustein arbeitet mit einer festen Blockgröße, beispielsweise 4 KByte. Schreibt man eine Datei von 6 KByte, so muss ein Block vollständig gefüllt werden, ein anderer ebenfalls. Dieser kann aber durch das "Wear Levelling" des Laufwerks an einer ganz anderen Stelle liegen. Mit diesen Algorithmen verteilt das Laufwerk die Schreibzugriffe, da diese die Flashzellen abnutzen.

Werden sehr viele kleine Dateien immer wieder geschrieben, so sind deren Blöcke über die gesamte Kapazität verstreut. Auch ein Defragmentierungsprogramm hilft dabei nicht, sondern verschlimmert das Problem sogar, weil das Laufwerk dabei selbst alle Daten wieder neu verteilt. PC-Anwendungen, Dateisysteme und Treiber haben keinen Einblick in das Wear Levelling einer SSD. Daher wurden auch wiederholt neue Dateisysteme für SSDs gefordert.

Im Falle von Intels SSDs führt die interne Fragmentierung offenbar dazu, dass der Controller der SSD irgendwann sowohl beim Lesen als auch beim Schreiben nicht mehr nachkommt und die Geschwindigkeiten stark sinken. Dieser Controller, eine Eigenentwicklung des Chipherstellers, arbeitet mit zehn Kanälen, auf die er Lese- und Schreibzugriffe verteilt. Er ist der Grund, warum diese Laufwerke Geschwindigkeiten von bis zu 250 MByte/s beim Lesen erreichen - zum Zeitpunkt der Vorstellung schaffte das sonst keiner.

Intel konnte das Verhalten der SSD von PC Perspective nach Veröffentlichung des ersten Tests nicht nachstellen, auch Golem.de konnte das Problem bei kurzen Versuchen mit einer fast vollständig gefüllten X25-M nicht im beschriebenen Maße provozieren. Wie PC Perspective jetzt berichtet, befanden sich die Tester aber seitdem im Kontakt mit Intel-Ingenieuren und stellten diesen auch die Profile der Benchmarks zur Verfügung.

Über die Osterfeiertage stellte Intel die Version 8820 der Firmware für die SSDs zur Verfügung, ausgeliefert wurden die Laufwerke bisher mit Version 8160. Die neue Firmware unterzog PC Perspective einem neuen Test. Ein zuvor von dem Problem geplagtes Laufwerk erreichte dabei mit derselben Betriebssysteminstallation wieder ähnlich hohe Datenraten wie eine ladenfrische SSD.

Offenbar hat Intel also nicht nur den Algorithmus beim Schreiben überarbeitet, sondern auch die Blockverwaltung insgesamt. Damit kann das Laufwerk wieder hohe Leseraten erreichen, selbst wenn die Daten stark fragmentiert sind. Es soll sich, so Intel gegenüber PC Perspective, bei längerem Betrieb zudem selbst neu organisieren, so dass sich das Problem der Fragmentierung weniger stark auswirkt. Ganz verhindern, so Intel, lasse sich der Effekt aber nicht.

PC Perspective empfiehlt daher, die Daten von Programmen, die viele kleine Dateien erzeugen, nicht auf SSDs zu speichern. Dazu zählen unter anderem Filesharing-Anwendungen, die mit vielen kleinen Dateien arbeiten. Auch der Browsercache und die Auslagerungsdatei des Betriebssystems sollten nicht auf einer SSD gespeichert werden - sofern es eine Wahl gibt, denn in die meisten Notebooks passt nur ein Laufwerk.

Da die SSDs von Kingston zu den Intel-Modellen baugleich sind, sollte die neue Firmware auch dort funktionieren. Vor jedem Update der Firmware eines Speichergeräts empfiehlt sich aber ein vollständiges Backup der Daten, zum Beispiel mit einem Imaging-Programm. Zwar lässt das Firmwareupdate mittels einer Boot-CD die Daten im Prinzip intakt, geht dabei aber - beispielsweise durch einen Stromausfall - etwas schief, hat der Anwender keinen Zugriff mehr auf die Daten. Ob auch ein entsprechendes Update für die "Extreme"-Serie X25-E geplant ist, ist noch nicht bekannt.  (nie)


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Links zum Artikel:
Intel - SSD Firmware Updates : http://www.intel.com/support/ssdc/index_update.htm

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