Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0904/66425.html    Veröffentlicht: 10.04.2009 12:57    Kurz-URL: https://glm.io/66425

EU will Weg für Skype auf dem Handy freimachen

Mobilfunker wollen VoIP auch für digitale Dividende blockieren

Bei der EU-Kommission in Brüssel beobachtet man die Blockade von VoIP in deutschen Mobilfunknetzen mit Argwohn. Eine neue Telekommunikationsrichtlinie, über die EU-Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten verhandeln, soll Abhilfe schaffen. Druck machen die Firmen Intel, Google, Microsoft und Skype.

Die Blockadehaltung der deutschen Mobilfunkbetreiber gegen VoIP in ihren Netzen soll von der EU-Kommission aufgebrochen werden. Das Magazin Wirtschaftswoche berichtet über dazu laufende Beratungen bei der EU-Kommission und im Europaparlament.

Die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding hält die Formulierungen des Entwurfs aber noch "nicht [für] so eindeutig, wie wir uns das wünschen". Sie forderte nationale Regulierer auf, "gegen Unternehmen vorzugehen, die unter Ausnutzung ihrer Marktmacht innovative Dienste ausbremsen." Möglicherweise verstoße dies gegen EU-Wettbewerbsrecht. Den dafür erforderlichen Druck übt die Voice on the Net Coalition Europe(VON) aus, zu der Konzerne wie Intel, Google, Microsoft und die eBay-Tochter Skype gehören.

Auch bei der Nutzung frei werdender Rundfunkfrequenzen (Digitale Dividende) wollen die Mobilfunkbetreiber die VoIP-Nutzung ausschließen, obwohl dies aus Mitteln der Breitbandoffensive der Bundesregierung, die Teil des Konjunkturpakets II ist, mitfinanziert wird. Nach Angaben eines E-Plus-Sprechers gelte das Verbot auch in den Regionen Mecklenburg-Vorpommerns, wo die drahtlose Datenübertragung auf früheren Rundfunkfrequenzen für mobile Breitbandanschlüsse getestet wird, heißt es weiter. Bei einer Anhörung zur Vergabe der Digitalen Dividende bei der deutschen Bundesnetzagentur will VON dies thematisieren.

Skype prüfe "die wirksamsten Schritte gegen T-Mobile", sagte deren Sprecher dem Magazin. T-Mobile hatte das Skype-Verbot damit begründet, dass der Dienst generell die Übertragungsgeschwindigkeiten verlangsame oder das Netz überlaste. Nach VON-Angaben benötigt ein durchschnittlicher Skype-Anruf jedoch nur 8 bis 20 KBit/s, so dass die Netzbelastung nicht höher sei als bei einem Aufruf einer durchschnittlichen Webseite. Tatsächlicher Grund dürfte sein, dass die Netzbetreiber bei Datenflatratekunden an den über Skype geführten Telefonaten nicht mitverdienen. "Wir bewegen uns auf dünnem Eis", zitiert das Magazin eine Quelle bei der Deutschen Telekom.  (asa)


Verwandte Artikel:
Freiheit für Skype auf dem Handy!   
(03.04.2009, https://glm.io/66325 )
Skype attackiert T-Mobile wegen Blockade auf dem iPhone   
(03.04.2009, https://glm.io/66310 )
Skype kommt auf Nokia-Mobiltelefone   
(17.02.2009, https://glm.io/65328 )
Vodafone testet 7,2 MBit/s über Radiofrequenzen   
(07.04.2009, https://glm.io/66374 )
T-Mobile will Skype für das iPhone blockieren   
(30.03.2009, https://glm.io/66209 )

Links zum Artikel:
VON Coalition Europe : http://www.voneurope.eu/

© 1997–2021 Golem.de, https://www.golem.de/