Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0904/66322.html    Veröffentlicht: 03.04.2009 16:44    Kurz-URL: https://glm.io/66322

Youtube: VUT wirft Google gezielte Fehlinformationen vor

GEMA fordert dem Verband zufolge 1 Cent pro Abruf

Der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten (VUT) wirft Google im Streit mit der GEMA gezielte Fehlinformationen vor, nachdem Google unter Verweis auf überhöhte Lizenzgebühren der GEMA begonnen hat, Musikvideos zu sperren.

Am 31. März 2009 ist eine zeitlich befristete Vereinbarung zwischen Google und der GEMA bezüglich der Vergütung für musikalische Inhalte auf Youtube ausgelaufen. Die Verhandlungen über eine Fortsetzung habe Google abgebrochen, so der VUT, in dem kleine, unabhängige Plattenfirmen zusammengeschlossen sind.

Die GEMA sei mit dem Angebot einer Minimalvergütung von 1 Cent pro Stream in die Verhandlungen gegangen, heißt es in einer Erklärung des VUT. Googles Darstellung, die GEMA-Gebühren würden einem Preis von 500 Euro pro CD entsprechen, stimme daher nicht.

Google weigere sich, sowohl "über eine - noch so geringe - Vergütung pro Stream zu verhandeln als auch die für eine Abrechnung an Autoren benötigten Nutzungsdaten zur Verfügung zu stellen", wirft der VUT dem Youtube-Betreiber vor. Das Zurückhalten der Nutzungsdaten schädige vor allem Nachwuchskünstler und Künstler mit kleinem Einkommen, die bei Verrechnungen von Pauschalen immer benachteiligt würden.

Bisher, so der VUT weiter, habe "kein Autor in Deutschland einen Cent für die Milliarden Nutzungen von Musik auf Youtube erhalten". Zwar seien in England erste Zahlungen vorgenommen worden, doch diese seien extrem niedrig ausgefallen.

Der VUT fordert Google vor diesem Hintergrund auf, einen vernünftigen Vorschlag zur minimalen Vergütung eines Streams zu machen und damit an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Sollte Google allerdings "unbedingt mit dem Sperren von Inhalten Druck erzeugen" wollen, sollten wirklich alle Inhalte heruntergenommen werden, die Musik enthalten: "Es wäre interessant zu sehen, wie attraktiv das Angebot von Youtube ohne Musik für Nutzer wäre."

Nachtrag vom 3. April 2009, 17:35 Uhr:
Google widerspricht der Darstellung des VUT, die Verhandlungen mit der GEMA dauerten an. Kurz vor Auslaufen des bis Ende März gültigen Vertrages habe die GEMA zwar ein Angebot gemacht, das unter dem öffentlichen Tarif liegt. Dieses sei aber auf einen Monat befristet und zudem deutlich teurer gewesen, als der aktuelle Vertrag. Anders als vom VUT angegeben habe Google zudem seit rund eineinhalb Jahren Lizenzgebühren an die GEMA abgeführt.

Mit Auslaufen des Kooperationsvertrages habe Google daher begonnen, den Zugriff auf offizielle Musikvideos aus Deutschland zu sperren.

Die GEMA fordert laut offiziellem Tarif für Music-on-Demand-Angebote eine Mindestvergütung von 12,78 Cent für jedes genutzte Werk mit einer Länge von bis zu fünf Minuten.  (ji)


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