Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0903/66173.html    Veröffentlicht: 27.03.2009 10:23    Kurz-URL: https://glm.io/66173

Multiplayer: Keine Chance für "Einsame Wölfe"

Designer von Left 4 Dead hat über gruppenorientiertes Spieldesign gesprochen

Kooperative Multiplayermodi sind schwer angesagt, aber nicht alle funktionieren, weil die Entwickler die Psychologie der Spieler und wichtige Elemente von Gruppendynamik zu wenig berücksichtigen. Michael Booth von Valve, erfahrener Counter-Striker und einer der Entwickler von Left 4 Dead, berichtete auf der GDC von seinen Erfahrungen.

Michael Booth, Valve
Michael Booth, Valve
"Eins fand ich sehr überraschend: Es gibt unheimlich viele Leute, die spielen einen Shooter wie Left 4 Dead fast nur, weil es ihnen Spaß macht, andere zu heilen", erzählte Michael Booth von Valve auf der GDC. Auf der Entwicklerkonferenz berichtete Booth, wie er mit seinem Team dafür gesorgt hat, dass Spieler den Ego-Shooter Left 4 Dead tatsächlich mit anderen spielen - und nicht nur allein, was möglich ist.

Die Gründe dafür sind auch kommerzieller Natur: Zum einen gibt es nach Meinung von Booth immer noch eine Marktlücke für Spiele mit starkem Coop-Modus. Zum anderen verkaufen sich solche Titel dank der Community langfristig. Als Beispiel nennt er Counter-Strike 1.6, das trotz seines Alters immer noch in nennenswerten Stückzahlen über die Ladentheken wandert.

Spieler sollen in Left 4 Dead den Eindruck bekommen, nur im Viererteam gewinnen zu können. "Wir haben bei der Entwicklung immer so gedacht und gehandelt, als ob das ganze Team der Spieler ist. Ein einzelnes Mitglied darf da mal sterben, aber eben nicht alle", erklärt Booth den Ansatz. Dazu gehörte auch das Szenario des Spiels: Wie jeder Filmfan und Kenner etwa von "From Dusk till Down" weiß, sind im Genre Survivalhorror die Rollen klar verteilt und die Teammitglieder müssen eng zusammenarbeiten, wie es eben auch die vier Charaktere in Booths tun: "Wenn da Idioten mit antreten, sterben die schnell - wir bestrafen das sehr streng."

Eine besondere Rolle für den Zusammenhalt der Gruppe spielen die Oberbosse. So gibt es etwa einen extrem schnellen Gegnertyp namens "The Hunter": Der kann "einsame Wölfe" - also Spieler, die sich abseits von anderen halten - schnell einholen und soll sie dadurch zurück zur Herde treiben. Auch der Mangel an Munition, in Left 4 Dead teilweise kritisiert, ist laut Booth Absicht: Wenn ein wertvolles Gut nicht ausreichend vorhanden ist, müssen die vier Spieler zum Ausgleich eng zusammenarbeiten.

Als wichtig hat sich laut Booth während der Entwicklung von Left 4 Dead auch herausgestellt, dass Spieler es toll finden, anderen zu helfen und so in die Rolle des Helden zu kommen - etwa, wenn sie einem schwer angeschlagenen Kumpel per Medipack helfen. "Es gibt Momente, da spielt man mit Unbekannten im Internet und einer von ihnen hilft einem. Da merkt man: Hey, der Typ ist okay", erzählte Booth.

Wichtig ist auch, dass das Programm den Spielern Phasen der Hochspannung und der Entspannung bietet. Letztere sollten um die 30 bis 35 Sekunden dauern, weil sie sich solange nicht langweilig anfühlen, sondern das Team zusammenschweißen. In Left 4 Dead kontrolliert ein System im Hintergrund, ob die Spieler ein wenig Ruhe gebrauchen könnten. Dazu prüft es anhand der Verletzungen der Spieler, wie hoch die "Emotional Intensity" ist; andere Verfahren habe Valve auch ausprobiert, aber das relativ simple Verfahren mit dem Gesundheitszustand hat sich am besten bewährt.

Für die Ausrichtung auf Gruppenerlebnisse gibt es laut Booth noch weitere wichtige Elemente. So brauche ein Spiel wie Left 4 Dead einen Splitscreenmodus, weil Spieler so ihre Freunde am einfachsten in das Programm einführen könnten. Wichtig sei ein Ingame-Abstimmungssystem, damit die Community sich bei Streitfragen selbst regulieren kann. Und: Zufallselemente im Level und in der Gegnerplatzierung seien ebenfalls wichtig, damit erfahrene Spieler möglichst wenig Wissensvorsprung vor Einsteigern haben.  (ps)


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Links zum Artikel:
Left 4 Dead (.com): http://www.l4d.com
Valve (.com): http://www.valvesoftware.com/

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