Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0903/65966.html    Veröffentlicht: 17.03.2009 19:46    Kurz-URL: https://glm.io/65966

iPhone OS 3.0 mit Zwischenablage, MMS und Bluetooth-Stereo

Querformatnutzung auch für E-Mail-Client und andere Applikationen

Mit iPhone 3.0 hat Apple ein weiteres großes Update des Betriebssystems für iPhone und iPod touch vorgestellt. Nach langer Wartezeit erhalten beide Geräte eine Zwischenablage, um Daten zwischen Applikationen austauschen zu können.

Zum Markieren eines Wortes muss es mit einem doppelten Fingertippen markiert werden. Die Markierung kann dann mit dem Finger vergrößert werden, um mehr Text zu kopieren. Alternativ dazu wird der Finger auf dem Display gehalten, um gleich einen größeren Bereich zu selektieren. Dabei erscheint eine Ausschnittsvergrößerung, damit der Nutzer mehr Details erkennt. Auch von Webseiten sollen sich Daten kopieren lassen. Dazu muss der Nutzer dann den Finger länger auf den auszuwählenden Bereich halten. Neben der Markierung erscheinen dann immer die drei Befehle kopieren, ausschneiden und einfügen, um das Gewünschte auszuwählen.

Außer Texte kann die Zwischenablage auch Bilder kopieren, um sie etwa in eine E-Mail zu integrieren. Unklar ist noch, ob das auch für angelegte Bildergalerien gilt. Falls eine Operation mit der Zwischenablage doch nicht gewünscht war, kann sie durch Schütteln des Geräts rückgängig gemacht werden.

Bislang unterstützten nur wenige der vorinstallierten iPhone-Applikationen eine Querformatsdarstellung. Mit iPhone OS 3.0 wird das anders und der E-Mail-Client sowie alle anderen Applikationen sollen im Querformat verwendet werden können, so dass dem Nutzer bei Eingaben eine größere Tastatur zur Verfügung steht. Als weitere lang vermisste Funktion beherrscht die neue iPhone-Firmware MMS-Versand sowie Empfang und bietet Bluetooth A2DP, um Stereoton drahtlos zu übertragen. Allerdings gilt beides nicht für die iPhones der ersten Generation, die dazu technisch nicht in der Lage sind.

Eine kleine Veränderung erfuhr auch der SMS-Client, in dem der Nutzer nun mehrere Nachrichten auf einmal löschen oder weiterleiten kann. Zudem erhält das neue iPhone OS eine Software zur Aufzeichnung von Sprachnotizen und der Kalender unterstützt neben CalDAV auch das ICS-Format. Der E-Mail-Client, der Kalender, die iTunes-Software und die Notizapplikationen erhalten nun eine Suchfunktion, die es bislang nur in den Kontakten gab. Systemweit kann der Nutzer nun über die neue Funktion Spotlight suchen.

Mit dem iPhone OS 3.0 erweitert Apple die Möglichkeiten für Entwickler. Das SDK bietet mehr als 1.000 neue APIs und Apple ermöglicht neue Geschäftsmodelle für Softwareanbieter. Mit der Funktion "In-App Purchase" können Entwickler aus einer Applikation heraus weitere Inhalte verkaufen, zum Beispiel neue Levels für Spiele, Bücher oder andere Inhalte. Apple integriert das Ganze fest in iTunes, so dass auch diese zusätzlichen Inhalte über Apple abgerechnet werden, mit dem bestehenden Umsatzsplit: Entwickler erhalten 70 Prozent, Apple bekommt 30 Prozent.

Neu im iPhone OS ist zudem die Möglichkeit, Peer-to-Peer-Verbindungen aufzubauen, also direkte Verbindungen zwischen zwei Geräten. Die neue Firmware findet andere iPhones oder iPod touch in der Umgebung und erlaubt es beispielsweise, gemeinsam zu spielen. Technisch basiert das auf Bonjour und ist nicht nur für Spiele gedacht. Auch Kontakte lassen sich darüber austauschen.

Neue Möglichkeiten räumt Apple auch Herstellern von Zubehör ein, denn diese können künftig Applikationen entwickeln, die direkt auf ihre Hardware zugreifen. Als Beispiel nannte Apple einen UKW-Empfänger, der über das iPhone bedient werden kann, sowie medizinische Geräte wie etwa Blutdruckmesser.

Erweitert wird die Maps-Applikation, die Apple zusammen mit Google entwickelt. Über ein API können Entwickler die entsprechenden Karten auch in eigenen Applikationen einbetten. Für Spieleentwickler wird eine spezielle API bereitgestellt, die es erlaubt, Musik direkt vom Gerät in Spielen wiederzugeben.

Die bereits lange angekündigte und verspätete Push-Funktion will Apple mit iPhone OS 3.0 endlich nachrüsten. Man habe die Technik neu aufsetzen müssen, um den unterschiedlichen Bedürfnisse der Entwickler gerecht zu werden, begründet Apple den starken Zeitverzug. Nach wie vor dürfen Programme nicht im Hintergrund laufen. Apple begründet das damit, dass sich ansonsten die Akkulaufzeit deutlich verringert. Stattdessen setzt Apple hier auf eigene Server, die etwa im Fall eines Instant Messengers im Hintergrund Daten an ein iPhone liefern.

Die Betaversion von iPhone OS 3.0 soll für Entwickler ab sofort zur Verfügung stehen. Die fertige Version von iPhone OS 3.0 soll im Sommer 2009 erscheinen. Besitzer eines iPhone oder iPhone 3G werden das Upgrade kostenlos erhalten. Für Besitzer des iPhones der ersten Generation ist das Upgrade ebenfalls verfügbar, aber damit lassen sich einige der neuen Funktionen nicht nutzen. Dazu zählen Bluetooth A2DP und MMS. Besitzer eines iPod touch müssen 9,95 US-Dollar für das Upgrade bezahlen.

Nicht bewahrheitet hat sich das Gerücht eines Premium-Bereichs im App Store und auf Flash-Unterstützung müssen iPhone-Besitzer noch weiter warten. Gleiches gilt für dezente Benachrichtigungen, wie es sie bei Android oder WebOS gibt. [von Jens Ihlenfeld und Ingo Pakalski]  (ip)


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