Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0903/65746.html    Veröffentlicht: 06.03.2009 10:34    Kurz-URL: https://glm.io/65746

Kernel-Entwickler diskutieren über Xen

Kommt Virtualisierungslösung noch komplett in den Linux-Kernel?

Auf der Linux-Kernel-Mailingliste diskutieren die Entwickler derzeit, ob sie die restlichen Teile der Virtualisierungslösung Xen noch in Linux integrieren sollen. Mit KVM ist bereits eine Virtualisierungssoftware Bestandteil des Linux-Kernels.

Derzeit unterstützt Xen im Linux-Kernel nur den Gastmodus (DomU). Der nötige Code für die privilegierte Domäne (Dom0) ist noch nicht Teil des Kernels. Als Antwort auf an die Linux-Kernel-Mailingliste geschickte Dom0-Patches warf Andrew Morton nun die Frage auf, ob der Dom0-Code überhaupt noch aufgenommen werden solle. Er halte Xen für den "alten" Weg, während es bereits die "neue" Richtung KVM gebe und fragt, ob die Entwickler eine Aufnahme des Dom0-Codes nicht in ein paar Jahren bereuen würden. Ein Konsens scheint in der daraufhin begonnenen Diskussion noch nicht gefunden.

Kernel-Betreuer Andrew Morton sagte schon 2005 voraus, dass die an der Universität Cambridge entwickelte Virtualisierungslösung Xen bald Teil des offiziellen Linux-Kernels werde. Es sollte dann aber doch noch bis 2007 dauern, bis erste Xen-Teile in Linux 2.6.23 zu finden waren. Der Dom0-Code fehlt aber bis heute und wird von den Xen-Entwicklern selbst auf Basis eines älteren Linux-Kernels gepflegt.

Xen wurde in der Zwischenzeit vom jüngeren Ansatz KVM überholt. Die Virtualisierungslösung nahmen die Entwickler schon in den Linux-Kernel 2.6.20 auf. Xen setzt ursprünglich auf Paravirtualisierung. Das Gastbetriebssystem muss für diesen Zweck angepasst werden. Bietet der Prozessor Virtualisierungsfunktionen, kann Xen auch unmodifizierte Systeme ausführen. KVM setzt einen solchen Prozessor zwingend voraus und macht den Kernel selbst zum Hypervisor.

Auch mehrere Linux-Distributoren schwenkten von Xen auf KVM um. Etwa Canonical mit Ubuntu und auch Red Hat setzt künftig auf KVM. Kein Wunder: Der Linux-Anbieter hatte den KVM-Entwickler Qumranet 2008 gekauft.

Die Kernel-Entwickler kritisierten in der Vergangenheit häufig die Qualität des Xen-Codes und dass das Xen-Team nicht genügend Ressourcen in dessen Anpassung stecke. Das führte nun dazu, dass einige Xen-Teile überarbeitet werden. Das heißt aber auch, dass Xen in jedem Fall noch etwas Zeit braucht. Oder die Kernel-Entwickler sich doch dagegen entscheiden.  (js)


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Links zum Artikel:
kernel.org: http://www.kernel.org
Xen (.org): http://xen.org/

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