Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0902/65542.html    Veröffentlicht: 26.02.2009 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/65542

Spieletest: Fear 2 - Action, Angst und Alma

Im Kampf gegen feindliche Soldaten und ein übersinnliches Mädchen

Der Satansbraten gibt keine Ruhe: Erneut bekommen es Spieler von Ego-Shootern mit der übermächtigen und bitterbösen Alma zu tun. Auch Teil 2 des Actionspiels Fear verbreitet auf Playstation 3, Xbox 360 und Windows-PC Angst und Schrecken.

Fear 2 (Windows-PC, Xbox 360, PS3)
Fear 2 (Windows-PC, Xbox 360, PS3)
Den Job hat sich Sergeant Michael Becket anders vorgestellt: Der Elitesoldat soll eigentlich nur eine gewisse Genevieve Aristide schützen. Ihm sagt der Name nicht viel - weil er als Hauptfigur von Fear 2 keine Ahnung hat, was in Teil 1 passiert ist. Spieler des 2005 auf PC veröffentlichten Ego-Shooters hingegen zucken bei dem Namen Aristide zusammen. Denn sie steht in einer mysteriösen Verbindung zu Alma. Und Alma steht für Horror pur: Einerseits ein scheinbar harmloses kleines Mädchen, andererseits abgrundtief böse und supermächtig.

Die Handlung von Fear 2 Project Origin beginnt rund eine halbe Stunde, bevor in Fear 1 eine gigantische Explosion über den Bildschirm tobt. Becket weiß das natürlich nicht, sondern hält seinen Einsatz zunächst für nicht weiter aufregend. Bis er nach wenigen Schritten über die erste Leiche stolpert, ihm Bleikugeln um die Ohren pfeifen und er seltsame Visionen hat. Davon abgesehen teilen Neulinge in der Fear-Welt ein weiteres Problem mit Becket: Sie werden es kaum schaffen, das Dickicht von Personen und Firmen, die Anspielungen auf andere Ereignisse und vor allem auf Alma zu durchblicken.

In engen Gängen kämpft Becket gegen feindliche Soldaten
In engen Gängen kämpft Becket gegen feindliche Soldaten
Beim Spielen macht das keine Schwierigkeiten: Im Kern ist Fear 2 ein geradliniger, unkomplizierter Ego-Shooter. Der Spieler ballert sich als Becket durch Büroschluchten, Treppenhäuser, Kranken- und Forschungsstationen. Neumodischer Krimskrams wie Sandbox-Elemente gibt es so gut wie nicht - der Weg ist immer klar ersichtlich. Becket kämpft gegen Heerscharen von feindlichen Soldaten, zu denen sich im Spielverlauf immer biestigere Mutanten und andere Monster gesellen. Außerdem hat er es ab und an mit besonders kampfstarken Oberbossen zu tun.

Die Gegner bekämpft Becket mit bis zu vier Waffen, die er gleichzeitig tragen kann. Im Angebot sind Standards wie eine MP und eine Schrotflinte, sowie dezent übernatürliche Schießprügel aus der Energiesparte und Granaten. An wenigen Stellen im Spiel klettert Becket in einen dick gepanzerten Roboteranzug und verschießt dann besonders großkalibrige Projektile.

Überall stößt Becket auf teils entsetzlich zugerichtete Leichen
Überall stößt Becket auf teils entsetzlich zugerichtete Leichen
Die stärkste Waffe von Becket ist die Fähigkeit, auf Knopfdruck für ein paar Sekunden die Zeit zu verlangsamen und die Gegner dabei in aller Ruhe aufs Korn zu nehmen. Das gab es auch schon im Vorgänger, allerdings hat Entwickler Monolith den Effekt grafisch überarbeitet. Die Flugbahnen von Kugeln sind immer noch gut zu sehen, was sowohl eigene Treffer erleichtert als auch das Ausweichen.

Fear 2 ist so selbst auf der härtesten Schwierigkeitsstufe vergleichsweise einfach. Und das, obwohl das Programm auch auf PC kein eigenes Speichern zulässt, sondern auf allen drei Plattformen den Spielstand selbst an gut ausgewählten Stellen sichert.

Bei 4:3-Bildschirmen stören dicke Balken
Bei 4:3-Bildschirmen stören dicke Balken
Beim Vorschreiten durch die Levels hat Becket immer wieder Visionen von Alma, die vor ihm herläuft, von seltsamen Farben und anderen Orten. Diese direkt ins Spiel integrierten Szenen sind teils aufwendig geskriptet, bieten tolle und so noch nicht gesehene Flimmer-, Schatten- und Farbeffekte. Trotzdem sind sie weniger spannend als in Teil 1, weil während der Sequenzen nur selten echte Gefahr droht und der Spuk bald wieder folgenlos vorbei ist - bis zu einem bestimmten Punkt in der Handlung, die dann eine echte Wendung nimmt.

Mit dem Flammenwerfer brät der Spieler seine Gegner
Mit dem Flammenwerfer brät der Spieler seine Gegner
Fear 2 ist für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC erhältlich. Am PC benötigt das Spiel Windows XP oder Vista sowie mindestens einen Rechner mit 2,8 GHz, 1 GByte RAM unter XP und 1,5 GByte RAM unter Vista. Die Grafikkarte muss DirectX 9 beherrschen und mindestens 256 MByte Speicher haben. Auf der Festplatte benötigt das Spiel 12 GByte Platz - und beim Spieler viel Geduld während der langen Installationsroutine. Am PC setzt Fear 2 als Kopierschutz eine Aktivierung bei Steam voraus. Der Client muss also installiert sein, dafür läuft das Spiel ohne DVD im Laufwerk und lässt sich auch jederzeit später wieder ohne die Silberlinge herunterladen.

Bei 4:3-Bildschirmen stören dicke Balken
Bei 4:3-Bildschirmen stören dicke Balken
Vorteil am PC: In den Grafikeinstellungen lassen sich viele Details an persönliche Vorlieben anpassen. Wen etwa die Bewegungsunschärfe stört, kann sie einfach deaktivieren - auf Konsole geht das nicht. Nachteil am PC: Zwar stellt das Programm alle gängigen, technisch jeweils möglichen Auflösungen zur Verfügung, aber auf Monitoren mit 4:3 sind etwa mit 1.280 x 1.024 Pixeln sowohl oben wie unten dicke schwarze Balken zu sehen. Allen Versionen gemein ist, dass die Grafik nicht mehr ganz aktuell wirkt, was sich insbesondere bei Explosionen, Farben und Schatten zeigt.

Zwischendurch muss Becket eine Operation erleiden
Zwischendurch muss Becket eine Operation erleiden
Die in Deutschland erhältliche Version ist stark geschnitten. An den fast überall in den Levels herumliegenden Leichen, an den Blutlachen auf den Böden und den Blutflecken an den Wänden hat sich nichts geändert. Aber erledigte Gegner zeigen keine Verwundungen, beim Ableben verschwinden sie einfach oder lösen sich in einer merkwürdigen Rauchwolke auf. Trotzdem hat die USK das Programm erst ab 18 Jahren freigegeben.

Fazit:
Geschmackssache: Ist Fear 2 ein solider Old-School-Shooter für unangestrengtes Ballern - oder eine altmodische Ballerorgie ohne Tempo? Verglichen mit rasanten Actionorgien wie Call of Duty geht es jedenfalls fast schon betulich zu. Und wer die Freiheit etwa eines Fallout 3 schätzt, fühlt sich in den ewig engen Gängen auch nicht wohl. Erwachsene Spieler allerdings, die unkomplizierte Schießereien und vor allem eine tatsächlich spannende Handlung mit dicken Überraschungen suchen, können Fear 2 eine Chance geben.  (ps)


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