Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0902/65541.html    Veröffentlicht: 26.02.2009 16:11    Kurz-URL: https://glm.io/65541

Mal eben im Internet nachgucken oder einkaufen

PwC-Studie zeigt, wie die Deutschen das Internet nutzen

Datenmissbrauch und Fehlinformationen: Die Deutschen sehen das Internet durchaus kritisch, auch wenn sie es intensiv nutzen. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie zur Internetnutzung.

Die Datenpannen der letzten Zeit haben bei deutschen Internetnutzern offensichtlich Eindruck gemacht. Mehr als die Hälfte der Befragten hat Bedenken, Kontodaten oder Kreditkartennummern über das Netz zu übertragen. Fast jeder (90 Prozent) fürchtet, dass persönliche Daten missbraucht werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Internet 2009 - Wer macht was im World Wide Web?", die das Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) anlässlich der Cebit vorgestellt hat.

Das hat Auswirkungen auf die Nutzungsgewohnheiten: Mehr als die Hälfte der Nutzer (54 Prozent) erledigt beispielsweise keine Geldgeschäfte über das Netz. Nur ein knappes Drittel (31 Prozent) nutzt häufig Onlinebanking. Die Sicherheitsbedenken seien zu groß, sagt Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC. "Handels- und Dienstleistungsunternehmen werden das volle Potenzial des E-Commerce nur dann ausschöpfen können, wenn sie diese Ängste ernst nehmen und sichere Lösungen anbieten."

Dabei sind die Aussichten für die Anbieter kommerzieller Dienste in Deutschland gar nicht schlecht. Laut der Studie nutzen gut zwei Drittel (63 Prozent) der Deutschen das Internet. Allerdings ist die Verteilung weiterhin ungleich: Online sind eher die Jüngeren. 83 Prozent der Befragten über 60 Jahren nutzen der Internet selten oder nie. Gesurft wird regelmäßig: Zwei Drittel der Nutzer surfen jeden Tag. Lediglich jeder 20. nutzt das Internet seltener als einmal pro Woche.

Wichtigste Anwendung: Kommunikation

Die wichtigste Anwendung ist nach wie vor die elektronische Kommunikation, nur 10 Prozent der Befragten schreiben keine E-Mails. Doch es wird nicht nur kommuniziert: Ein Großteil der Befragten (74 Prozent) hält das Netz für "praktisch, um Dinge im Alltag schnell zu erledigen". Dazu gehört durchaus die Nutzung von kommerziellen Angeboten: 69 Prozent der Befragten kaufen häufig oder gelegentlich im Netz ein, 59 Prozent buchen Flüge, Bahnfahrkarten oder ganze Reisen online. Dabei scheint der Besuch beim Onlinehändler den meisten einen Zeitvorteil zu verschaffen. Gut zwei Drittel gaben an, dass sie trotz intensiver Internetnutzung mehr Zeit haben als früher.

Große Bedeutung hat Internet auch als Informationsmedium. Eine große Mehrheit (86 Prozent) gab an, im Internet schnell und gezielt nach Informationen zu suchen. Entsprechend gehören zu den beliebtesten Angeboten Suchmaschinen, die drei Viertel der Befragten oft nutzen, Onlineenzyklopädien wie Wikipedia (33 Prozent) und die Seiten von Zeitungen und Magazinen (23 Prozent).

Doch auch wenn die Nutzer oft im Internet recherchieren, bewerten sie Inhalte aus dem Internet durchaus kritisch: Über die Hälfte (54 Prozent) schenkt vielem, was im Internet steht, keinen Glauben. Grund ist unter anderem, dass viele Nachrichten im Netz ohne Autorenangabe erscheinen. Allerdings müssen Informationen, deren Urheber bekannt sind, nicht glaubwürdiger sein. Nicht einmal ein Viertel (23 Prozent) derer, die Blogs kennen und nutzen, halten die Netzkolumnen für glaubwürdig.

Blogs sind in Deutschland allerdings kein Massenphänomen. Nur jeder fünfte Befragte liest zumindest gelegentlich ein Blog, jeder zehnte führt selbst eines. Andere sogenannte Web-2.0-Anwendungen erfreuen sich da einer größeren Beliebtheit: Mehr als ein Drittel der Befragten (38 Prozent) nutzen soziale Netzwerke wie Facebook oder Xing. Die Nutzung dieser Angebote hängt jedoch sehr vom Alter ab. Drei Viertel der Nutzer unter 30 Jahren nutzen die Communitys. Bei den Nutzern zwischen 30 bis 49 Jahren ist es weniger als ein Drittel (31 Prozent).

Spaß und Unterhaltung

Das Internet bietet allerdings nicht nur Shopping und Informationen. Fast jeder Zweite (44 Prozent) betrachtet das Netz vor allem als Unterhaltungsmedium - was aber gerade für die Jüngeren kein Widerspruch sein muss: Für 69 Prozent der Befragten unter 30 Jahren bedeutet Internet Spaß und Unterhaltung. So kauft etwa fast jeder Zweite (40 Prozent) der Unter-30-Jährigen Musik online, jeder Dritte spielt im Web. Gleichzeitig nutzt praktisch jeder aus dieser Altersgruppe (90 Prozent) das Netz als Informationsquelle.

Gesurft und gemailt wird eher zu Hause als im Büro. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) nutzt E-Mail und Internet auch beruflich, fast alle hingegen (90 Prozent) aus privaten Gründen. Während bei der privaten Nutzung der Bildungshintergrund kaum eine Rolle spielt, hängt die berufliche Nutzung stark davon ab: 30 Prozent der Nutzer mit einem Hauptschulabschluss nutzen das Internet bei der Arbeit. Bei den Nutzern mit Abitur oder Hochschulabschluss ist der Anteil doppelt so hoch. Für Aus- und Weiterbildung spielt das Internet nur eine untergeordnete Rolle: 17 Prozent der Befragten nutzen das Web dazu. Auch von denen, die in einer Ausbildung stecken, nutzen nur die Hälfte das Web zur Aus- und Weiterbildung.

Für die Studie befragte PwC 1.006 repräsentativ ausgewählte Menschen ab 16 Jahren.  (wp)


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Links zum Artikel:
PricewaterhouseCoopers (PwC): http://www.pwc.de/portal/pub

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