Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0902/65392.html    Veröffentlicht: 26.02.2009 12:14    Kurz-URL: https://glm.io/65392

Test: Sonys schlichter E-Book-Reader PRS-505 (Update)

Sony bringt ein veraltetes Gerät auf den deutschen Markt

Sonys E-Book-Reader PRS-505 ist das erste massentaugliche Lesegerät für elektronische Bücher. Mit ihm und der entsprechenden Infrastruktur von Thalia soll auch in Deutschland das Zeitalter des elektronischen Buchs beginnen. Doch Sonys Gerät ist noch nicht der perfekte Buchersatz.

PRS-505
PRS-505
Sind sie ein vorübergehender Hype, die Bücher der Zukunft, oder gar, wie der Branchenverband befürchtet, eine Bedrohung für den Buchhandel? E-Book-Reader sorgen seit einiger Zeit für Debatten. Während in den USA und Japan schon Geräte wie Amazons Kindle erhältlich sind, kommt in Deutschland das erste massentaugliche Gerät Anfang März 2009 auf den Markt. Golem.de hat den Sony-E-Book-Reader PRS-505/SC vorab getestet.

Der erste Eindruck

Das digitale Buch hat etwa Gewicht und Größe eines dünnen Taschenbuchs: Es ist knapp 18 cm hoch, etwa 12 cm breit und nicht einmal 1 cm dick und dürfte damit in vielen Jackentaschen Platz finden. Auch vom Gewicht her kann es sich mit dem Vorbild aus Papier messen: Das Gerät wiegt 260 Gramm. Dazu kommen noch einmal 80 Gramm für den ledernen Schutzumschlag. Ein klarer Vorteil, wenn der Nutzer eine Neuerscheinung lesen möchte: Sie gibt es meist nur als gebundenes Buch, das schnell 1 Kilo auf die Waage bringt.

Sony PRS-505
Sony PRS-505
Das Gehäuse des PRS-505/SC besteht aus mattem Aluminium und macht einen stabilen Eindruck. Das Design ist einfach: Den größten Teil des Geräts nimmt der Bildschirm ein. Er misst 6 Zoll in der Diagonale und kann selbst in der kleinsten Schriftgröße und im Hochformat nur einen Teil einer gedruckten Taschenbuchseite anzeigen.

Die wichtigsten Bedienelemente sind Tasten zum Umblättern. Diese gibt es gleich zwei Mal - am rechten Rand je eine Taste zum Vor-und Zurückblättern und eine runde Wipptaste links unter dem Bildschirm. Das ist praktisch, weil der Nutzer das Buch mit der rechten ebenso wie mit der linken Hand halten und umblättern kann. Außerdem sitzt rechts unter dem Display noch ein 4-Wege-Steuerkreis mit einem Knopf in der Mitte, der unkompliziert zu bedienen ist.

Lesen

PRS-505
PRS-505
Mit wenigen Klicks lässt sich aus dem Menü ein Buch wählen und aufrufen. Für diejenigen, die bunte Bildschirme gewohnt sind, ist das Display auf den ersten Blick unattraktiv: Der Text erscheint schwarz auf hellgrauem Untergrund und bietet ein ähnliches Leseerlebnis wie ein Buch aus Papier - sofern dieses keine bunten Abbildungen enthält. Der Kontrast ist bei näherem und auch längerem Hinsehen sehr gut. Und dank E-Ink-Technik ist der Text sowohl in direkter Draufsicht als auch aus schrägen Blickwinkeln bei Tageslicht oder normaler Zimmerbeleuchtung klar lesbar.

Das gilt auch für die unterschiedlichsten Lichtverhältnisse. Selbst bei strahlendem Sonnenschein spiegelt das matte Display kaum - das Gerät ist also für die Lektüre im Park oder im Freibad geeignet. Das ist auch bei künstlichen Lichtquellen wie Leselampen oder Neonlicht so. Lediglich kleinere Lichtquellen können auf dem matten Display Irritationen hervorrufen. Bei schummriger Beleuchtung oder im Dunkeln lässt sich der Reader nicht benutzen, da sein Bildschirm - anders als der eines Notebooks - keine Hintergrundbeleuchtung hat.

PRS-505
PRS-505
Lesen lässt sich mit dem E-Book-Reader also unter fast allen Bedingungen, unter denen sich auch gedruckte Bücher entziffern lassen. Im hellen Tageslicht schlägt er damit die meisten elektronischen Geräte wie Laptops oder Mobiltelefone, die ebenfalls zum Lesen benutzt werden können. Für die Lektüre im Dunkeln wäre allerdings eine hinzuschaltbare Beleuchtung wünschenswert. Sie ist, zumindest in den USA, als Zubehör erhältlich.

Tasten zum Umblättern
Tasten zum Umblättern
Elektronische Bücher - mehr als 100 kann der Reader davon ohne Speichererweiterung fassen - werden so angezeigt, dass sie gedruckten Exemplaren ähneln. Also inklusive Titelblatt, Leerseiten und bibliografischen Angaben. Das Umblättern dauert mit etwa 2 Sekunden recht lange. Die E-Ink-Technik selbst braucht etwa 1,5 Sekunden, um das Display zu aktualisieren, den Rest der Zeit braucht der Reader, um die neue Seite zu laden. Bewegte Bilder kann der Sony Reader anders als etwa der in Deutschland entwickelte txtr reader, der ebenfalls einen E-Ink-Bildschirm hat, nicht abspielen.

Das Springen zu einer bestimmten Seite kann durchaus länger dauern. Beim Blättern überlagern sich die Texte beider Seiten für einen Augenblick. Doch was auf den ersten Blick störend wirkt, vermittelt beim Lesen längerer Texte und damit bei häufigem Umblättern ein Gefühl, das dem Blättern von Papierseiten gleicht: Das Auge kann für einen Augenblick ausruhen, bevor es auf die Fortsetzung des Textes wieder fokussiert. So lassen sich Bücher auch über Stunden hinweg ohne Anstrengung lesen. In sehr seltenen Fällen bleibt ein leichter Schatten der vorherigen Seite zurück, der aber beim Lesen nicht stört.

Keine Textmarkierungen

PRS-505
PRS-505
Wichtige Seiten eines Buches lassen sich zum Wiederfinden mit einem elektronischen Eselsohr versehen, die dann auf einer Übersichtsseite aufgelistet werden. Das so gesetzte Lesezeichen verweist aber nur auf eine bestimmte Seite. Einzelne Textstellen lassen sich, anders in einem Buch aus Papier oder bei einigen Konkurrenten, nicht markieren oder unterstreichen.

Was aber vor allem fehlt, ist eine Suchfunktion. Wie ein Papierbuch lässt sich das elektronische Buch nicht nach einzelnen Wörtern, bestimmten Ausdrücken oder einem konkreten Zitat durchsuchen. Ein klarer Malus für Nutzer, die viel mit Texten arbeiten. Bei der Lektüre von E-Books auf dem Computer und auch beim Konkurrenten von Amazon ist das selbstverständlich. Dem E-Book-Reader fehlt die notwendige Rechenleistung und eine Tastatur. Hier hat Sony eine Chance vergeben.

Besser sehen

Der Schriftgrad lässt sich an unterschiedliche Sehfähigkeiten durch dreifachen Zoom anpassen - klein, mittel und groß. Bei der kleinen Schrift passen mehrere Absätze auf eine Displayseite. Beim größten Schriftgrad hingegen muss sehr oft geblättert werden. Wem das nicht ausreicht, der kann in den Querbildmodus wechseln, in dem in der größten Zoomstufe ein noch größeres Schriftbild zur Verfügung steht. Störend für den Lesefluss ist hier jedoch, dass die unterste Zeile der Seite zur Hälfte abgeschnitten und dann auf der neuen Seite noch einmal angezeigt wird.

PRS-505
PRS-505
Das Blättern ist im Querformat ebenso unproblematisch wie im Hochformat. Die zehn Direkttasten neben dem Display sind in dieser Haltung jedoch nicht so gut nutzbar. Sie dienen dazu, auf eine bestimmte Seite im Buch zu springen, und um im Menü einzelne Punkte aufzurufen. Im Hochformat sind die Tasten direkt neben dem entsprechenden Menüpunkt. Wird das Buch gedreht, befinden sich die Tasten am unteren Rand des Displays und stehen nicht mehr neben den Menüpunkten.

Die meisten Nutzer werden im Querbildmodus wohl auf das Steuerkreuz zurückgreifen, was länger dauert als die Navigation mit den Tasten. Das Menü lässt sich übrigens nur über die Tasten bedienen, einen Touchscreen hat das Display nicht.

Inhalte für den E-Book-Reader

Der E-Book-Reader stellt digitale Bücher und Texte in den Formaten ePub, BBeB-Format, PDF, TXT oder RTF dar. Möchte der Nutzer geschützte Bücher lesen, muss er auch das Programm Adobe Digital Editions auf dem Rechner installieren, um den E-Book-Reader für die Nutzung zu autorisieren. Während unseres Tests waren solche Bücher jedoch in Deutschland noch nicht erhältlich.

Sonys E-Book-Verwalter
Sonys E-Book-Verwalter
Um die digitalen Bücher auf das Gerät zu laden, wird der Reader über das mitgelieferte USB-Kabel mit dem Computer verbunden. Mit Hilfe des beigelegten Programms E-Book-Library kann der Nutzer dann die Inhalte auf den Reader transferieren. Außerdem kann er damit Word-Dokumente in ein für Reader lesbares Format konvertieren. Allerdings läuft das Programm nur unter Windows. Wer ein anderes Betriebssystem nutzt oder wem die wie ein Dateimanager anmutende Software nicht gefällt, findet in Calibre eine gute Alternative. Vorteil dieses Programms ist, dass es Inhalte von vielen Nachrichtenwebseiten lädt und in ein für den Reader lesbares Format konvertiert.

Allerdings ist es gar nicht nötig, eine Software zu installieren: Wird der E-Book-Reader mit dem Computer verbunden, wird er als Massenspeicher erkannt. Dies gilt auch für eingesteckte Speicherkarten - der Reader hat je einen Slot für Memory Sticks und SD(HC)-Karten. Inhalte können dann einfach per Drag and Drop auf das Gerät verschoben werden.

PRS-505
PRS-505
Wie groß das Angebot an digitalen Büchern zum deutschen Start am 11. März 2009 ist, steht noch nicht fest. Sony und die Buchhandelskette Thalia sprechen von "einigen tausend Titeln" - vor allem Belletristik und Sachbücher. Thalia und der Buchgroßhändler Libri wollen den PRS 505/SC in Deutschland vertreiben.

Beim Kauf des immerhin 299 Euro teuren Readers sind nur elf Texte vorinstalliert - zwei ganze Romane und weitere Leseproben. Neuerwerbungen werden also schnell nötig. Die Preise für die E-Books werden laut Thalia durchschnittlich 20 Prozent unter denen der Printausgabe liegen. Wer ein bisschen im Internet sucht, findet vor allem im englischsprachigen Raum eine große Auswahl von alten, aber dafür kostenlosen Büchern, die nicht mehr urheberrechtlich geschützt sind. Zu erwähnen wäre hier das Projekt Gutenberg. Die Texte müssen jedoch erst konvertiert werden, wenn dem Nutzer das reine Textformat nicht gefällt. Die entsprechende deutschsprachige Community muss sich mit dem Aufkommen der E-Book-Reader noch bilden.

Musik und Bilder

PRS-505
PRS-505
Wer unterwegs genug vom Lesen von Büchern hat, kann den E-Book-Reader auch für andere Anwendungen nutzen. So spielt das Gerät mehrere Audioformate (im MP3- oder AAC-Format) ab - auch während des Lesens eines Buches. Die Steuerung ist halbwegs komfortabel. Unpraktisch ist jedoch, dass keine der vielen Tasten direkt für die Musiksteuerung da ist. Der Nutzer muss sich deshalb, wenn er etwa ein Lied überspringen will, durch das ganze Menü klicken. Die Lautstärke lässt sich einfach mit einer Wippe unten am Gerät regeln.

Einen Lautsprecher hat der PRS-505/SC nicht, Musik hören lässt sich also nur über Kopfhörer. Hier sollte der Nutzer darauf achten, dass Musikwiedergabe stoppt, wenn er den Kopfhörer abnimmt. Sonst bemerkt er unter Umständen nicht, dass diese Funktion den Akku stark beansprucht.

PRS-505
PRS-505
Der Sony Reader kann auch Bilder darstellen. Ein Vergnügen ist das jedoch nur bedingt: Abgesehen davon, dass das Display nur acht Graustufen darstellen kann, ist die Bildbetrachtung wegen der geringen Rechenleistung vor allem ein Geduldsspiel. Zeigt das Gerät eine Voransicht noch recht schnell an, heißt es spätestens bei der Gesamtansicht warten - je größer das Bild ist, desto länger.

Einige Bilder zeigte unser Testgerät gar nicht an. Hier spielte offenbar das Speichermedium eine Rolle: Von einer langsamen SD-Karte ließ sich ein 20-Megapixel-Bild nicht öffnen. Von einem schnelleren Memory Stick klappte das. Bilder mit 6 Megapixeln funktionierten auf beiden Medien, aber bereits hier war die Geschwindigkeit kaum akzeptabel. Bilder mit mehr als 10 Megapixeln sollte man lieber auf einem anderen Gerät anschauen.

PRS-505
PRS-505
Alles in allem ist das Anschauen von Bildern und Hören von Musik höchstens im Ausnahmefall zu gebrauchen. Zudem hatte das Gerät Schwierigkeiten, gut gefüllte Speichererweiterungen überhaupt zu lesen. Am ehesten funktionierte das im Test mit kaum gefüllten Speicherkarten.

Schwierigkeiten mit der Darstellung hat der Reader auch mit komplexen PDF-Dateien, wie beispielsweise Netzplänen von Verkehrsgesellschaften oder Landkarten. Sie zeigt er unter Umständen nicht an. Immerhin stürzt er nicht ab, so dass es reicht, diese Datei zu schließen. Wie bei Bildern gilt auch für PDF-Dokumente, dass sie möglichst einfach sein sollten.

Energie für den Reader

PRS-505
PRS-505
Wird das Gerät nur zum Lesen genutzt, verbraucht es sehr wenig Energie. Da das E-Ink-Display keine Hintergrundbeleuchtung hat, nimmt es Leistung nur beim Umblättern auf, nicht bei der Anzeige einer Seite. Eine Akkuladung reiche für bis zu 7.000 Seitenwechsel, verspricht Sony. Das sollte für die Lektüre von zehn bis 15 Büchern reichen. Deutlich stärker belasten die Zusatzfunktionen wie das Musikhören. Da zudem die Anzeige für die Akkukapazität recht ungenau ist, kann der Nutzer hier auch Überraschungen erleben. Beim Lesen stört das wegen des geringen Verbrauchs nicht.

Ist der Akku leer, gibt es zwei Möglichkeiten, ihn aufzuladen. Die eine ist, ihn mit dem beiliegenden USB-Kabel an den Computer anzuschließen, was rund 4 Stunden dauert. Nur etwa halb so lange dauert es laut Sony mit einem Netzteil, das allerdings extra gekauft werden muss.

Den Austausch des Akkus hat Sony nicht vorgesehen. Sollte der Akku dennoch den Geist aufgeben, ist es aber möglich, einen Ersatzakku von einem anderen Hersteller zu kaufen und selbst einzubauen. Das ist allerdings nur für geschickte Bastler zu empfehlen, da der E-Book-Reader fast vollständig auseinandergenommen werden muss.

Fazit

PRS-505 mit Zubehör
PRS-505 mit Zubehör
Lesen lässt sich mit dem Sony Reader PRS-505/SC komfortabel und ausdauernd. Er ist schick, leicht transportabel und ermöglicht die Lektüre von viel Lesestoff unter unterschiedlichen Bedingungen. Doch viel mehr kann der Sony Reader nicht. Ein großer Nachteil ist, dass sich Textstellen nicht markieren und gezielt suchen lassen. So ist der E-Book-Reader eher als Ergänzung zu herkömmlichen Büchern zu sehen. Die Bilder- und Musikfunktion des Readers hätte sich Sony sparen können.

Besonders ärgerlich ist, dass die vermeintliche Neuheit von Sony in Wahrheit ein altes Gerät ist: Das Modell PRS-505/SC ist in den USA seit 2007 auf dem Markt. Dort gibt es mit dem PRS-700BC D sogar schon einen Nachfolger, der über einen Touchscreen und eine eingebaute Beleuchtung verfügt.

Sony selbst sieht den PRS-700BC D (399 US-Dollar) allerdings nicht als Nachfolger, sondern als besser ausgestattete Alternative. Der PRS-505 (299 US-Dollar) sei in den USA schließlich weiter erhältlich, betonte Sony gegenüber Golem.de. Ob und wann der PRS-700 in Europa verkauft wird, konnte Sony Deutschland nicht sagen.

PRS-505
PRS-505
Konkurrent Amazon bietet außerdem in den USA ab 24. Februar 2009 bereits die zweite Version seines E-Book-Readers Kindle an, die voraussichtlich auch in Deutschland auf den Markt kommen wird. Mit dem Kindle 2 lässt sich auch E-Paper lesen. Dank seiner Tastatur können Nutzer nicht nur Texte suchen oder markieren, sondern auch Notizen machen oder unbekannte Wörter nachschlagen.

Diese Konkurrenzprodukte können heute schon sehr viel mehr als der Sony PRS-505/SC. Angesichts dessen ist er einfach zu teuer. Vielleicht aber wird er eines Tages, wenn E-Book-Reader vor Funktionen überquellen, ein Gerät für Puristen. Ähnlich wie heute Handys, mit denen es sich nur telefonieren und simsen lässt. Ein schlichter E-Book-Reader aus einer Zeit, als es noch neu und aufregend war, Bücher elektronisch zu lesen. [von Meike Dülffer und Andreas Sebayang]

Nachtrag vom 27.02.2009, 13:25 Uhr:
Ergänzt um ein Statement von Sony Deutschland zum PRS-700 im Fazit.  (as)


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