Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0902/65172.html    Veröffentlicht: 10.02.2009 14:59    Kurz-URL: https://glm.io/65172

Intel kündigt Westmere-CPUs an: 2010 sechs Kerne für PCs (U)

Erste 32-Nanometer-Prozessoren Ende 2009

Im Rahmen einer kurzfristig angesetzten Presseveranstaltung hat Intel seine Roadmap für die ersten 32-Nanometer-Prozessoren detailliert erläutert. Ende 2009 sollen die Nehalem-Ableger für den Massenmarkt verkauft werden, 2010 stehen dann sechs Kerne an.

Der Westmere-Decoder
Der Westmere-Decoder
Das in der Prozessorbranche übliche Codenamen-Roulette ist inzwischen offenbar auch für Intel etwas unübersichtlich geworden. Folglich legte der Chiphersteller für die Familie "Westmere", die alle 32-Nanometer-CPUs umfasst, auch den nebenstehend abgebildeten "Decoder Ring" vor. Ähnlich wie bei einem US-Spielzeug lassen sich damit die Codenamen der Prozessoren für Server, Desktops und Notebooks entschlüsseln.

Die Tick-Tock-Roadmap
Die Tick-Tock-Roadmap
Die Westmere-Familie basiert auf der Nehalem-Architektur mit erstmals bei Intel in die CPU integriertem Speichercontroller. In Intels Tick-Tock-Philosphie stellt Westmere mit dem Wechsel auf 32 Nanometer ein "Tick" dar, das letzte "Tock" mit einer neuen Architektur war Nehalem, der in 45 Nanometern gebaut wird. Nehalems sind aber bisher nur als teure Prozessoren der Serie Core i7 zu haben, Mitte 2009 soll die neue Technik auch in Mainstream-PCs Einzug halten.

Die neuen Desktop-CPUs
Die neuen Desktop-CPUs
In früheren Roadmaps waren dafür zwei Prozessoren namens Havendale (zwei Kerne) und Lynnfield (vier Kerne) vorgesehen. Havendale ist nun aber von der Roadmap gestrichen, er sollte noch in 45 Nanometern Strukturbreite gebaut werden. Ihn ersetzt der 32-Nanometer-Prozessor Clarkdale. An diese CPU wird auf demselben Package ein Grafikkern angeflanscht, der aber noch in 45 Nanometern Strukturbreite hergestellt wird. Was dieser Baustein beherrscht - HD-Decoding gilt als sicher -, hat Intel aber noch nicht verraten.

CPU und Grafik in einem Package
CPU und Grafik in einem Package
Für Notebooks gibt es ebenfalls einen Dual-Core mit integrierter Grafik (Arrandale) sowie einen Quad-Core (Clarksfield), der aber auf externe Grafiklösungen per Chipsatz oder diskreter GPU angewiesen ist. Diese beiden Prozessoren sind Teil der nächsten Centrino-Plattform Calpella. Sie soll aber, ebenso wie die Desktop-Westmeres, erst im vierten Quartal 2009 erscheinen.

Desktop-PCs 2010 mit sechs Kernen
Desktop-PCs 2010 mit sechs Kernen
Damit bleibt das aktuelle Centrino-2-Paket mit Penryn-Prozessoren (Core-Architektur) für den Großteil des Jahres 2009 Intels Notebookplattform. Das gilt auch für die Penryn-Kerne, die als Core 2 Duo oder Core 2 Quad für Desktops verkauft werden. Einzig die Core-i7-Plattform, für die bald schnellere Prozessoren wie der vermutete Core i7 975 mit 3,33 GHz erscheinen sollen, markieren als Nehalem-Vertreter das High-End.

Ein Grund für die Verschiebung der Westmere-Prozessoren um rund ein halbes Jahr dürfte die anhaltend schwache Nachfrage nach teuren Hochleistungs-PCs sein. Intel verkauft 2009 folglich lieber die etablierten Penryn-Prozessoren, deren Ausbeute in den 45-Nanometer-Fabriken inzwischen recht hoch sein dürfte.

Bei den Serverprozessoren der Serie Xeon besteht ebenfalls kaum Handlungsbedarf, obwohl AMD hier mit dem bereits länger lieferbaren Opteron mit Shanghai-Kern wieder kräftig Konkurrenz macht. Wie auf dem Desktop ist AMD mit dem Phenom II zwar auch wieder gut aufgestellt, kann dem Core i7 aber nicht ganz das Wasser reichen. Bei den Servern ist das mit den Nehalem-Xeons ins 45 Nanometern ebenso.

Westmere-Xeons kommen später
Westmere-Xeons kommen später
Daher soll erst Ende 2009 der "Nehalem-EX" erscheinen. Diese CPU mit acht Kernen auf einem Die hatte Intel bereits auf der ISSCC 2009 vorgestellt. Die Lynnfield-Prozessoren für den Desktop werden Mitte 2009 mit der neuen Plattform "Foxhollow" für Xeon-Systeme umgebaut. Noch deutlicher wird die gestraffte Roadmap mit einem Xeon für Server mit nur einem Sockel: Hier ist 2010 der Clarkdale vorgesehen, eben jener neu angekündigte Desktopprozessor.

Erst Mitte 2010 will Intel die Xeons dann auf 32-Nanometer-Fertigung umstellen, zuerst werden die Nehalem-Xeons (EP) abgelöst, Ende 2010 soll dann der Nachfolger des Achtzylinders Nehalem-EX erscheinen.

Ebenfalls erst zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt im Jahr 2010 will Intel die Zahl der Kerne in Desktop-PCs mit einem Sockel wieder einmal erhöhen - diesmal wird aber nicht gleich der Einsatz verdoppelt. Der 32-Nanometer-Prozessor Gulftown besteht aus sechs Kernen, die per HyperThreading zwölf Threads ausführen können. Das mit dem Core i7 wieder eingeführte HyperThreading beherrschen alle Westmere-CPUs. Wer sich bereits einen Core i7 zugelegt hat, wird sich darüber freuen, dass Gulfstream mit dem X58-Chipsatz arbeiten soll. Ob heutige Mainboards aber bereits darauf ausgelegt sind, ist noch nicht abzusehen.

Nur noch ein Baustein als Chipsatz
Nur noch ein Baustein als Chipsatz
Neben den Prozessoren hat Intel nun auch bestätigt, dass zumindest ein Teil der Chipsätze der Serie 5 (als Nachfolger der 4er-Serie) nur aus einem Baustein bestehen wird. Beim Clarkdale mit integrierter Grafik reicht neben der CPU ein Chip, der I/O und auch den Displaycontroller zur Verfügung stellt. Der FSB ist damit endgültig ein Auslaufmodell.

Neue Befehle für AES
Neue Befehle für AES
Wie bei jedem Die-Shrink üblich hat Intel auch einige neue Funktionen in die Architektur eingebaut. Sie fallen jedoch weit weniger spektakulär aus als beim Wechsel von den Conroe- zu den Penryn-Kernen der Core-Architektur. Lediglich sieben neue Befehle gibt es, die vor allem für AES-Verschlüsselung dienen. Intel sieht hier beispielsweise die Verschlüsselung von Festplatten über die CPU als Einsatzmöglichkeit. Das beherrschen zwar bisher auch schon Festplatten mit "Full Disc Encryption" (FDE), sie sind aber deutlich teurer als Laufwerke ohne diese Funktion.

Nachtrag vom 10. Februar 2009, um 20:00 Uhr:
Wie Intel-Vize Stephen Smith im Rahmen einer Telefonkonferenz klar stellte, will Intel für die hier genannten Westmere-Prozessoren die Serienfertigung im Laufe des vierten Quartals 2009 aufnehmen. Wann die Produkte dann auf den Markt kommen, steht aber laut Smith noch nicht fest. Das, so Intels Direktor der "Digital Enterprise Group", müsse man unter anderem mit den PC-Herstellern abstimmen.  (nie)


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