Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0901/64951.html    Veröffentlicht: 30.01.2009 12:09    Kurz-URL: https://glm.io/64951

Gears of War & Co: DRM-Systeme sorgen erneut für Ärger

Technische Probleme sind weiter akut

Die Kundschaft mag Systeme zum digitalen Rechtemanagement nicht. Unternehmen der Spielebranche setzen trotzdem verstärkt auf Onlineaktivierungen - und blamieren sich derzeit mit technischen Problem, etwa bei Gears of War und Fallout 3.

Gears of War (PC)
Gears of War (PC)
"You cannot run the game with modified executable code. Please reinstall the game." Statt Action bekamen viele Spieler diese Fehlermeldung zu sehen, als sie am 29. Januar 2009 ihre PC-Version von Gears of War spielen wollten. Soweit bislang festzustellen ist, ist der Grund für den Programmstreik ein digitales Zertifikat, das nur bis zum 28. Januar 2009 galt. Ein Community-Manager von Epic Games: "Wir sind von dem Problem informiert worden und arbeiten mit Microsoft an einer Lösung". Im offiziellen US-Spieleforum fügte er hinzu: "Ja, das war für uns auch eine Überraschung."

Solche Pannen sorgen dafür, dass Systeme zum digitalen Rechtemanagement von Spielen bei den Käufern so unbeliebt sind wie Festplattenfehler oder defekte Grafikkartentreiber. Da können Hersteller wie Electronic Arts nach dem Debakel mit dem Spore-Kopierschutz noch so sehr um Vertrauen werben - wenn die Firmen ihren DRM-Schutz technisch nicht im Griff haben, dürfte die Akzeptanz beim Endkunden nicht steigen.

Für Ärger aufgrund von Problemen grundsätzlicher Art sorgt derzeit Microsofts Games for Windows Live mit der Erweiterung Operation Anchorage, die seit dem 27. Januar 2009 für die Xbox-360- und PC-Versionen von Fallout 3 erhältlich ist. So können selbst Besitzer der - in Deutschland aufgrund des europäischen Binnenmarktes legal erhältlichen - englischen Version des Spiels das Add-on hierzulande ausschließlich in der deutschen Sprachversion spielen.

Das bedeutet unter anderem, dass ein amerikanischer Student, der auf Besuch in Deutschland ist, keine Möglichkeit hat, an die Erweiterung in seiner Muttersprache zu gelangen. Microsoft überprüft mindestens die IP-Adresse - Foren im Internet spekulieren sogar, dass Einstellungen im Betriebssystem ebenfalls zur Lokalisierung des Nutzers verwendet werden.

Boris Schneider-Johne, deutscher Product Manager der Xbox 360, äußert sich in seinem Blog zu dem Thema: "Wer sich einen Import besorgt, muss damit rechnen, dass in Deutschland angebotene Downloads nicht funktionieren oder die falsche Sprache haben. Die Hersteller bieten in jedem Land ein ineinandergreifendes Paket aus Spiel und Downloads an." Allerdings ein Paket, das viele Spieler so gar nicht wollen. In Computerspieleforen ist die Empörung über die Geschäftspolitik von Microsoft jedenfalls groß.

Ärger entzündet sich auch an einer weitergehenden Frage: Was passiert, wenn ein EU-Bürger sein Recht auf freie Wahl des Wohnorts innerhalb der europäischen Grenzen wahrnimmt - und dort seine bezahlten Xbox-Live- oder Games-for-Windows-Spiele verwenden möchte? Dann wird es kompliziert, denn um etwa einen Gold-Account zu verwenden und Spiele auf dem virtuellen Marketplace zu kaufen, müssen Profil und etwa die Kreditkarte aus dem gleichen Land stammen. Ausgerechnet die Ländereinstellung lässt sich allerdings, etwa nach einem Umzug, nicht verändern.

Derzeit gibt es für solche Probleme keine sinnvollen, kundenfreundlichen Lösungen. Für die Sache mit Gears of War hingegen haben findige Spieler rasch Abhilfe gefunden: Wer seine Systemuhr ein paar Tage zurückstellt, trickst das DRM-System auf einfache Art aus und kann spielen.  (ps)


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Links zum Artikel:
Dreisechzig - Über Importe (.net): http://www.dreisechzig.net/wp/archives/1572
Epic Games Forum - You cannot run the game (.com): http://forums.epicgames.com/showthread.php?t=656177&page=3

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