Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0901/64817.html    Veröffentlicht: 26.01.2009 12:15    Kurz-URL: https://glm.io/64817

US-Blogger lästern über Songsmith

Microsofts Musiksoftware Songsmith stößt bei US-Bloggern auf taube Ohren

Microsofts Songsmith ist eine Musiksoftware, die Gesang mit Instrumentalbegleitung unterlegt. In der Netzgemeinde kam sie nicht gut an. Ein merkwürdiger Werbespot und die Kompositionen der Musiksoftware sorgen für Spott.

Microsofts Software Songsmith soll ein leicht zu nutzendes Werkzeug für ambitionierte musikalische Laien sein. Das Konzept ist denkbar einfach: Der Nutzer singt in ein Mikrofon, die Software generiert dazu die Musik.

Doch vor den Augen - oder den Ohren - der Webgemeinde findet das Produkt wenig Gnade. Schon der Werbespot, mit dem Microsoft für ein Produkt wirbt, wurde mit beißendem Spott kommentiert. Er erzählt die Geschichte eines Werbefachmannes, der dringend eine zündende Idee für eine Kampagne braucht. Seine Tochter zeigt ihm das Programm Songsmith, das auf ihrem Laptop läuft - kleiner Fehler am Rande: Es handelt sich um ein Apple-Notebook, dessen Apfellogo eher schlecht als recht von Aufklebern verdeckt wird. Der Vater installiert das Programm flugs auf seinem eigenen Rechner und singt sich im entscheidenden Meeting in die Herzen der Kollegen. In der Mittagspause hat er noch eben einen Kollegen von der Software begeistert. Laut New York Times handelt es sich bei den Darstellern um Dan Morris und Sumit Basu, die Entwickler von Songsmith.

Der Spot sei als "Spaßvideo" gedacht gewesen, sagte Morris der Zeitung. Die Blogosphäre fand ihn hingegen komplett spaßfrei: Nichts könne den Zuschauer auf dieses Video vorbereiten, kommentierte das Blog Videogum. Es müsse aus einem bizarren Paralleluniversum stammen, in dem Ironie nicht existiere. Das Blog Techcrunch hielt es schlicht für das "schlechteste Promo-Video", das Microsoft je gemacht habe - schlimmer noch als das Promo-Video mit dem Bruce-Springsteen-Verschnitt, mit dem das Softwareunternehmen im Frühjahr 2008 die Veröffentlichung des Service-Pack 1 für sein Betriebssystem Vista angepriesen habe, ergänzte Crunchgear.

Doch es blieb nicht beim Spott für die Werbung. Auch über das Produkt selbst macht sich die Netzgemeinde her: Einige Nutzer unterlegten die Gesangsspuren bekannter Songs mit der von Songsmith generierten Musikbegleitung. So wird etwa aus Van Halens Abgehnummer "Running With The Devil" ein amorpher Mid-Tempo-Popsong mit Hammondorgel- und Tamburinbegleitung, zu dem David Lee Roths gequälter Gesang überhaupt nicht passt. Es sei der "reine Horror", befand das Blog Gizmodo.

Weniger falsch lag die Software bei Polices "Roxanne": Aus dem schmachtend-traurigen Liebeslied an eine Prostituierte machte Songsmith eine fröhliche Karibiknummer - und traf damit fast die Absicht von Komponist Sting, der das Stück ursprünglich als Bossa-Nova anlegen wollte. Komplett daneben war indes die Bearbeitung von "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band". Aus dem schrill-psychedelischen Beatles-Song machte Songsmith eine harmlose Popjazznummer.

Das sei alles "Teil von Bill Gates' Plan, alle coolen Sache - in diesem Fall Musik - mit Computern kaputtzumachen", resümierte das US-Blog Valleywag. Das Resultat werde am Ende "die Weltherrschaft der Nerds" sein.  (wp)


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Links zum Artikel:
Microsoft (.com): http://www.microsoft.com
Microsoft Research - Songsmith (.com): http://research.microsoft.com/songsmith

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