Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0901/64735.html    Veröffentlicht: 21.01.2009 12:12    Kurz-URL: https://glm.io/64735

Wissenschaftler entwickeln Antrieb für Mikroroboter

Roboter sollen auf fantastische Reise durch den Blutkreislauf gehen

Wissenschaftler von der Monash Universität in Melbourne haben einen Antrieb für Mikroroboter entwickelt. Die Roboter sollen durch Arterien im menschlichen Körper schwimmen und von dort Bilder nach draußen funken oder medizinische Eingriffe vornehmen.

In dem US-Science-Fiction-Film "Die phantastische Reise" aus dem Jahr 1966 wurde ein U-Boot mitsamt seiner Besatzung geschrumpft und in den Blutkreislauf eines Wissenschaftlers injiziert. Das U-Boot namens Proteus fuhr durch den Körper des Wissenschaftlers in dessen Gehirn, wo die Besatzung ein Blutgerinnsel entfernte.

Da das mit dem Schrumpfen bisher nicht so gut geklappt hat, wollen Wissenschaftler heute unbemannte U-Boote in den menschlichen Körper einbringen. Australische Wissenschaftler von der Monash Universität in Melbourne haben einen Antrieb entwickelt, der solche Mikrobots auf ihrer fantastischen Reise durch den Körper antreiben soll.

Der Antrieb basiert auf dem piezoelektrischen Effekt: Ein piezoelektrisches Material vibriert, wenn elektrische Spannung angelegt wird. Diese Vibration wird in eine Drehbewegung übersetzt, die in den Prototypen eine kleine Metallkugel rotieren lässt. Künftig soll sie durch einen langen Schwanz ersetzt werden, den der Motor mit mehr als 1.000 Umdrehungen pro Minute antreibt - ausreichend, um einen Mikroroboter auch gegen den Blutstrom schwimmen zu lassen.

Teamleiter James Fiend misst der Entwicklung große Bedeutung bei. "In einem Elektronikkatalog finden Sie alle möglichen Sensoren, LEDs, Speicherchips und andere Produkte auf dem letzten Stand der technischen Entwicklung und der Miniaturisierung. Bei den Motoren hingegen hat sich seit den 1950er Jahren wenig getan."

In Anlehnung an den Film aus den 1960er Jahren haben die Wissenschaftler um Fiend ihren Antrieb Proteusmotor genannt. Er hat einen Durchmesser von etwa einem Viertel Millimeter, was klein genug ist, um ihn mit einer Spritze in den Körper zu injizieren. Der Roboter, den er antreibt, kann mit einer Kamera ausgerüstet werden und Bilder von geschädigten Arterien etwa im Gehirn liefern, die mit herkömmlichen Kathetern nicht erreicht werden können.  (wp)


Verwandte Artikel:
Sensor: Mit dem Kopfpflaster Gefühle lesen   
(23.03.2017, https://glm.io/126884 )
Hoffnung für Gelähmte? Kommunikation per Gehirnsignal   
(11.11.2003, https://glm.io/28448 )
Lego Boost im Test: Jede Menge Bastelspaß für eine kleine Zielgruppe   
(26.09.2017, https://glm.io/130136 )
Motorsport: Bernie Ecclestone will die Formel 1 elektrifizieren   
(28.02.2018, https://glm.io/133064 )
Energy Harvesting: Piezogenerator soll Smartphone-Akku laden   
(21.12.2016, https://glm.io/125189 )

Links zum Artikel:
Monash Universität: http://www.monash.edu.au

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/