Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0901/64716.html    Veröffentlicht: 20.01.2009 17:21    Kurz-URL: https://glm.io/64716

Netbooks laufen länger: Atom-Nachfolger Pineview mit Grafik

Neue Netbook-CPU soll bereits im dritten Quartal 2009 kommen

In Asien sind ausführliche technische Daten zur nächsten Version von Intels Atom-Prozessor aufgetaucht. Die bisher unter dem Codenamen "Pineview-M" geführte CPU soll einen integrierten Grafikkern enthalten. Das macht Netbooks zwar nur wenig schneller, aber sparsamer.

Wie bei noch nicht angekündigten Intel-Chips inzwischen schon fast üblich, sind die technischen Daten des Pineview Monate vor der Vorstellung bei HKEPC aufgetaucht. Bereits im September 2008 war durchgesickert, dass Intel mit der neuen Version des Atom-Prozessors wie beim Core i7 den Frontside-Bus (FSB) abschaffen will und die CPU einen integrierten Grafikkern erhalten soll.

Das scheint nun den Bildern von HKEPC zufolge sogar mit einer Integration auf dem Die des Prozessors selbst gelungen zu sein. Die CPU heißt "Pineview-M" und besteht aus dem Atom-Kern, dem Speichercontroller und dem Grafikkern. Statt DDR2-533 wie beim bisherigen 945GSE-Chipsatz kann der Speichercontroller in Pineview auch mit DDR2-667 umgehen.

Vom 945GSE, dessen Grafiklogik bereits Mitte 2005 auf den Markt kam, hat Pineview leider auch den Grafikkern geerbt. Es handelt sich weiterhin um das Design GMA950. Im nächsten Atom soll die Grafik aber statt bisher mit 133 nun mit 200 MHz getaktet sein. Neue Funktionen oder gar vollständige Kompatibilität zu DirectX-9, die der GMA950 bisher nie erreichte, darf man sich wohl nicht erhoffen. Hier hat Nvidia mit seinem Konzept Ion, das mit 9400M-Chipsatz auch DirectX-10 beherrscht, noch eine Chance.

Der Prozessorkern des neuen Atom soll laut HKEPC mit mehr als 1,6 GHz in 45 Nanometern Strukturbreite an den Start gehen und dürfte also schneller werden als der bisher in den meisten Netbooks verbaute Atom N270 mit 1,6 GHz. Intels Hauptbestreben war bei der neuen Plattform, die insgesamt "Pine Trail-M" heißt, aber offenbar, die Leistungsaufnahme zu senken.

Zwar hat auch der bisherige Atom N270 nur eine typische Leistungsaufnahme (TDP) von 2,5 Watt, der 945GSE-Chipsatz mit der Southbridge ICH7 schluckt aber mindestens das Doppelte. Daher gibt Intel für die gesamte Plattform "Diamondville", aus der die meisten bisherigen Netbooks bestehen, auch 8 Watt gesamte Leistungsaufnahme an. Bei Pine Trail-M sollen es trotz höherer Takte nur noch 7 Watt sein.

Neben der CPU mit Grafik besteht Pine Trail-M nur noch aus der Southbridge "Tiger Point-M", die Massenspeicher und Schnittstellen wie USB 2.0 anbindet. Die Zahl dieser Ports ist noch nicht bekannt, bisher haben Netbooks typischerweise drei USB-Ports, auch wenn der ICH7 mehr zulassen würde - eine Sparmaßnahme. Mit dem Pineview-Prozessor ist die neue Southbridge über Intels Direct Media Interface (DMI) verdrahtet.

Sofern Intels Vorschläge bei HKEPC korrekt wiedergegeben sind, empfiehlt der Chiphersteller für die neue Atom-Plattform eine Kühlung ohne Lüfter. Dass das auch schon beim Atom N270 mit 945GSE und ICH7 möglich ist, macht Dell mit seinen Netbooks vor. Ein Design ohne Lüfter dürfte aber das gesamte Gerät nochmals verbilligen, dazu trägt auch bei, dass die Mainboards nur noch aus vier Layern bestehen müssen, statt wie bisher aus sechs Schichten.

Fast gedrittelt hat den unbestätigten Angaben zufolge Intel auch den Platzbedarf für ein Atom-Mainboard. Die beiden Chips von Pine Trail-M sollen samt Infrastruktur nur noch 773 Quadratmillimeter belegen, bei Diamondville sind es 2.174 Quadratmillimeter. Das verspricht deutlich kompaktere Rechner, zumal manche aktuellen Netbooks schon jetzt sehr kompakte Platinendesigns aufweisen. Das Mainboard eines Asus S101 misst beispielsweise weniger als 23 x 9 Zentimeter.

Aus den nun bekanntgewordenen Daten geht noch nicht hervor, ob die bisher nur in wenigen Nettops zu findende Dual-Core-Version des Atom auch fit für Netbooks gemacht werden soll. Fraglich ist ebenso, ob Microsoft seine Bedingungen für die ULCPC-Lizenz (ultra low-cost PC) von Windows XP überarbeitet. Bisher sind hier maximal 1.024 x 768 Pixel Auflösung für das Display, 1 GByte für den Hauptspeicher und 160 GByte für die Festplatte zulässig. Da die Mainboards und Kühlungslösungen mit Pine Trail-M aber deutlich billiger werden können, hätten die Netbook-Hersteller im bisherigen Preisrahmen mehr Spielraum für eine üppigere Hardwareausstattung.  (nie)


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Links zum Artikel:
HKEPC - Atom-Nachfolger Pineview: http://www.hkepc.com/2278
Intel (.com): http://www.intel.com

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