Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0901/64664.html    Veröffentlicht: 16.01.2009 15:45    Kurz-URL: https://glm.io/64664

Seagate verspricht Lösung bei defekten Barracuda 7200.11 (U)

Firmwareupdate ohne Datenverlust der Festplatten

Für ein seit Wochen in Foren diskutiertes Problem mit Seagates Festplattenserie "Barracuda 7200.11" will der Hersteller bald eine Lösung anbieten. Die betroffenen Festplatten sollen ein vom Anwender selbst einspielbares Firmwareupdate erhalten, bei dem die auf dem Laufwerk gespeicherten Daten erhalten bleiben.

Seagate reagiert damit auf ein reichlich merkwürdiges Verhalten, das bei einem Teil der seit Mitte 2007 in verschiedenen Größen verkauften Serie Barracuda 7200.11 auftreten kann. In dieser Modellreihe gibt es inzwischen zahlreiche Laufwerke von 500 GByte bis 1,5 TByte. Dazu zählen auch zwei Terabyte-Platten mit je vier Magnetscheiben (Modell ST31000340AS) oder drei dieser auch "Platters" genannten Bauteile (Modell ST31000333AS). Insgesamt ist die im Handel mit rund 20 Modellen zu findende Serie Barracuda 7200.11 sehr unübersichtlich.

Daher fiel es wohl Seagate bisher auch schwer, ein anfangs im eigenen Supportforum beschriebenes Problem der Serie einzugrenzen: Manche der Festplatten ließen sich im laufenden Betrieb oder nach einem Neustart nicht mehr ansprechen. Am häufigsten wird dabei genannt, dass die Festplatte vom BIOS nicht mehr oder nur mit einer Größe von "0 MByte" erkannt wird. Den Foreneinträgen zufolge gab es bei den meisten dieser Fälle vorher keine Warnzeichen wie ungewöhnliche Geräusche aus dem Laufwerk oder eine wachsende Zahl von Einträgen in den SMART-Tabellen der Geräte. Die verwendeten Festplattencontroller und auch das Betriebssystem spielten dabei keine Rolle.

Ist eine Festplatte von einem solchen Defekt betroffen, hat der Anwender zunächst keinen Zugriff auf seine Daten mehr. Diese können jedoch noch völlig intakt sein, das Laufwerk ist lediglich abgestürzt und kann seine Firmware auch nach Ein- und Ausschalten nicht mehr starten. In der Redaktion von Golem.de wies ein Vorserienmodell eines anderen Herstellers vor kurzem das gleiche Verhalten auf, dieses Laufwerk ließ sich nach dem Einspielen einer anderen Firmware mit einem Entwicklungswerkzeug des Herstellers wiederbeleben.

Den betroffenen Seagate-Kunden bot die Supportabteilung des Unternehmens bisher lediglich einen Austausch der Festplatten auf Garantiebasis an - die eigenen Daten sind dabei aber unwiederbringlich verloren, da die Festplatte an Seagate geschickt werden muss.

Dieses Verhalten des Herstellers brachte die betroffenen Kunden in verständliche Rage. Der erste entsprechende Eintrag im Seagate-Forum stammt vom 27. November 2008, am 2. Januar 2009 wurde der bis dahin 19 Seiten lange Thread von einem Moderator wegen des teils rüden Tons der Diskussion geschlossen.

Seitdem entwickelte die Angelegenheit die durch Foren und Blogs inzwischen übliche Eigendynamik. Teile des Seagate-Threads wurden ab dem 2. Januar 2009 in das "Microsoft Forum Network" (MSFN) kopiert, wo der Thread zurzeit über 600 Einträge umfasst. In der Folge griffen zahlreiche Blogs und Onlinemedien das Thema auf.

Die tatsächliche Zahl der defekten Laufwerke lässt sich durch wechselnde Nicknames in den zahlreichen Foren, die sich mit dem Thema befassen, nur schwer abschätzen. In dem noch immer zugänglichen Thread im Seagate-Forum meldeten sich zumindest den Nicknames nach zu urteilen rund zwei Dutzend Personen zu Wort, die das Problem mit ihren Seagate-Festplatten hatten. Dabei ist nicht auszuschließen, dass die Mehrzahl der betroffenen Kunden sich nicht über Foren zu Wort meldet.

Wie Seagate Deutschland gegenüber Golem.de erklärte, war die Ursache des Problems schwer einzugrenzen, weshalb die Supportmitarbeiter zunächst den standardmäßigen Austausch der Geräte vorschlugen. Auch die in den Foren vermutete Kombination "Made in Thailand" und "Firmware SD15" deutet laut Seagate nicht eindeutig darauf hin, dass ein Laufwerk von dem Fehler betroffen sein kann. Von einem Firmwareupdate nur auf Verdacht rät Seagate ab.

Der Hersteller erklärte weiter, es handle sich um einen Fehler in der Firmware, der nach bisherigem Stand nur bei der Terabyte-Platte mit vier Scheiben (Modell ST31000340AS) auftreten kann. Die Modelle mit 160, 320, 500, 640, 750 GByte und 1,5 TByte seien nicht betroffen. Bei diesem Laufwerk soll sich der Fehler durch ein Firmwareupdate beheben lassen, das der Support von Seagate derzeit nur auf Anfrage zur Verfügung stellt. Es soll demnächst aber auch zum Download auf Seagates Webseiten angeboten werden. Bei diesen Firmwareupdates für Festplatten handelt es sich bei Seagate wie anderen Herstellern in der Regel um ISO-Images für Boot-CDs, in denen sich ein recht komfortables Programm für den Prozess befindet.

Durch die mindestens sechs Wochen, die sich das Problem in der Schwebe befand, wittern inzwischen auch andere Unternehmen ein Geschäft. Das Datenrettungsunternehmen Salvation Data bietet ein kostenpflichtiges Programm zur Rettung von Seagate-Laufwerken an, das auch nichterkannte Geräte wieder zugänglich machen soll. Eine Anwaltskanzlei aus Los Angeles ruft betroffene Kunden auf, sich zu melden. Die Anwälte prüfen, ob eine Sammelklage nach US-Recht (class action lawsuit") möglich ist.

Nachtrag vom 17. Januar 2009, um 16:50 Uhr:
Seagate hat inzwischen Stellung genommen und erklärt, dass fast alle Modelle der Serien Barracuda 7.11, Barracuda ES.2, DiamondMax22 und SV35 von dem Problem betroffen sein können. Wie man die Laufwerke identifiziert und was Seagate als Lösung anbietet, findet sich in einer aktuellen Meldung.  (nie)


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Links zum Artikel:
Seagate: http://www.seagate.de

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