Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0901/64571.html    Veröffentlicht: 13.01.2009 12:04    Kurz-URL: https://glm.io/64571

Obama macht Internetunternehmer zum Chef der Telekomaufsicht

Genachowski war acht Jahre bei Expedia.com

Der designierte US-Präsident Barack Obama hat Julius Genachowski zum Chef der US-Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) berufen. Der 46-Jährige war acht Jahre im Management von Barry Dillers Internetkonzern IAC/InterActiveCorp und ist Wagniskapitalgeber für Internetfirmen.

Julius Genachowski soll die US-Regulierungsbehörde und Telekomaufsicht Federal Communications Commission (FCC) anführen. Das berichtet die Los Angeles Times unter Berufung auf einen Sprecher der Demokraten. Genachowski hat mit Obama Jura an der Harvard University studiert, er ist Gründer und Managing Director des Wagniskapitalgebers Rock Creek Ventures aus Washington, der auf digitale Medien und E-Commerce-Unternehmen spezialisiert ist. Acht Jahre war er im Management der IAC/InterActiveCorp, zu der Firmen wie die Internetsuchmaschine Ask.com, die Reiseplattform Expedia, Hotels.com und Ticketmaster gehören.

Während der Regierungszeit von Bill Clinton, dem 42. Präsidenten der Vereinigten Staaten, war Genachowski Berater für die FCC. In der Obama-Wahlkampagne war er einer der Chefberater für Technologiefragen und trat für Netzneutralität, den Ausbau billiger Breitbandanbindungen in den USA und eine Lockerung in Kopierschutzfragen ein.

Eines der ersten Themen für den neuen FCC-Chef wird Obamas Bitte an den Kongress sein, die Abschaltung des Analogfernsehens in den USA zu verschieben, um Härten für arme Menschen zu vermeiden. Geplant ist der Umstieg zum 17. Februar 2009. Kritiker an Obamas Vorstoß meinen, eine Verschiebung verzögere die technische Entwicklung. Am 20. Januar 2009 wird der neue amerikanische Präsident feierlich in sein Amt eingeführt.

Terrestrische Nutzer brauchen mit der TV-Umstellung eine Konverterbox, die ihnen der Staat mit 40 US-Dollar pro Stück bezuschusst. Doch das Programm von Obamas Amtsvorgänger George W. Bush hat einen schweren Planungsfehler: Die Regierungsgutscheine wurden ungültig, bevor ausreichend Konverter auf den Markt kamen. Außerdem ist es nicht ausreichend durchfinanziert. "Die Regierung verdient 19 Milliarden US-Dollar durch die Versteigerung des analogen TV-Spektrums, und die Leute müssen in die Geschäfte gehen und Geld für eine Konverterbox ausgeben", sagte der Verbraucherschützer Joel Kelsey von der Consumers Union.

In Dezember 2008 hatte Nielsen Media Research vorgerechnet, dass 7,8 Millionen Haushalte am Stichtag von der TV-Versorgung abgeschnitten sein werden. Nach Zahlen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte (Stand 2007) nutzen 64 Prozent der mehr als 110 Millionen Fernsehhaushalte in den USA das Kabel zum Fernsehempfang. Zu 27 Prozent kommen die bunten Bilder per Satellit. Nur 9 Prozent (knapp 10 Millionen Haushalte) setzen auf Terrestrik. Andere Studien gehen von 15 Millionen Haushalten aus. Der einzelne Fernsehzuschauer hat im Schnitt die Wahl zwischen über 100 Kanälen.  (asa)


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Links zum Artikel:
FCC - Federal Communication Commission (.gov): http://www.fcc.gov

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