Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0812/64246.html    Veröffentlicht: 19.12.2008 19:32    Kurz-URL: https://glm.io/64246

Stollenklau führt zu Kreditkartenskandal

Kurierfahrer gestehen tollpatschigen Klau eines Stollens

Der Skandal um Kreditkartendaten der Landesbank Berlin entpuppt sich als Stollenklau. Zwei Kurierfahrer haben gestanden, einen Weihnachtsstollen gestohlen und dessen Adressaufkleber auf die Kreditkartendaten geklebt zu haben.

Zehntausende Kreditkartenabrechnungen sowie zurückgekommene Briefe mit PINs waren Ende letzter Woche der Frankfurter Rundschau zugespielt worden und hatten für Skandalmeldungen gesorgt. Doch der Skandal um gestohlene Daten entpuppte sich als Folge des tollpatschigen Diebstahls eines Stollens.

Eine Stuttgarter Firma schickte per Kurierdienst ein Paket mit einem Stollen auf die Reise zum Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Das Paket landete zunächst in einer Sammelstelle in Mainz. Etwa zur gleichen Zeit beauftragte die Firma Atos Worldline in Frankfurt am Main wie üblich einen Kurierdienst mit der Beförderung von sechs Paketen mit Microfiches, die Kreditkartenabrechnungen enthielten, an die Landesbank Berlin.

Doch die Fahrer, die die Pakete abholten, ließen das Stollenpaket in die eigene Tasche wandern. Um ihre Tat zu vertuschen, lieferten sie fünf Pakete von der Firma Atos, gerichtet an die Landesbank Berlin, in ihrer Sammelstelle ab. Das sechste Paket versahen sie dann mit dem Etikett des Stollenpakets aus Stuttgart an die Frankfurter Rundschau.

So landete das Paket mit 907 Microfiches mit tausenden Kreditkartenabrechnungen, acht PIN-Briefen als Postrückläufer mit unzerstörter Perforation, drei Lieferscheinen und einer Rechnung der Firma Atos Wordline am 11. Dezember 2008 bei der Frankfurter Rundschau und machte als Datenskandal Schlagzeilen.

Die beiden Kurierfahrer sind laut Staatsanwaltschaft geständig. In der offiziellen Mitteilung der Staatsanwaltschaft Frankfurt heißt es abschließend: "Der Fall konnte dank des engagierten und personalintensiven Einsatzes des zuständigen Fachkommissariats schnell geklärt werden, das noch nie mit so großem Personalaufwand den Diebstahl eines Weihnachtsstollens zu ermitteln hatte."

Dennoch lässt der Fall Fragen offen, denn derart kritische Daten sollten nicht auf Microfiches mit einem normalen Kurier versandt werden.  (ji)


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