Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0812/64132.html    Veröffentlicht: 15.12.2008 12:18    Kurz-URL: https://glm.io/64132

Internet 2020: Mehr Spracherkennung, mehr Kontrolle

Dritte Pew-Internet-Studie veröffentlicht

Die Internetnutzung wird im kommenden Jahrzehnt mobiler, Organisationen und Personen werden durchschaubarer und Spracherkennung wird häufiger eingesetzt. Das sagten Internetexperten voraus, die vom Pew-Internet-Projekt befragt wurden.

Eine Internetrevolution ist nicht in Sicht. So lassen sich die Ergebnisse der dritten Expertenbefragung des Pew-Internet-Projekts zur Zukunft des Internets kurz zusammenfassen. Im Rahmen einer Onlinebefragung teilten knapp 600 ausgewählte Internetexperten ihre Erwartungen zur Internetentwicklung bis 2020 mit.

Die Experten sind sich weitgehend darin einig, dass in gut zehn Jahren die meisten Menschen mobil online sein werden. Das Mobiltelefon wird zur "primären Kommunikationsplattform". Zur Steuerung der Geräte werden dabei verstärkt Sprach- und Gestenerkennung eingesetzt. Eine Kehrseite der zunehmenden mobilen Nutzung ist die weitere Verwischung der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Das belastet Individuen und Familien stärker als heute.

Die Internettechnologie wird schrittweise weiterentwickelt werden. Eine technologische Revolution wird es nicht geben, meinen vier von fünf befragten Experten. IPv6 und "das semantische Web" werden ebenso an Bedeutung gewinnen wie "abgeschottete Sonderzonen", die von Regierungen und Organisationen eingerichtet werden. Dabei werden Regierungen und Unternehmen "Sicherheitsängste" der Bürger nutzen, um mehr Kontrolle über Individuen zu gewinnen.

Alles in allem sorgt das Internet im Jahr 2020 für mehr Transparenz. Organisationen werden ebenso wie Individuen durchschaubarer werden. Die Experten sind sich aber uneins darüber, ob diese Entwicklung zu mehr oder weniger Toleranz führen wird. Knapp die Hälfte vertritt jeweils die eine oder andere Auffassung.

Plattenfirmen und Hollywoodstudios versprechen die Experten keine Erlösung von ihrem Piraterietrauma. Diejenigen, die ihre Hoffnungen auf ein neues internationales Abkommen zum geistigen Eigentum wie beispielsweise ACTA setzen, werden enttäuscht werden, meint die Expertenmehrheit. Und auch digitales Rechte-Management (DRM) wird seine Versprechungen in Zukunft wohl nicht einlösen. Drei von fünf Befragten sind der Meinung, dass es Gesetzgebern, Gerichten und Technologieunternehmen bis 2020 nicht gelingen wird, eine "effektive Kontrolle über Inhalte" auszuüben. Das Hase-und-Igel-Rennen zwischen Rechteinhabern und denjenigen, die lieber kostenlos kopieren, wird fortgesetzt. [von Robert A. Gehring]  (md)


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