Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0812/64107.html    Veröffentlicht: 12.12.2008 14:01    Kurz-URL: https://glm.io/64107

Spieletest: Tomb Raider Underworld - Lara taucht ab

Eidos schickt die berühmteste Archäologin der Welt ins große Abenteuer

Mittelmeer, Thailand, Mexiko - Lara Croft kommt bei der Jagd nach alten Artefakten und einem Familiengeheimnis wieder viel in der Welt herum. Und sie legt sich mit Gangstern, Spinnen und einem Riesenkraken an.

Tomb Raider Underworld (Windows-PC, Xbox 360, PS3)
Tomb Raider Underworld (Windows-PC, Xbox 360, PS3)
Eine Luxusjacht auf dem Mittelmeer, blauer Himmel, die Sonne scheint - aber die hübsche junge Frau macht es sich nicht mit ein paar Cocktails bequem und genießt das Leben. Sondern Lara Croft springt in die Tiefe, um in den Ruinen am Meeresgrund ein altes Familiengeheimnis zu lüften. Es geht um die Suche nach ihrer Frau Mama - das neue Tomb Raider Underworld setzt die Handlung des 2006 veröffentlichen Legend fort.

Allerdings stolpert die berühmte Grabräuberin unversehens in die Jagd nach "Mjölnir" - was kein neues Ikea-Regal ist, sondern der sagenumwobene Hammer des Donnergottes Thor. Wer Legend nicht kennt oder sich nur noch vage erinnert, wird auf das Hauptmenü verwiesen: Dort befindet sich ein etwas schnöde versteckter Trailer mit Szenen aus dem Underworld-Vorgänger.

Am Spielprinzip hat sich im Tomb-Raider-Abenteuer fast nichts gegenüber den direkten Vorgängern geändert: Wie gehabt erforscht Fräulein Croft auf der Jagd nach Artefakten und meist auch Bösewichten allerlei Höhlen, Tempel und Ruinen. Wichtigste Neuerung ist ein Mehrzweckhaken an einem reißfesten Kabel. Sobald sie in die Nähe eines Gegenstands kommt, der als Befestigung dienen kann und wo das spielerisch gewünscht ist, schwebt ein kleines blaues "E" auf dem Bildschirm. Per Tastendruck schießt der Haken hervor und Lara kann sich in bester Batman-Manier an Mauern hoch- oder runterlassen. Auch in einige Rätsel ist das Gerät eingebaut - beispielsweise kann Lara damit bestimmte Türen oder brüchige Mauern einreißen.

Eine mysteriöse Figur, die Spieler schon aus 'Legend' kennen
Eine mysteriöse Figur, die Spieler schon aus 'Legend' kennen
Diesmal abenteuert Lara Croft durch acht Kapitel. Unter anderem ist sie in einer düsteren Mittelmeer-Felsgrotte unterwegs, auf einem untergehenden Schiff, in Mexiko sogar stellenweise per Motorrad und schließlich im Nordmeer. Und zwar tatsächlich "im", denn in Underworld ist die Heldin deutlich öfter als in früheren Spielen schwimmend unter Wasser. Atem- und Zeitnot muss sie nicht fürchten, im feuchten Nass trägt Lara automatisch einen Tauchapparat, außerdem stößt sie meist rasch auf versunkene Eingänge zu Tempeln oder Ruinen, die sie dann wiederum zu Fuß erkundet. Zur Orientierung unter Wasser dient ein neues Tiefensonar, das dem Spieler in der Praxis allerdings wenig Übersicht verschafft und nicht verhindert, dass in den Weiten der Meere tatsächlich allzu leicht die Orientierung flöten geht.

In Thailand klettert Lara auf Ruinen und springt durch den Dschungel
In Thailand klettert Lara auf Ruinen und springt durch den Dschungel
Zwischendurch kommt es immer wieder zu Kämpfen, in denen Lara beispielsweise Haie mit der Harpune ausschaltet, an Land fiese kleine Spinnen austritt oder sich Schießereien mit menschlichen Kontrahenten liefert. Die sind nicht besonders schwierig, allerdings hat sich bei der schwachen KI wenig gegenüber den Vorgängern getan - noch immer lieben es Feinde, einfach mal planlos irgendwo hinzurennen oder hinter frisch zersplitterten Kisten in Deckung zu gehen.

Den Riesenkraken besiegt Lara nicht im Kampf, sondern durch Schalterumlege-Puzzles
Den Riesenkraken besiegt Lara nicht im Kampf, sondern durch Schalterumlege-Puzzles
Grafisch würde Tomb Raider Underworld eine richtig gute Figur machen - wenn Lara nicht allzu oft in dunklen Höhlen unterwegs wäre, in denen die Grafikengine kaum die Muskeln spielen lassen kann. Selbst da gibt es zwar einige Texturen-, Glanz- und Taschenlampeneffekte, aber richtig schick geht es vor allem in den sehenswerten Waldumgebungen etwa von Thailand zu. Angeblich hat der Entwickler Crystal Dynamics für die Hauptfigur rund 1.700 Animationen erstellt. Wir haben das nicht nachgezählt, aber tatsächlich klettert, springt und läuft Frau Croft noch glaubwürdiger als zuvor - trotzdem wirkt das alles längst nicht mehr so spektakulär wie noch in den Tomb-Raider-Spielen.

Lara klimmt über eine Ankerkette an Bord eines Schiffes
Lara klimmt über eine Ankerkette an Bord eines Schiffes
Tomb Raider Underworld ist in drei nahezu identischen Versionen für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC erhältlich. Außerdem hat Eidos Fassungen für Playstation 2 und Nintendo Wii im Angebot - diese lagen zum Test allerdings nicht vor. PC-Spieler benötigen einen Rechner mit mindestens einem 3-GHz-Hauptprozessor und 1 GByte RAM unter Windows XP oder 2 GByte RAM unter Vista. Die Grafikkarte muss über 256 MByte Speicher verfügen, auf der Festplatte belegt das Programm knapp 8 GByte. Mit einer derartigen Konfiguration läuft Tomb Raider Underworld tatsächlich ausreichend flüssig mit Bildwiederholraten oberhalb von meist 20 pro Sekunde. Das Programm verwendet einen Kopierschutz - beim Spielstart muss immer die DVD eingelegt sein.

Auf Xbox 360 und Playstation 3 kostet Tomb Raider Underworld rund 60 Euro, auf Windows PC rund 40 Euro. Die USK hat das Programm ab zwölf Jahren freigegeben.

Fazit:
Einerseits gibt es in Tomb Raider Underworld viele konstruierte Rätsel, ein paar schöne Schockmomente und viel zu entdecken. Andererseits spielt sich das Ding wie alle anderen Tomb Raiders davor auch - nur dass die Grafik diesmal etwas schöner und die Handlung noch etwas platter ist. Wer Lara mag, greift selbstverständlich zu. Der Rest schickt eine Mail an Eidos und bittet nett darum, das Potenzial von Lara und Tomb Raider in einer wirklich von Grund auf überarbeiteten Reihe in den kommenden Jahren voll auszuschöpfen.  (ps)


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Links zum Artikel:
Crystal Dynamics (.com): http://www.crystald.com/
Eidos Interactive: http://www.eidos.de
Tomb Raider (.com): http://www.tombraider.com/

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