Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0812/63966.html    Veröffentlicht: 05.12.2008 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/63966

Spieletest: A Vampyre Story - Adventure mit Biss

Neues Projekt des ehemaligen LucasArts-Adventurespezialisten Bill Tiller

Manisch verliebte Vampirfürsten, vorlaute Fledermäuse, in Mafia-Manier organisierte Ratten: Die Handschrift des ehemaligen LucasArts-Mitarbeiters Bill Tiller ist im Adventure A Vampyre Story unverkennbar. Nicht nur angesichts des Humors werden Erinnerungen an die Zeiten von Monkey Island und Sam & Max wach.

A Vampyre Story (Windows-PC)
A Vampyre Story (Windows-PC)
Opernsängerin Mona De Lafitte ist nicht zu beneiden: Statt auf den Pariser Bühnen ihre Karriere voranzutreiben, ist sie im düsteren Draxsylvanien eingesperrt. Die Schuld daran trägt der Vampirbaron Shrowdy, der sich derart unsterblich in die junge Dame mit französischem Akzent verliebt hat, dass er sie gleich in seine dunklen Gemäuer verfrachtet hat und fortan nicht mehr vor die Tür lässt. Als wäre das nicht schon Unglück genug, muss sich Mona auch noch damit abfinden, dass sie durch Shrowdys Biss selbst zur Blutsaugerin geworden ist - auch wenn sie das am liebsten leugnen würde, was für viele witzige Dialoge im Spiel sorgt.

Fortan versucht der Spieler als Mona Shrowdys Fängen zu entkommen, das Schloss zu verlassen und im nahe gelegenen Dorf Hilfe zu finden. Die Tatsache, dass der Baron recht früh im Spiel Vampirjägern in die Falle geht und stilecht mit einem Holzpflock behandelt wird, begünstigt ihr Unterfangen - macht es aber trotzdem nicht einfach. Einerseits lässt sich Shrowdy von derartigen Nebensächlichkeiten wie seinem Ableben nur begrenzt einschüchtern, andererseits ist Bill Tiller eben bereits in den Neunzigern als Kreativkopf aktiv gewesen. Damals waren viele Adventures deutlich schwieriger, als es heute die Mehrzahl der Neuveröffentlichungen ist - und das gilt auch für A Vampyre Story.

Mona im Multiple-Choice-Dialog
Mona im Multiple-Choice-Dialog
Von Beginn an wird der Spieler vor knackige Herausforderungen gestellt. Zwar ist das Gameplay bestens bekannt: Es gilt, Gegenstände einzusammeln, sie an passenden Orten einzusetzen und nebenbei in zahlreichen Multiple-Choice-Gesprächen wichtige Tipps zu bekommen. Allerdings führt nur ganz selten der direkte Weg zum Ziel; oft muss Mona erst mehrere Zwischenschritte absolvieren, bis endlich die Aktion ausgeführt werden kann, die doch eigentlich schon zu Beginn offensichtlich war.

Ein Sarg dient als Inventar
Ein Sarg dient als Inventar
Trotz des hohen Schwierigkeitsgrades gelingt es A Vampyre Story, auch Einsteiger bei Laune zu halten. Das liegt vor allem an den zahllosen irrwitzigen, sympathischen Charakteren und dem ungewöhnlichen Humor: Wenn Mona eine mafiöse Rattenbande bestechen muss oder Gespräche mit seltsam sympathischen Folterwerkzeugen wie einer Eisernen Jungfrau führt, ist das skurril und unterhaltsam. Auch Froderick - die kleine Fledermaus, die Mona begleitet und ebenso altkluge wie hilfreiche Kommentare von sich gibt - sorgt für jede Menge witzige Momente. Zudem haben die Entwickler von Autumn Moon Entertainment viel Wert auf Details gelegt; so ist das Inventar stilecht in Sargform gestaltet.

Auf der Bühne
Auf der Bühne
Apropos Inventar: Da es Bill Tiller und seinen Kollegen wohl unrealistisch erschien, dass eine zarte Person wie Mona ständig einen halben Haushalt mit sich herumschleppt, können in A Vampyre Story auch Ideen im Sarg abgelegt werden. Anstatt das rostige Schwert sofort von der Wand zu nehmen, "erinnert" sich Mona einfach daran, wo es hängt, um es im Falle des Falles schnell holen zu können. Für den Spielablauf hat dies allerdings kaum Auswirkungen: Ideen werden ebenso aus dem Inventar geholt und kombiniert wie dort abgelegte Gegenstände.

Das Schlafgemach der Diva
Das Schlafgemach der Diva
In Handlung, Schauplätze und Charaktere sind sichtlich viele Ideen und Liebe geflossen. Technisch aber präsentiert sich A Vampyre Story antiquiert: Animationen, Zwischensequenzen und Schauplätze sind oft pixelig und abgehackt. Auch in puncto Komfort ist A Vampyre Story durch und durch ein Ableger der alten Adventure-Schule: Zwar gibt es eine Taste zum Anzeigen aller Hotspots, trotzdem muss der Spieler oft lange Wege zurücklegen und viel Try and Error anwenden.

Rätsel: Wie geht die Falltür auf?
Rätsel: Wie geht die Falltür auf?
Die deutsche Sprachausgabe ist voll auf der Höhe der Zeit: Zwar bewegt sich der Humor manchmal arg an der Holzhammergrenze, dafür besitzt jeder Charakter eine passende und professionelle Stimme. Wer der deutschen Übersetzung nicht traut, kann zudem auch die auf der DVD befindliche englische Originalsprachausgabe installieren.

A Vampyre Story ist für etwa 40 Euro erhältlich und hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten. Minimale Systemanforderungen sind ein PC mit 1,6 GHz Prozessor, 512 MByte RAM Haupt- und 3 GByte Festplattenspeicher.

Fazit:
A Vampyre Story ist in Bezug auf das Rätseldesign eine wirklich harte Nuss und in technischer Hinsicht teils altbacken. Trotzdem dürften Anhänger früherer Lucas-Arts-Titel begeistert sein: Eine interessante Story, stimmungsvolle Schauplätze, zahllose skurrile Ideen und sympathische Charaktere garantieren lang anhaltenden und höchst amüsanten Knobel-, Rätsel- und Blutsaugespaß.  (tw)


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Links zum Artikel:
Autom Moon Games (.com): http://www.amegames.com/

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