Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0812/63859.html    Veröffentlicht: 01.12.2008 10:48    Kurz-URL: https://glm.io/63859

Qimonda kündigt mögliche Insolvenz an

Im ersten Quartal 2009 geht der Infineon-Tochter das Geld aus

Der Chiphersteller Qimonda steht Anfang kommenden Jahres möglicherweise vor der Insolvenz. Im ersten Kalenderquartal drohten "Liquiditätsengpässe", die den Geschäftsbetrieb in Frage stellen könnten, gab das Unternehmen bekannt.

Qimonda, der Speicherchipsparte Infineons, droht die Zahlungsunfähigkeit. Bei Gesprächen mit strategischen Investoren und Finanzinvestoren seien jedoch Fortschritte erzielt worden, so das Unternehmen. Für die Dauer dieser Gespräche werde die Veröffentlichung des fälligen Geschäftsberichts zurückgestellt.

Qimonda hofft nun, die Verhandlungen mit Geldgebern soweit konkretisieren zu können, dass in den kommenden Wochen erste Ergebnisse bekanntgegeben werden können. Falls die Gespräche komplett scheitern, sich die Überproduktionskrise in der Chipbranche weiter verschärft und die Sparmaßnahmen nicht greifen, drohen im ersten Kalenderquartal 2009 jedoch Liquiditätsengpässe, die die Fortsetzung des Geschäftsbetriebs in Frage stellen.

Infineon hatte den Geschäftsbereich vor circa zwei Jahren abgespalten und hält derzeit noch 75 Prozent der Anteile an dem Chipkonzern, der 13.000 Menschen beschäftigt.

Der Nettoumsatz Qimondas werde im vierten Quartal bei 476 Millionen Euro liegen, ein weiterer Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Betriebsverlust und der Konzernfehlbetrag sind dagegen gestiegen. Die Firmenleitung konzentriere sich darauf, "den Barmittelabfluss zu reduzieren", sagte Vorstandschef Kin Wah Loh. "Die Ausbeute der ersten Monate mit Produkten, die wir mit unserer 65-nm-Buried Wordline-DRAM-Technologie gefertigt haben, sind sehr ermutigend, und wir konnten früher als geplant die ersten Chips mit unserer 46-nm-Buried Wordline-Technologie produzieren."

Die Führungsspitze des Chipherstellers Qimonda hatte zuvor von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) staatliche Finanzhilfen in dreistelliger Millionenhöhe gefordert. Die sächsische Landesregierung prüft zudem, ob eine Teilverstaatlichung des Unternehmens möglich ist, verlautete aus Konzernkreisen. In Dresden fallen nach dem Abbau von 600 Arbeitsplätzen im Sommer 2008 aktuell weitere 1.000 Stellen weg. Weltweit werden 3.000 Stellen abgebaut.

Nach Informationen der Welt am Sonntag verhandelt die Konzernmutter Infineon mit den Arbeitnehmervertretern über Kurzarbeit. Zudem soll der Sparkurs verschärft werden. Nach bisherigen Planungen fällt in Deutschland bereits jeder fünfte Arbeitsplatz bei Infineon weg. Erste Informationen zum Umfang der weiteren Sparmaßnahmen werden auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns am kommenden Mittwoch (3. Dezember 2008) erwartet. Der Halbleiterkonzern, der Logikchips an die Autohersteller liefert, bekommt den Einbruch in der Autoindustrie stark zu spüren.  (asa)


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Links zum Artikel:
Infineon Technologies (.com): http://www.infineon.com
Qimonda (.com): http://www.qimonda.com/

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