Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0811/63730.html    Veröffentlicht: 24.11.2008 14:00    Kurz-URL: https://glm.io/63730

Spieletest: Need For Speed Undercover - Recycling-Rennen

Neue Ausgabe der berühmten Rennspielserie wirkt uninspiriert und ideenlos

Illegale Autoschieber jagen, vor der Polizei flüchten, Autos tunen und gleichzeitig durch Rennerfolge bessere Charakterwerte erreichen. Auf dem Papier klingt das neue Need For Speed wie ein "Best Of" früherer Teile. Schade nur, dass Undercover vor allem Recycling-Rennen bietet, statt die Reihe zu einem neuen Höhepunkt zu führen.

Need for Speed Undercover (Xbox 360, Playstation 3, Windows-PC)
Need for Speed Undercover (Xbox 360, Playstation 3, Windows-PC)
Der Geheimdienst wirbt einen talentierten Nachwuchsraser an: Er soll die Street-Racer-Szene infiltrieren und so einem Ring illegaler Autoschieber auf die Schliche kommen - soweit die Hintergrundgeschichte von Undercover. Das erinnert nicht nur frappierend an den Kinostreifen The Fast And The Furious, sondern ist von Electronic Arts auch filmreif inszeniert. Zahlreiche Zwischensequenzen mit echten Schauspielern treiben die Story im Spielverlauf voran. Allerdings überschreitet das Ganze nur selten Seifenoper-Niveau: Die Akteure wirken steif und die deutsche Synchronisation glänzt mit Plattitüden statt mit geschliffenen Dialogen.

Das eigentliche Gameplay bietet Altbekanntes: Zu Beginn jagt der Undercover-Polizist noch in günstigen Fahrzeugen über die Stadtkurse. Für jeden Rennerfolg winken Geld und Reputation, mit denen sich neue Fahrzeuge von Firmen wie VW, Audi und Lamborghini, Tuningteile und Rennveranstaltungen freischalten lassen. Gleichzeitig werten Siege die Charaktereigenschaften des Fahrers auf. Was EA im Vorfeld als "Rollenspielelemente" angekündigt hat, ist in der Praxis kaum der Rede wert: Ob nach einem Sieg nun die Werte für Bremsen oder doch die fürs Fahrwerk verbessert werden, entscheidet das Spiel selbstständig. Wer gehofft hatte, seinen Fahrer in bestimmten Bereichen aufrüsten zu können, hat Pech.

Need for Speed Undercover
Need for Speed Undercover
Die fiktive US-Stadt, in der Undercover spielt, ist frei befahrbar - jedenfalls theoretisch. Jeder Undercover-Cop dürfte allerdings früher oder später dazu übergehen, nach gewonnenen Rennen sofort per Knopfdruck den nächsten Event auszuwählen, da es auf den Straßen weder etwas zu tun noch Interessantes zum Anschauen gibt.

Need for Speed Undercover
Need for Speed Undercover
Die Rennherausforderungen bieten Abwechslung: Neben klassischen Runden- und Platzierungsrennen gibt es etwa Outruns, in denen der Fahrer eine Minute lang die Führung halten muss, kleinere Aufträge wie das Fahren sauberer Abschnitte ohne Schaden und die neuen Highway-Battles. Letztere sind wohl die spaßigste Neuerung: Hier geht es darum, im Duell mit einem aggressiv fahrenden Konkurrenten einen Vorsprung von 300 Metern herauszuarbeiten - allerdings auf dicht befahrenen Straßen, auf denen ein Auffahrunfall praktisch die Niederlage bedeutet. Im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen, bei denen die Stadt gespenstisch leer und ausgestorben wirkt, sind die Straßen tatsächlich voll - Burnout lässt grüßen.

Burnout ist das Stichwort, weshalb Need for Speed Undercover enttäuscht: Die Highway Battles sind zwar schnell, spannend und riskant, mit der wahnwitzigen Action eines Burnout-Spiels können sie trotzdem nicht konkurrieren. Die Stadtkurse bieten zwar ab und zu die Möglichkeit, sich zu entscheiden, ob der bessere Weg nun über die Brücke oder unter ihr hindurch führt. Mit der frei befahrbaren Stadt eines Midnight Club, die dem Fahrer beständig die Möglichkeit gibt, nach Abkürzungen zu suchen, kann das Ganze aber nicht ansatzweise mithalten. Und auch der Tuningteil fällt mit seinen vorgefertigten Leistungspaketen eingeschränkter aus, als es sich Hobbyschrauber gewünscht haben dürften.

Need for Speed Undercover
Need for Speed Undercover
Undercover patzt noch an weiteren Stellen: Der Schwierigkeitsgrad variiert von Rennen zu Rennen und lässt sich nicht manuell einstellen. Die ersten Platzierungskurse sind lächerlich einfach - die Autos steuern sich extrem arcadelastig und selbst Einsteiger lassen das Verfolgerfeld rasch hinter sich. Im Gegensatz dazu sind einige der späteren Verfolgungsjagden fast schon frustrierend schwer. Ein gesundes Mittelmaß findet sich nur selten.

Need for Speed Undercover
Need for Speed Undercover
Auch die Optik wirkt lieblos und altbacken - die Unterschiede zu Need for Speed Most Wanted von 2005 sind marginal. Den Strecken fehlen Details, zudem kommt es zu unschönen Verlangsamungen, vor allem wenn dann doch mal zahlreiche Fahrzeuge auf dem Bildschirm sind. Die Fernsicht wird durch beständig aufpoppende Objekte getrübt, und grafische Effekte wie die glänzenden Straßen sind überzogen.

Need for Speed Undercover ist für Playstation 3, Xbox 360, Playstation 2, PSP und Nintendo DS erhältlich. Auch eine PC-Fassung ist erhältlich, die benötigt mindestens eine CPU mit 3,0 GHz sowie 512 MByte RAM unter Windows XP und 1 GByte RAM unter Vista. Auf der Festplatte belegt das Programm knapp 6,5 GByte, die Grafikkarte muss über 128 MByte RAM verfügen und DirectX 9 unterstützen. Wie alle aktuellen PC-Spiele von EA verwendet Undercover den Kopierschutz Securom in der Variante mit Onlineaktivierung, dafür läuft das Spiel ohne DVD im Laufwerk. Das Spiel hat eine USK-Einstufung ab sechs Jahren erhalten. Dieser Test bezieht sich auf die Xbox-360-Version.

Fazit:
Need for Speed Undercover ist kein schlechtes Rennspiel - es macht Spaß, sich Duelle auf den Highways zu liefern, immer neue Rennen freizuschalten, den eigenen Fuhrpark um weitere berühmte, einfach zu steuernde Sportwagen zu erweitern und die Charakterwerte weiter auszubauen. Allerdings wirkt Undercover über weite Strecken wie eine lieblose Neuauflage bekannter Konzepte - und ist in Teilen schlechter als frühere NfS-Titel. Auch aktuellen Konkurrenzveröffentlichungen wie Midnight Club muss sich Undercover geschlagen geben. Am Ende bleibt ein solides, aber wenig aufregendes Rennspiel, das dem angeschlagenen Ruf der Need-for-Speed-Reihe mehr schadet, als ihm neuen Glanz zu verleihen.  (tw)


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Links zum Artikel:
Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/
Need for Speed (.com): http://www.needforspeed.com/

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