Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0811/63597.html    Veröffentlicht: 17.11.2008 14:30    Kurz-URL: https://glm.io/63597

Spieletest: Call of Duty 5 - Sprung von Front zu Front

Entwickler Treyarch schickt Spieler in den Südpazifik und nach Stalingrad

Ob als amerikanischer GI oder als Rotarmist: Die jüngste Ausgabe von Call of Duty setzt den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs so effektgeladen und explosiv in Szene wie nie zuvor. Allerdings verpasst sie aber die Chance, eine packende Handlung zu erzählen.

Call of Duty: World at War (Windows-PC, Xbox 360, PS3)
Call of Duty: World at War (Windows-PC, Xbox 360, PS3)
Leichenberge wie im schlimmsten Albtraum - und der Spieler liegt mittendrin. Angeschlagen, gerade noch so am Leben, erwacht der Spieler in Call of Duty 5: World at War in Stalingrad. Überall schwer bewaffnete Wehrmachtsoldaten, jeder Funke Hoffnung wirkt wie eine lächerliche Illusion. Doch dann entpuppt sich ein weiterer scheinbar Toter als Überlebender: Sergeant Reznov ist Scharfschütze, aber an der Hand verletzt. Also muss der Spieler einspringen beim Attentat auf einen (erfundenen) General - aber bis dahin warten jede Menge Gefahren. Erst lauert ein feindlicher Scharfschütze, dann wird auch noch ein Schäferhund auf Reznov und Dimitri aufmerksam, so der Name des Spielers, und schon verwandeln Feuerpanzer ein gerade noch sicheres Gebäude in eine lodernde Flammenhölle.

Die erste Mission der Osteuropa-Einsätze in Call of Duty 5 vermittelt einen Eindruck davon, was der Spieler in dem von Treyarch entwickelten Ego-Shooter alles erlebt. Als amerikanischer Private namens Miller kämpft er im pazifischen Raum gegen Soldaten der kaiserlichen japanischen Armee. Und an der Ostfront hat er es als Dimitri Petrenko mit der Wehrmacht zu tun. World at War springt dabei wild zwischen Orten und Zeiten: Los geht es 1942 in asiatischer Kriegsgefangenschaft auf dem südpazifischen Makin-Atoll, dann landet Private Miller im Jahr 1944 mitten in der Schlacht um die Insel Peleliu, anschließend folgt der Abstecher ins Stalingrad von 1942 und dann 1945 die Befreiung der ostdeutschen Seelower Höhen. Danach schlüpft der Spieler wieder in die Rolle von Private Miller im Jahr 1944 - und so weiter.

Call of Duty 5: World at War
Call of Duty 5: World at War
Die Einsätze sind ebenso linear angelegt wie in den Vorgängern. Nur ab und zu darf der Spieler entscheiden, ob er ein Wäldchen links oder rechts umgeht. Wenn schon nicht für Freiheiten, haben die Entwickler immerhin für Abwechslung gesorgt: So geht im Dschungel die Gefahr eher von Heckenschützen aus, während in Seelow vor allem deutsche Panzer eine Bedrohung sind, und wieder woanders das gesamte Team beim Ausräuchern von Mörserstellungen koordiniert agieren muss. Außerdem steuert der Spieler in einem Einsatz einen Panzer und fliegt in einem anderen im Flugzeug mit. Echte Schleichmissionen gibt es nicht - die wenigen Verschnaufpausen sind extrem kurz, meist steht der Spieler inmitten von gefühlten Hundertschaften an Soldaten, während überall Schüsse fallen, Explosionen dröhnen, irgendwo Flammen emporschießen und Granaten fliegen. Auch im einfachsten der vier Schwierigkeitsgrade beißen selbst erfahrene virtuelle Soldaten ins Gras, weil sie angesichts des Kriegslärms eine Warnung vor Granaten zu spät bemerken oder weil die Entwickler irgendwo einen hinterrücks angreifenden Gegner versteckt haben. Munitionsmangel ist hingegen so gut wie kein Problem - notfalls klaubt der Spieler das Gewehr eines gefallenen KI-Kameraden auf.

Call of Duty 5: World at War
Call of Duty 5: World at War
An vielen Stellen ist übrigens Kämpfen gar nicht sinnvoll, weil die erledigten Gegner nach wenigen Sekunden vom Programm ersetzt werden. In den stark geskripteten Einsätzen geht es erst weiter, wenn der Spieler beispielsweise durch feindlichen Kugelhagel voranstürmt und in einen neuen Schützengraben springt: Damit löst er den Trigger aus, der seine Kameraden vorwärts bewegt und so die feindlichen Attacken stoppt - allerdings in den meisten Fällen auch neue startet.

Call of Duty 5: World at War
Call of Duty 5: World at War
In Call of Duty: World of War lassen sich die Missionen nicht nur allein in der Kampagne durchspielen. Wer mag, tritt mit bis zu drei Kumpels im Koop-Modus an. Die Missionen kann der Spieler frei wählen, gefallene Mitstreiter lassen sich per "Benutzen"-Befehl innerhalb eines gewissen Zeitrahmens wiederbeleben. Wer zu spät reanimiert, muss beim letzten Kontrollpunkt neu starten. Das ist im Solomodus übrigens genauso, auch am PC können Soldaten nicht manuell speichern - allerdings sind die Kontrollpunkte sehr fair angelegt. Die anderen elf Mehrspielermodi für bis zu 32 Spieler orientieren sich stark an denen von Call of Duty 4, natürlich in anderem Szenario.

Call of Duty 5: World at War
Call of Duty 5: World at War
Das Programm verwendet eine modifizierte Version der 3D-Engine, die schon beim Vorgänger Modern Warfare zum Einsatz kam. Grafisch überzeugt World at War: Die Umgebungen wirken extrem detailliert, Palmen und sonstige Pflanzen sind ebenso aufwendig wie Gebäude, Schützengräben, Wege, Panzer und was sonst noch zu sehen ist. Besonderes Highlight sind allerdings die Animationen der computergesteuerten Verbündeten und der Feinde, die sich flüssig und fast wie aus dem echten Leben übernommen bewegen.

Call of Duty 5: World at War
Call of Duty 5: World at War
Auch die Spezialeffekte sind Hingucker: etwa, wenn Feuer in einem Gebäude ausbricht, eine nächtliche Blendgranate die Landschaft in grelles Licht taucht oder glühende Aschefetzen in der Luft zu schweben scheinen wie Glühwürmchen. Trotzdem muss für die PC-Version keine absolute Highend-Hardware vorhanden sein: Ein Prozessor mit 3,0 GHz und dazu 512 MByte RAM unter Windows XP sowie 1 GByte RAM Arbeitsspeicher unter Vista reichen aus. Die Grafikkarte muss Shader 3.0 oder besser beherrschen. Auf der Festplatte belegt das Programm rund 7 GByte an Speicherplatz. Zum Spielen muss die DVD ins Laufwerk eingelegt sein.

Call of Duty 5: World at War
Call of Duty 5: World at War
Call of Duty: World at War ist für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 erhältlich. Die PC-Fassung kostet rund 50 Euro, die Konsolenversionen sind für etwa 70 Euro zu haben. Das Programm erscheint hierzulande stark geschnitten: Publisher Activision hat alle Hakenkreuze und vergleichbar problematische Symbole entfernt, aber auch einen im US-Original enthaltenen Bonuslevel, in dem der Spieler auf Nazi-Zombies trifft. Die Lokalisierung ist aufwendig und gut gelungen, beispielsweise ist statt der Stimme von Kiefer Sutherland wie im Original hierzulande die seines Synchronsprechers zu hören. Die USK hat dem Programm keine Jugendfreigabe erteilt.

Fazit:
Auf der Habenseite verbucht Call of Duty: World at War vor allem die packenden Missionen, in denen wahnsinnig viel passiert und die fast immer hochdramatisch ablaufen. Auch die teils überwältigende Grafik und die Atmosphäre sorgen immer wieder für Herzrasen - mit echtem Krieg hat das glücklicherweise immer noch nichts zu tun, aber näher dran war bislang wohl kein Computerspiel.

Vor allem zwei Schwächen stören das Gefühl des Authentischen: Zum einen sorgt das ständige Springen zwischen Orten und Zeiten dafür, dass sich das Programm wie ein makabres "Best of Zweiter Weltkrieg, Volume 4" anfühlt. Schade, dass es nicht wie im direkten Vorgänger eine übergreifende Handlung gibt. Zum anderen hat es Entwickler Treyarch etwas übertrieben mit dem, was durch Trigger ausgelöst wird. Teilweise hat es trotz des Krieges für den Spieler mehr Sinn, die Feinde einfach am Leben zu lassen und durch das Auslösen des nächsten Skripts voranzukommen. Trotzdem: Wer das Szenario (noch immer) mag, bekommt Unterhaltung auf höchstem Niveau.  (ps)


Verwandte Artikel:
Call of Duty WW2 im Test: Der Zweite Weltkrieg als Ballerbude   
(06.11.2017, https://glm.io/130974 )
GC 08: Call of Duty 5 in Russland   
(23.08.2008, https://glm.io/61930 )
Call of Duty 5 - Infos, Trailer und Screenshot-Premiere   
(23.06.2008, https://glm.io/60544 )
Red Dead Redemption 2: Battle Royale im Wilden Westen   
(07.02.2018, https://glm.io/132627 )
Activision Blizzard: 4 Milliarden US-Dollar mit Mikrotransaktionen eingenommen   
(09.02.2018, https://glm.io/132683 )

Links zum Artikel:
Activision: http://www.activision.de/
Treyarch (.com): http://www.treyarch.com

© 1997–2020 Golem.de, https://www.golem.de/