Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0811/63555.html    Veröffentlicht: 14.11.2008 12:05    Kurz-URL: https://glm.io/63555

AMD bereinigt Desktop-Roadmap, plant Mobil-CPUs mit 25 Watt

Überraschungen auf dem Analyst-Day 2008

Zum Abschluss seiner umfangreichen Produktankündigungen hat AMD vor Analysten in der Firmenzentrale im kalifornischen Sunnyvale seine Roadmaps bis zum Jahr 2011 vorgestellt. Dabei ergeben sich umfangreiche Änderungen zu früheren Planungen, aber auch überraschende neue Produkte: Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2009 will AMD besonders sparsame Notebookprozessoren ausliefern.

Dirk Meyers neue Ziele
Dirk Meyers neue Ziele
AMDs neuer CEO Dirk Meyer gab gleich zu Beginn der Vorträge für sein schwer angeschlagenes Unternehmen drei Ziele vor: Profitabilität, Konzentration auf Kernbereiche und pünktliche Umsetzung. Auf allen drei Feldern hatte AMD in den vergangenen beiden Jahren Probleme, die in verspäteten Produkteinführungen und technischen Problemen auch deutlich sichtbar wurden.

Elf Plattformen, und zwar pünktlich
Elf Plattformen, und zwar pünktlich
Die Umsetzung "jedes Versprechens, jedes Mal", die Meyer auf seinen Folien einforderte, wurde in der anschließenden Rede von AMDs Prozessorchef Randy Allen auch gleich angegangen. Zahlreiche früher angekündigte Prozessoren wurden von den Roadmaps gestrichen, dafür andere für Wachstumsmärkte wie dünne und leichte Notebooks aufgenommen. Prominentestes Opfer des Rotstifts: der Dual-Core-Prozessor "Kuma" als Nachfolger des Athlon X2.

Offizielle Roadmap bis 2011
Offizielle Roadmap bis 2011
Noch im Juni 2008 hatte AMD die Auslieferung dieser CPU mit 65 Nanometern Strukturbreite für die zweite Hälfte des Jahres 2008 fest versprochen, nun taucht sie in Randy Allens Folien nicht mehr auf. Unbestätigten Angaben zufolge plant AMD aber dennoch, diesen Prozessor Anfang 2009 auf den Markt zu bringen - dann aber gleich mit 45 Nanometer breiten Strukturen. Dazu schweigt AMD jedoch bisher, angekündigt werden soll nun nur noch, was auch sicher eingehalten werden kann.

Yukon: 25-Watt-CPUs für Notebooks
Yukon: 25-Watt-CPUs für Notebooks
Im Falle der Opterons mit Shanghai-Kern, die früher als erwartet auf den Markt kamen, hat das bereits geklappt. Mit der neuen Notebookplattform "Yukon" hat sich AMD für das erste Halbjahr 2009 nun ein neues ehrgeiziges Ziel in einem stark wachsenden Markt gesetzt. Der Nachfolger der Puma-Plattform soll mit Prozessoren erscheinen, die nur eine typische Leistungsaufnahme (TDP) von unter 25 Watt haben.

Für sehr kompakte Notebooks liefert Intel seine Core-2-Duos mit 25 Watt bereits seit August 2008 aus, hier will AMD also halbwegs schnell kontern. Yukon ist auch für Mini-Notebooks vorgesehen, zum per Gerücht dafür geplanten Sempron mit nur 8 Watt TDP verrät AMD immer noch nichts.

Weitere Angaben zu seinen Stromspar-CPUs für Notebooks machte AMD nicht. Nach deren Vorstellung soll jedoch im zweiten Halbjahr 2009 für ausgewachsene Mobilrechner die Plattform "Tigris" folgen, hier steht schon fest, dass sie mit 45-Nanometer-CPUs arbeiten wird.

Pisces: Plattform für einfache Desktops
Pisces: Plattform für einfache Desktops
Für einfache Desktoprechner für Privatanwender hat AMD Mitte bis Ende 2009 die Plattform "Pisces" vorgesehen, hier tauchen auch die erst im Frühjahr eingeführten Triple-Core-Prozessoren auf. Den bisherigen Namen "Phenom X3" nannte Randy Allein in seiner Präsentation aber nicht.

Für besonders günstige Prozessoren hat sich AMD einen neuen Kniff einfallen lassen, der vielleicht das baldige Ende der Triple-Cores bedeutet. Neben dem für Anfang 2009 schon als "Phenom II" angekündigten Quad-Core mit dem Kern "Deneb" erscheint im gleichen Zeitraum auch das Design "Propos" - ohne L3-Cache. So muss man jedenfalls die Angabe von "2M cache" auf den Folien verstehen, da jeder der Deneb-Kerne 512 KByte L2-Cache besitzt. Beim Phenom II kommen dazu noch 6 MByte L3-Cache.

Sein schon jetzt unter dem Namen "Fusion" beschriebenes Konzept der Integration von CPU und Grafikprozessor im selben Chipgehäuse will AMD erst im Jahr 2011 realisieren. Bei der ersten Ankündigung von Fusion im Herbst 2006 hatte der Chiphersteller das noch für den Anfang des Jahres 2009 vorgesehen, was offenbar viel zu ehrgeizig war. Nun soll Fusion erst 2011 mit 32-Nanometer-Strukturen in der Desktop-CPU "Orochi" mit mehr als vier Kernen und für Notebooks mit "Lllano" mit Quad-Cores und "Ontario" mit zwei Kernen umgesetzt werden. Alle drei Prozessoren werden mit einem Speichercontroller für DDR3 ausgestattet.

Dass die in unmittelbarer Zukunft erwarteten Phenom II mit Deneb-Kern ebenfalls DDR3 beherrschen, bestätigte Randy Allen in seiner Präsentation ebenfalls. Wie bisher schon vermutet wurde, ist der Speichercontroller der neuen Phenoms also schon darauf vorbereitet, und Mainboards mit dem neuen Sockel AM3 können entwickelt werden.  (nie)


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Links zum Artikel:
AMD - 2008 Financial Analyst Day : http://www.amd.com/us-en/Corporate/InvestorRelations/0,,51_306_15891,00.html
AMD (.com): http://www.amd.com

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