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Spieletest: Thandor - Die Invasion

3D-Echtzeitstrategie aus Deutschland

Lange Zeit haben die deutschen Entwickler von Planet 4 und Innonics an diesem Konkurrenzprodukt zu Topwares Earth 2150 gearbeitet und die Betaversionen sahen sehr vielversprechend aus. Leider kann die finale Version (noch) nicht alle Versprechen halten.

Thandor - 3D-Strategie
Thandor - 3D-Strategie
Die Story ist wie bei so vielen Spielen nicht mehr als schnöde Rechtfertigung, mit Waffengewalt auf einander loszugehen. Die Golrathen begannen vor langer Zeit ihre Nachbarwelten zu unterwerfen und die unterlegenen Völker gründeten eine Allianz, da sie allein keine Chance hatten. So konnten sie die Aggressoren zurückdrängen, doch Misstrauen und Zwietracht waren Ursachen für Kämpfe untereinander, und so wurde der schon fast gewonnene Krieg nie zu Ende gebracht.

Screenshot #1
Screenshot #1
Die Aufgabe des Spielers ist nun, die Allianz von damals zu vereinen und gegenüber den Golrathen zum endgültigen Sieg zu verhelfen. Das soll in einer Kampagne mit 20 Missionen geschehen, die zwar grafisch sehr gut gelungen sind, aber inhaltlich meistens auf das Auffinden und Zerstören der feindlichen Basis beschränkt sind. Schade eigentlich, denn im Vorfeld war von nichtlinearen Missionen mit differenzierten Zielen die Rede, aber so bietet die nur bedingt einsetzbare Diplomatie etwas Abwechslung im Spielgeschehen. Neben der Kampagne kann sich der Spieler auf diversen Einzel- und Mehrspielerkarten betätigen.

Screenshot #2
Screenshot #2
Die Besonderheit von Thandor ist die frei dreh-, kipp- und zoombare Kamera in einer kompletten 3D-Welt, die sogar etwas ansehnlicher ist als in Earth 2150. In vier Landschaftstypen wie grünen oder verschneiten Wiesen, schroffen Gebirgen, Wasser und unwirtlichen Lavawelten können die gut animierten Gebäude platziert werden. Nur realistische Wettereffekte sowie Tag- und Nachtwechsel fehlen - das hat Earth wiederum sehr eindrucksvoll vorgemacht. Die Einheiten sind in Textur und Geometrie gleichermaßen detailliert. So können aus 21 Chassis und 23 Waffen satte 105 verschiedene Truppen zu Lande, Wasser und in der Luft entstehen, die durch gezielte Forschung noch in zwei Stufen verbessert werden können.

Die Auswahl der Waffensysteme sollte auch gut überlegt sein, denn jede Einheit hat bestimmte Schwachstellen, weshalb eine einheitliche Armee schnell zu knacken ist. Andererseits hat auch das Terrain einen sehr großen Einfluss auf das Spielgeschehen. Auf Hochebenen stationierte Einheiten oder Wachtürme können aufgrund der Ballistik weiter schießen, aber noch wichtiger ist die Berechnung der realen Sichtweite. Der Spieler kann auf diese Weise nicht sehen, was hinter einem Berg liegt oder was in einer Schlucht vorgeht, sofern seine Einheiten nicht direkt am Abgrund stehen. Es ist nicht immer leicht, das Terrain richtig einzuschätzen, weswegen die freie Kamera intensiv zu nutzen ist.

Screenshot #3
Screenshot #3
Taktik und Strategie sollen bei Thandor voll zur Geltung kommen und der zeitlich begrenzte Abbau der Ressourcen und lange Bauzeiten unterstützen diesen noblen Gedanken. Allerdings darf die Action nicht fehlen und daran hapert es bei Thandor, weil alle Einheiten schwerfällig wie Schnecken agieren. Selbst das flinke Wiesel - eine Art Jeep - bleibt beim Richtungswechsel stehen, dreht wie ein Panzer auf der Stelle und setzt sich widerwillig in Bewegung. Leider gibt es keine Möglichkeit, die Geschwindigkeit zu beeinflussen, selbst geringere Auflösungen und weniger Details bringen keine Vorteile. Auch die Wegfindung ist eher bescheiden, denn aus einem Trupp von fünf Fahrzeugen scheinen zwei auf halbem Weg eine Pause einzulegen, während der erste schon vom Gegner zerlegt wird und die letzten noch am Startpunkt um die Vorfahrt ringen - so lassen sich keine Angriffe koordinieren. Dafür sind alle Fahrzeuge so intelligent, dass sie Gegnern entgegenfahren oder folgen und anschließend zu ihrem ehemaligen Standpunkt zurückkehren.

Screenshot #4
Screenshot #4
Durch den guten Kundenkontakt zum deutschen Distributor Innonics, der auch schon bei "Land der Hoffung" Wirkung zeigte, sind das laut dem Forum auf thandor.de alles bekannte Probleme, die mit einem Patch behoben werden sollen, nur wann? Auf der Website von Planet 4 ist zwar ein Patch vom 3. Februar zu bekommen, der aber nur wenige kleine Fehler behebt und bei Voodoo-Grafikkarten (Direct3D) sogar Fehler auftauchen lässt.

Fazit:
Trotz anfänglicher Startschwierigkeiten sollte man Thandor nicht gleich abschreiben. Es bietet hervorragende Ansätze und ist auf jeden Fall eine Alternative zum ewig jungen Oldie Command & Conquer - wenn es denn ohne Frust spielbar ist. Thandor hat so viele feine Details, aber gerade das Gröbste muss für den Spielspaß stimmen. Ab März soll eine Mission-CD kommen, die neben einem Update auch andere Einheiten, Gebäude und neue Missionen und Rassen bringen soll. Bis dahin hat Earth 2150 weiterhin die Nase vorn.  (av)


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