Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0811/63315.html    Veröffentlicht: 03.11.2008 14:17    Kurz-URL: https://glm.io/63315

Spieletest: Command & Conquer - Alarmstufe Rot 3

Bunter Krieg statt Kalter Krieg: Echtzeit-Strategiespiel von Electronic Arts

Genossen, auf in den Kampf: In Alarmstufe Rot 3 tobt der Weltkrieg zwischen Sowjets, Alliierten und Japanern - aber auf kunterbunte und ziemlich schräge Art. Statt der Atombombe gibt es japanische Ninjas, russische Bären und Deutsche Schäferhunde als Spezialwaffen.

C&C: Alarmstufe Rot 3 (Windows-PC)
C&C: Alarmstufe Rot 3 (Windows-PC)
Alarm in der Vergangenheit: Um die Erfindung der Atombombe und den Aufstieg der USA zur Supermacht zu verhindern, reisen sowjetische Militärs zurück in der Zeit. Sie schalten im Intro des Echtzeit-Strategiespiels Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 einfach den Physiker Albert Einstein aus. Was die ordensbehängten Möchtegern-Schlaumeier allerdings nicht bedacht haben: Damit ändern sie die gesamte Historie. Nach ihrer Rückkehr in die Gegenwart stellen die Herren Generäle fest, dass die Yankees zwar tatsächlich geschwächt sind, aber dafür gibt es mit dem japanischen "Reich der aufgehenden Sonne" jetzt einen dritten Todfeind. Wer findet, dass das alles reichlich bescheuert klingt: Ja, tut es, und soll es auch. Denn wie schon die Vorgänger setzt auch das neue Alarmstufe Rot auf eine bewusst trashige Handlung, die in insgesamt über eine Stunde langen Highres-Videosequenzen in Szene gesetzt wird. Darin sind unter anderem Hollywoodgrößen wie Tim Curry, J.K. Simmons (Chefredakteur in Spider-Man) und George Takei (Captain Sulu in Star Trek) zu sehen. Außerdem tritt ein Großaufgebot ebenso unbekannter wie langbeiniger Models in engen Röckchen und knappen Kleidchen an.

Einsteiger können sich die Steuerung und einige fortgeschrittene taktische Optionen auf Wunsch in sechs Tutorial-Missionen erklären lassen. Witzig: Als Ausbilder treten drei sprechende Panzer an, einer für jede der drei Fraktionen. Die wackeln teilweise beim "Reden" udn wenn es zu kurzen Streits kommt oder auch einfach mal so, jagen sie sich eine Rakete in die Flanke.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Solisten treten in drei Kampagnen mit je neun Missionen an. Die Handlungslogik ist so angelegt, dass der Spieler erst die Sowjets, dann die von den Amerikanern dominierten Alliierten und anschließend die Japaner steuert. Allerdings lassen sich alle drei Fraktionen vom Start weg spielen, ohne dass elementare Löcher im Plot auftreten. Eine der größeren Neuerungen seit dem Vorgänger: Vor jedem Auftrag muss der Spieler wählen, ob er per Internet mit einem menschlichen Koop-Partner antreten möchte oder einen computergesteuerten Co-Kommander an seiner Seite hat. Der steuert seine Einheiten selbstständig, nimmt aber ein paar übergeordnete Befehle entgegen. Etwa, dass er selbständig ein bestimmtes Ziel attackiert oder eine Position besetzt. Wer ihn einfach vollständig selbst agieren lässt - was nicht die schlechteste Entscheidung ist - findet im Verbund mit eigenen Truppen einfach immer ein paar der Co-Einheiten zum Mitmarschieren, die meist ganz sinnvoll Ziele angreifen und gegnerisches Feuer auf sich ziehen. Im Multiplayermodus treten Echtzeitgeneräle gegen bis zu fünf Kontrahenten auf 28 mitgelieferten Scharmützelkarten im Internet an.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Die Missionen in Alarmstufe Rot 3 sind auch gegen Kampagnenende kürzer und knackiger als in früheren C&Cs. Der gemächliche Aufbau der eigenen Basis wie in alten Zeiten entfällt fast immer. In den meisten Missionen tritt der Spieler mit fertig gebauten Truppen und ohne Baugebäude an, oder Kaserne, Waffenfabrik und Reaktor sind schon fertig aus dem Boden gestampft. Übrigens verläuft das Erstellen der Gebäude je nach Fraktion ganz unterschiedlich: Die Japaner etwa schweißen in ihren Bauhöfen rollende Gebäude zusammen, die der Spieler dann zu ihrem Bestimmungsort fährt und dort erst zum finalen Bauwerk entfaltet.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Die meisten Soloeinsätze sind innerhalb einer guten Stunde zu schaffen. Aber in dieser Zeit passiert jede Menge: Da bekommt der Feind plötzlich Verstärkung, das Kampfgebiet wird nach dem Abhaken der ersten Missionsziele vergrößert, per Funkanweisung im kleinen Fenster rechts am Bildschirmrand gibt es per Video neue Befehle - ständig ist was los. Der Spieler muss unter anderem als fernöstlicher Oberbefehlshaber in Stalingrad ein großes Denkmal zerstören, um die Moral der russischen Truppen zu senken. Er verteidigt das englische Brighton und nimmt einen Hafen im Eismeer ein. Überhaupt, das Meer: Ein Großteil der Gebäude lässt sich auf Stelzen auf dem Wasser bauen, und viele Einheiten sind sowohl für festen Boden geeignet als auch für das Fahren auf offener See. Sie verwandeln sich dann einfach in Boote.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Wie bei Alarmstufe Rot gewohnt, hat das Entwicklerteam von Electronic Arts auch in Teil 3 jede Menge schräge Einheiten untergebracht. Die Sowjets kämpfen mit Kriegsbären, schicken den riesigen Apocalypse-Panzer ins Gefecht und machen mit den Korow-Luftschiffen als Bomber auch größere Ziele dem Erdboden gleich. In den Reihen der Japaner treten Hightech-Samurai mit Wurfsternen und Katanas an, und die Amis verfügen über deutsche Nahkampfschäferhunde. Auch Spezialeinheiten wie Tanya und Natascha sind wieder mit dabei. Ebenfalls verfügbar sind die sogenannten "Geheimprotokolle" - also Superwaffen, die in einigen der Solomissionen bereitstehen, sich wie in einem Rollenspiel erst aufbauen lassen und dann beispielsweise gegnerische Einheiten einfach ins Weltall saugen.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3
Grafisch setzt Alarmstufe Rot 3 noch stärker als die Vorgänger auf quietschbunte Grafik und aufwendige Spezialeffekte. Selbst eigentlich düstere Gebiete wie Stalingrad erinnern eher an Disneyland als an die sowjetische Echtwelt, und viele der Schutzschilde oder Fernwaffen verwenden teils großflächige Energieeffekte oder Schutzschilde. Dafür muss dann unter Windows XP mindestens ein Prozessor mit mindestens 2,2 GHz im Rechner stecken und der Arbeitsspeicher 1 GByte groß sein. Unter Vista verlangt das Programm sogar nach einer CPU mit 2,6 GHz und 2 GByte Speicher. Die Grafikkarte muss in allen Fällen mindestens 256 MByte Speicher haben, und auf der Festplatte belegt der Titel rund 8,5 GByte. Wie alle aktuellen PC-Spiele von EA verwendet auch Alarmstufe Rot 3 den Kopierschutz Securom in der Variante mit einer Onlineaktivierung, dafür läuft das Spiel auch ohne DVD im Laufwerk.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3 ist nur für Windows-PC erhältlich und kostet im Laden rund 50 Euro. Eine Version für Xbox 360 soll im November 2008 folgen. Die USK hat dem Titel eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit:
Altgediente Echtzeitgeneräle, die in früheren Ausgaben von Command & Conquer noch ein paar Stunden gegrübelt haben, ob sie einen Panzer drei Meter nach vorne fahren, sollten einen großen taktischen Bogen um Alarmstufe Rot 3 machen. Für strategische Feinheiten fehlt angesichts der ständigen Überraschungen und des hohen Tempos nämlich die Zeit. Wer hier nicht sehr schnell reagiert, geht unter. Dafür sind die Missionen durchgehend spannend aufgebaut und bieten sehr viel Abwechslung.

Dass in all den virtuellen Kriegswirren der Überblick und damit der Sieg nicht flöten geht, liegt zum einen am moderaten Schwierigkeitsgrad. Zum anderen sind die computergesteuerten Co-Kommandanten eine echte Hilfe. Grafik und Präsentation bewegen sich mitsamt den bewusst "billigen" Zwischensequenzen auf sehr hohem Niveau. Wer das mag und damit leben kann, dass das Spielgefühl oft eher an Action denn an Strategie erinnert, wird mit dem jüngsten C&C-Spross bestens bedient.  (ps)


Verwandte Artikel:
Meer, Mechs und Manga: Command & Conquer Alarmstufe Rot 3   
(08.08.2008, https://glm.io/61601 )
Radeon Software: AMD-Grafiktreiber spielt jetzt wieder Alarmstufe Rot   
(19.01.2018, https://glm.io/132258 )
Kein Tiberium für actionorientierte C&C-Generäle   
(01.10.2008, https://glm.io/62707 )
Echtzeit-Strategie: Definitive Edition von Age of Empires hat neuen Termin   
(19.01.2018, https://glm.io/132259 )
Burnout Paradise Remastered: Hochaufgelöste Wettrennen in Paradise City   
(21.02.2018, https://glm.io/132894 )

Links zum Artikel:
Command & Conquer - Offizielle Homepage (.com): http://www.commandandconquer.com/
Electronic Arts: http://www.electronicarts.de/

© 1997–2019 Golem.de, https://www.golem.de/