Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0810/63205.html    Veröffentlicht: 28.10.2008 14:50    Kurz-URL: https://glm.io/63205

The Old Republic - was Bioware für Star Wars plant

Bioware und Lucas Arts versprechen innovative MMORPG-Ideen

LucasArts und Bioware haben sich für das kommende Onlinerollenspiel Star Wars: The Old Republic viel vorgenommen. Eine außergewöhnlich umfangreiche Handlung, eine detailreiche Spielwelt und virtuelle Begleiter im Stile von R2D2 oder Chewbacca sollen die Spieler fesseln. Golem.de war bei der Präsentation in San Francisco.

Star Wars: The Old Republic
Star Wars: The Old Republic
Es war eins der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse der Spielebranche: Vor einigen Monaten berichtete John Riccitiello von Electronic Arts in einem Interview erstmals über ein Onlinerollenspiel in der Welt von Knights of the Old Republic. Inzwischen wurde The Old Republic vor Vertretern der internationalen Presse vorgestellt - Golem.de war dabei. Das Massively Multiplayer Online Role Playing Game (MMORPG) von Bioware und LucasArts spielt etwa 3.600 Jahre vor den Star-Wars-Filmen und rund 300 Jahre nach den beiden Rollenspielen der Knights of the Old Republic-Reihe.

Den Hintergrund des Onlinrollenspiels bildet die Galaktische Republik, die mit Hilfe der Jedi das bekannte Universum regiert und für Frieden und Fortschritt gesorgt hatte. Doch außerhalb der bekannten Welten war ein mächtiges Sith-Imperium geschmiedet worden. Mit einem Überraschungsangriff war es den Sith dann gelungen, Dutzende von kleineren Welten zu erobern oder zu verwüsten und bis nach Coruscant vorzustoßen, dem Hauptplaneten der Republik.

Dem Senat der Republik war nichts anderes übrig geblieben, als sich auf die Bedingungen der Sith einzulassen und einen Friedensvertrag zu unterzeichnen. In den folgenden Jahren des Chaos wurde den Jedi Versagen vorgeworfen, und der Orden zog sich auf die Welt Tython zurück, auch wenn er sich weiter der Republik verpflichtet fühlte. Die Republik versuchte mühsam, ihre Infrastruktur wiederherzustellen und aufzurüsten - unter anderem trainierte sie neue Elite-Soldaten, welche die Jedis teilweise ersetzten. Doch auch das Sith-Imperium trainierte neue Kämpfer und bereitete sich auf die finale Auseinandersetzung mit der Republik vor.

Die wiedererstarkte Republik und das Sith-Imperium stehen sich nun gegenüber. Die Situation ist kritisch. In zahllosen Grenzkonflikten und Stellvertreterkriegen kommt es zu Gefechten zwischen den Parteien, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der wackelige Frieden von Coruscant einem offenen Krieg weicht.

Star Wars: The Old Republic
Star Wars: The Old Republic
Spieler werden sich bei Charaktererschaffung für eine der beiden Fraktionen, Sith-Imperium oder Republik, entscheiden müssen. Dies ist aber nicht gleichbedeutend mit Gut und Böse. Ob der Charakter zu den Guten gehört oder zur dunklen Seite der Macht neigt, soll sich erst im Laufe des Spieles entwickeln. Zusätzlich zu seiner Fraktion wählt der Spieler auch eine Klasse für seinen Charakter. Auf Seiten des Imperiums wird er mit den Sith spielen können und als Republiktreuer Zugriff auf Jedi-Klassen haben. Aber auch Figuren ohne Macht-Fähigkeiten sollen im Angebot sein. Die Klasse entscheidet nicht nur über die Charakterwerte des Helden, sondern auch über seine Startwelt und seine individuelle Handlung.

Star Wars: The Old Republic
Star Wars: The Old Republic
Gerade der Punkt ist es, auf den die Entwickler bei der Enthüllung von The Old Republic besonderes Augenmerk gerichtet haben. Ein Rollenspiel muss nach ihrer Ansicht in den vier Bereichen Kampf, Erforschung, Aufstieg und Handlung punkten können. Die Handlung sei aber bei den bisherigen MMO-Vertretern weitgehend unberücksichtigt geblieben. Bioware möchte das anders machen. Lead-Writer Daniel Erickson berichtete, dass für das Spiel zahlreiche Schreiber eingestellt wurden und die Menge der bislang produzierten Handlung die aller anderen Bioware-Spiele zusammengenommen bei Weitem übertrifft.

Jeder Charakter soll eine individuelle Story erleben, abhängig von seiner Klasse. Zusätzlich sollen Entscheidungen im Spiel die Handlung verändern. "Choices that matter" nannte Erickson dieses Prinzip. Eine Replay- oder Save-Funktion gibt es, wie in jedem MMORPG, natürlich nicht. Hat sich der Spieler einmal entschieden, beeinflusst das die weitere Geschichte seines Charakters. Auch die Moral funktioniert nach diesem Prinzip: Entscheidungen des Spielers bestimmen, wie gut oder böse der Charakter ist, wobei auch Graustufen möglich sind.

Zusätzlich zur erlebten individuellen Story jeder Figur gibt es eine große, globale Geschichte, die die Spieler gemeinsam mit anderen erleben können. Dabei wird der drohende Krieg zwischen Sith-Imperium und Republik eine große Rolle spielen.

Star Wars: The Old Republic
Star Wars: The Old Republic
Neben der Fokussierung auf die Story ist das Companion-System das zweite große neue Element von The Old Republic. Die Charaktere werden bei ihren Abenteuern von einem Gefährten begleitet, ähnlich wie Han Solo von Chewbacca oder Luke Skywalker von R2D2 in den Filmen. Dieser Companion soll, anders als die Pets in anderen Spielen, über eine eigene Persönlichkeit verfügen und eine eigene Geschichte haben, an der Spieler teilhaben können. Die Companions werden auf die Aktionen des Spielers reagieren und mit ihm interagieren - von Romanzen bis zum Verrat ist vieles möglich.

Es geht den Entwicklern darum, dass der Spieler eine emotionale Bindung zu seinem Gefährten aufbaut. Wer seinen Begleiter satt hat, kann einen anderen mit ins Abenteuer nehmen - mehr als ein KI-Kumpel zur selben Zeit wird allerdings nicht möglich sein. Companions verfügen über eigene Werte, die gesteigert werden können, und Bioware will dafür sorgen, dass sich die Begleiter der Spieler voneinander unterscheiden und nicht alle gleich aussehen. Wie stark der Spieler mit seinem Sidekick interagiert, bleibt ihm selbst überlassen.

Überhaupt soll der Spieler so wenig wie möglich in eine bestimmte Richtung gedrängt werden. Wer Fan der alten "Knights of the Old Republic"-Spiele ist, wird The Old Republic wie ein Solospiel quasi ohne Interaktion mit anderen spielen können. Natürlich wird auch für die Multiplayer-Fans gesorgt, unabhängig davon, wie viel Zeit sie in das Spiel investieren wollen. "Alles, was man von einem MMORPG erwartet, wird SWTOR bieten" , verkündeten die Entwickler, und bejahten damit Fragen nach Features wie PVP, Grinden oder speziellen Items.

Star Wars: The Old Republic
Star Wars: The Old Republic
Während bei Knights of the Old Republic noch das D20-Rollenspielsystem zum Einsatz kam, wird für The Old Republic ein eigenes System entwickelt, über das aber noch keine Details bekannt sind. Wichtig ist den Entwicklern, dass das Spiel ein typisches Star-Wars-Feeling aufkommen lässt, was sich auch im System widerspiegeln muss. Es soll schnell und eher actionorientiert sein, und das heroische Spielgefühl aus den Filmen zulassen.

Die Spieler steuern außergewöhnliche Figuren und sollen sofort Heldentaten vollbringen - und sich nicht mit dem Töten von Kleintier aufhalten. So wird das erste Monster, mit dem ein Sith es zu tun bekommt, ein Monster sein, das einem Tausendfüßler ähnelt und die Spielfigur an Größe deutlich überragt. Die Kämpfe sollen actiongeladen sein, und es wird sowohl mit dem Blaster als auch dem Lichtschwert zur Sache gehen. Beim Lichtschwert-Duell wirbeln die Kämpfer wie in den Filmen umher, lassen die Säbel aufeinander schlagen und Funken sprühen. Die gezeigten Szenen lassen auf choreographierte Kämpfe hoffen, bei denen die Bewegungen der Helden aufeinander abgestimmt sind, und nicht bloß auf zwei oder drei immer gleiche Angriffsmuster. Beim Aussehen und den Animationen soll das Gefühl der alten Filme eingefangen werden. So werden auch Sith und Jedi ganz unterschiedlich im Kampf vorgehen: Während die Jedi mit flüssigen Bewegungen agieren, sind die Sith aggressiver und haben eine härtere Gangart. Auch die Macht kann auf verschiedene Arten eingesetzt werden.

Auch außerhalb der Kämpfe sollte die Grafik Star-Wars-Fans überzeugen. Art Director Jeff Dobson beschrieb den verwendeten Stil bei der Präsentation in San Francisco als "stilisierten Realismus", der nicht realistisch sei, sondern darüber hinaus gehe und "bigger than life" sein soll. Die Texturen werden alle von Hand gemalt und bewegen sich zwischen Zeichentrick und Realismus. Die verwendete Technik erlaubt es auch, dass Nutzer ohne Highend-PCs oder auf dem mobilen Zweitrechner in den vollen Genuss des Spiels kommen.

Zu Star Wars gehören auch Raumschiffe und Kämpfe im All. Ob und wie diese umgesetzt werden, hat Bioware noch nicht verraten. Die Entwickler hüllen sich in Schweigen: "Es wird verschiedene Planeten geben und man wird zwischen ihnen reisen können. Mehr sagen wir nicht!"

Star Wars: The Old Republic
Star Wars: The Old Republic
The Old Republic wurde bislang nur für PC bestätigt, die Frage nach einer Umsetzung auf Konsolen wurde beantwortet mit "Wir reden heute nur über die PC-Version". Über welches Bezahlmodell das Spiel finanziert werden soll, ist ebenfalls nicht entschieden. Auch über das Veröffentlichungsdatum kann nichts gesagt werden. Zwar sprachen die Entwickler von einem gewissen Druck, der auf ihnen laste, doch gehe ihnen Qualität über alles andere. Es existiert aber eine interne, lauffähige Version, bei der eine große Menge des versprochenen Story-Inhalts umgesetzt wurde; alle Beteiligten betonten aber immer wieder die gewaltige Größe des Spiels und bezeichneten diese als "furchteinflößend".

Wer bereits jetzt das Lichtschwert in einem Onlinerollenspiel schwingen möchte, kann das tun: Bereits seit 2003 läuft das MMORPG Star Wars Galaxies von Sony Online Entertainment und LucasArts. Es soll trotz der kommenden Konkurrenz weiter betrieben werden. [Peer Kröger]  (ps)


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Links zum Artikel:
Star Wars: The Old Republic (.com): http://www.StarWarsTheOldRepublic.com

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