Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0810/63162.html    Veröffentlicht: 24.10.2008 17:57    Kurz-URL: https://glm.io/63162

Notebook-Kühlung - Intel schont den Schoß

Laminare Strömung kann Unterseite von Notebooks kühlen

Auf dem IDF in Taiwan hat Intel in der vergangenen Woche ein Verfahren vorgestellt, das eines der lästigsten Probleme bisheriger Notebooks lösen soll. Durch geschickte Anbringung von zusätzlichen Ventilationsöffnungen sollen die Unterseiten der Mobilrechner deutlich kühler werden.

Intels Chef der Notebook-Abteilung, Mooly Eden, stellte die Technik in seiner Keynote-Ansprache vor. Die Rede wurde auch per Webcast übertragen, aus diesem Stream stammen auch die hier verwendeten Bilder. Laut Eden könnten Notebooks mit heutigen Verfahren nicht mehr unbegrenzt dünner werden, da die Geräte schlicht zu heiß für eine sinnvolle Benutzung würden. Gerade beim Verwenden auf dem Schoss sei das immer flachere Design kontraproduktiv, da der Begriff "lap" aus dem Kunstwort "laptop" eigentlich im Englischen für "Schoß" steht, sagte Eden. Derzeit würde man manche Laptops lieber wegen der Hitze auf den Schreibtisch stellen, und hätte dann wieder einen Desktop-Rechner, scherzte Eden.

Aus der Luft gegriffen ist diese Problembeschreibung nicht. Apples "MacBook Air" kann beispielsweise sein 4 bis 19 Millimeter flaches Gehäuse auch nur erreichen, weil die heißen Komponenten an der Rückseite auf rund einem Viertel der Grundfläche zusammengepfercht sind. Den Rest der Unterseite füllt der Akku aus. Der enge Raum in der Hardware-Abteilung des Air erlaubt aber nur stromsparende und kleine Komponenten, was dann zu langsamen Low-Voltage-CPUs und in der günstigeren Version zu einer trägen 1,8-Zoll-Festplatte führt. Dafür reicht dann ein einzelner Lüfter, und das Gehäuse muss nicht zum Abstrahlen der Wärme verwendet werden.

Triebwerk mit Laminar-Strömen in Blau
Triebwerk mit Laminar-Strömen in Blau
Mooly Eden schlug für Notebooks im herkömmlichen Design, bei denen das Mainboard unter der Tastatur sitzt, ein Verfahren vor, das schon bei Düsentriebwerken von Flugzeugen zum Einsatz kommt - die laminare Strömung. Dabei können mehrere Luftschichten ohne räumliche Trennung wie durch eine Zwischenwand parallel geführt werden. Die Luftströme zeigen dabei nur einen geringen Wärmeübergang und verwirbeln nicht. Das Prinzip ist bei Flugzeugtriebwerken nötig, um die 1.000 Grad Celsius des Verbrennungsraums vom Rest der Maschine abzuschirmen - insbesondere von den meist recht nahe liegenden Tanks in den Tragflächen.

Notebook ohne Laminar-Öffnungen...
Notebook ohne Laminar-Öffnungen...
Bei einem Notebook sollen zusätzliche Öffnungen an der Unterseite reichen, um kühle Luft über die Innenseite der Unterschale zu führen. Weitere Lüfter sind nicht nötig, ebenso keine Zwischenwände. Das soll laut Edens Angaben die Oberfläche 3 bis 8 Grad Celsius kühler halten.

... und mit optimierter Strömung
... und mit optimierter Strömung
Mooly Eden zeigte neben Animationen von Notebook-Desings das Verfahren mit einem Versuchsaufbau, bei dem grün beleuchteter Nebel durch einen Kasten aus Plexiglas strömte. Das simple Öffnen einer zusätzlichen Klappe konnte den Luftstrom so richten, dass es keine Verwirbelungen mehr gab.

Gerichteter Strom (rechts)
Gerichteter Strom (rechts)
Wo man diese Öffnungen platziert, und wie sie geformt sind ist der Trick an der Technik - hier hat Intel offenbar viele Experimente im Bereich der Strömungsmechanik angestellt. Wie Intels Mobil-Chef angab, wird das Verfahren bereits an Notebook-Hersteller lizenziert, die erste Geräte im Jahr 2009 auf den Markt bringen wollen. Die Namen der entsprechenden Unternehmen nannte Mooly Eden jedoch noch nicht.  (nie)


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