Original-URL des Artikels: https://www.golem.de/0810/63045.html    Veröffentlicht: 20.10.2008 14:26    Kurz-URL: https://glm.io/63045

Spieletest: Samba De Amigo - der Affe tanzt wieder

Umsetzung des Dreamcast-Musikspielklassikers für Wii

Musikspiele liegen im Trend! Guitar Hero und Rock Band bilden nur die Speerspitze eines ganzen Schwungs von rhythmus- und liedgetriebenen Programmen. Mit Samba De Amigo für Nintendo Wii zeigt Sega jetzt, dass es nicht immer Gitarre oder Schlagzeug sein müssen - auch Rasseln eignen sich hervorragend für Konsolenkonzerte.

Samba De Amigo (Nintendo Wii)
Samba De Amigo (Nintendo Wii)
Für Videospielveteranen ist Samba De Amigo ein guter alter Bekannter: Bereits 2000 veröffentlichte Sega den Titel für die Dreamcast-Konsole und war damit - zumindest in Europa - seiner Zeit ein gutes Stück voraus. Die nicht sonderlich große Käuferschar der zum damaligen Zeitpunkt sündhaft teuren Spiel-Rassel-Kombination war allerdings begeistert von dem witzigen, salsainspirierten Titel - und wird schon bei den ersten Takten der Wii-Umsetzung glückselig in Erinnerungen schwelgen. Geändert hat sich jetzt nicht viel: Immer noch gilt es, seine beiden Rasseln - in diesem Fall Nunchuk und Wiimote - zum jeweils richtigen Zeitpunkt nach oben, waagerecht oder nach unten zu schütteln.

Dazu fliegen kleine Bälle am Schirm auf die jeweiligen Symbole zu und verlangen vom Spieler, jeweils im passenden Moment rechte und linke Hand in die korrekte Richtung zu bewegen. Immer mal wieder soll auch geschwenkt oder frei improvisiert drauflos getanzt und geschüttelt werden; schnell langweilig wird das Ganze also nicht. Wahlweise spielen Konsoleros übrigens mit Wiimote und Nunchuk oder mit zwei Wiimotes; Letzteres ist dabei deutlich empfehlenswerter, weil das Verbindungskabel für den Nunchuk beim rhythmischen Schütteln stört. Wer wie zu Dreamcast-Zeiten aber nicht nur die Wiimote ausrichten möchte, sondern authentisches Rasselgefühl will, wird im Zubehörhandel fündig. Unter anderem bietet Speed Link für etwa 20 Euro Maracas-Aufsätze an, in die die Wiimotes gesteckt werden können.

Samba de Amigo
Samba de Amigo
Der Erwerb der Zusatzhardware ist durchaus lohnenswert, weil die Wii-Umsetzung im Gegensatz zum Dreamcast-Spiel mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen hat. Vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden scheint es, als wären die Wiimotes für derart schnelle Bewegungen nicht ausgelegt; manche Aktionen werden erst mit Verzögerung, falsch oder sogar gar nicht erkannt. Mit Maracas-Aufsatz ist dieses Problem zwar immer noch vorhanden, allerdings in deutlich geringerem Umfang.

Samba de Amigo
Samba de Amigo
An anderer Stelle hingegen haben die US-Entwickler von Gearbox im Grunde alles richtig gemacht: Die Grafik ist zwar nicht sehr detailreich, aber kunterbunt und abgedreht. Die meiste Zeit bleibt dem Spieler zwar ohnehin nicht genügend Zeit zu beobachten, welche kruden Charaktere neben dem tanzenden, schon von der Dreamcast bekannten Hauptaffen gerade auf dem Bildschirm herumspringen, vor allem für Zuschauer ist das Ganze aber durchaus amüsant. Einen Zweispielermodus gibt es ebenso wie diverse Solomodi: Vom kurzen Song bis hin zur Karriere und zu diversen Minispielen wird einiges geboten, auch wenn das grundsätzliche Gameplay natürlich immer nur in Nuancen variiert wird.

Samba de Amigo
Samba de Amigo
Auch die Songauswahl weiß durchaus zu gefallen, das Spektrum reicht von offensichtlichen Klassikern wie La Bamba bis hin zu Stücken von Reel Big Fish, Jennifer Lopez oder Rihanna; in den meisten Fällen handelt es sich allerdings um Coverversionen, und nicht jedem Lied steht der Südamerikasound gut. Allerdings ist das kein spezifisches Samba-De-Amigo-Problem - fast jedes Musikspiel hat damit zu kämpfen, dass ein Teil der genutzten Songs nicht voll und ganz überzeugt. Zudem darf online mit Wii-Points auch Musik nachgekauft werden; einen wirklichen Multiplayer-Modus via Internet gibt es nicht.

Samba De Amigo ist für Nintendo Wii erhältlich und kostet etwa 50 Euro; Bundles mit Maracas sind für rund 70 Euro erhältlich. Die USK hat das Programm ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Fazit:
Wer schon auf der Dreamcast die Maracas geschwungen hat, könnte zunächst etwas enttäuscht sein - im Jahr 2000 war die Sega-Konsole besser darin, schnelles Schütteln und die korrekte Höhe zu erkennen, als es die Wii heute kann. Nichtsdestotrotz ist das Ganze ein gerade auch zu zweit äußerst unterhaltsamer Party- und Musikspaß mit nicht unbedingt beeindruckender, aber dafür äußerst unterhaltsamer Inszenierung - der zudem im Gegensatz zu damals auch mit Zusatzhardware deutlich günstiger zu haben ist.  (tw)


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